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Feuerwut in der Tiefgarage: Der Tag danach



Braunschweig

Feuerwut in der Tiefgarage: Der Tag danach

von Werner Heise


Foto: rbs-tv

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Braunschweig. Das gestern in der Magni-Tiefgarage wütende Großfeuer hielt Feuerwehr und Bürger in Atem (BraunschweigHeute.de berichtete). Knapp 400 Fahrzeuge waren zum Zeitpunkt des Brandes dort abgestellt, deren Besitzer größtenteils noch im Unklaren darüber sind, wie es um den Zustand ihrer Fahrzeuge bestellt ist. Bis zu 200 Autos sollen nach Angaben der Feuerwehr einen Totalschaden erlitten haben.


Seit 12 Uhr können zumindest schon einmal die im ersten Untergeschoss abgestellten Fahrzeuge abgeholt werden. In einer Pressemitteilung der Stadt Braunschweig heißt es wörtlich: "Eine Fahrzeugwäsche ist allerdings danach zwingend."

Alle Besitzer die ihr Gefährt im zweiten Untergeschoss abgestellt haben müssen sich noch gedulden, hier hat das Feuer direkt gewütet. Die Auswirkungen sind noch so schwer, dass ein Betreten dieser Parkebene mit Risiken verbunden wäre.

Telefonische Auskünfte vom Parkhaus-Betreiber



Der Ausfahrbetrieb wird vom Betreiber der Tiefgarage koordiniert. Dieser gibt unter der Braunschweiger Telefonnummer 41720 Auskünfte dazu.

Das zweite Tiefgeschoss bleibt weiterhin gesperrt. Die Fahrzeuge können also nicht herausgefahren und auch nicht besichtigt werden. Wie die Besitzer an Wertgegenstände in ihren Fahrzeugen gelangen, werde derzeit noch geklärt. Alle diesbezüglichen Fragen sind an den Betreiber zu richten. Das Parkhaus bleibt in Gänze bis auf weiteres außer Betrieb.

Sämtliche Wagen, die im zweiten Untergeschoss geparkt sind, sind von außen und auch von innen derart massiv mit Ruß verdreckt, dass eine Reinigung kaum denkbar sei. Ein Brandschadensanierer müsse nun jedes einzelne Auto überprüfen und entscheiden, ob es noch repariert beziehungsweise gesäubert werden kann.

Statik der Tiefgarage nicht beeinträchtigt


Die Statik der Tiefgarage sei nach Angaben von Torge Malchau von der Feuerwehr Braunschweig nicht beeinträchtigt, so dass der überirdische Verkehr wieder freigegeben werden konnte. Das Gebäude selbst ist jedoch stark in Mitleidenschaft gezogen, so dass hier umfangreiche Brandsanierungsmaßnahmen ergriffen werden müssten.

Brandursache ermittelt - Millionenschaden




Brandermittler der Kriminalpolizei haben nach Polizeiangaben heute morgen nach der Brandursache für das Feuer gesucht. Ihren Ermittlungen zufolge dürfte ein technischer Defekt beim Starten eines dort geparkten Autos Auslöser des Feuers gewesen sein. Die Flammen griffen dann auf weitere Fahrzeuge über, die zum Teil ausbrannten oder schwer beschädigt wurden.

Der genaue Schadenumfang steht noch nicht fest, dürfte sich aber im Millionen-Bereich bewegen.

Mietwagen-Nachfrage steigt


Die Nachfrage nach Mietwagen ist bei den Braunschweiger Verleihern seit gestern Mittag gestiegen. Allerdings seien noch ausreichend Kapazitäten vorhanden. Dies ergab eine Abfrage unserer Online-Tageszeitung. Ein Sprecher der Sixt Autovermietung teilte auf Anfrage mit, dass es grundsätzlich keinen Engpass geben dürfte, da die Flotte ständig in Bewegung sei und man kurzfristig auch Fahrzeuge von anderen Standorten hinzuholen könne.

Von geschockt bis verärgert: Betroffene vor Ort


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Nektarios Zachos ist stinksauer. Punkt 12 Uhr stand er am Eingang der Tiefgarage vor dem Absperrband. Eigentlich sollten die Besitzer der rund 400 Fahrzeuge in der Tiefgarage zu ihren Autos dürfen. Gegen 12.20 Uhr kommt Parkhaus-Betreiber Volkmar von Carolath die Rolltreppe hochgefahren. Dabei hat er eine gute und – für Zachos – eine schlechte Nachricht. Lediglich diejenigen, die im ersten Untergeschoss geparkt haben, dürfen zum Auto. Die Fahrzeuge eine Etage tiefer werden noch länger in der Tiefgarage bleiben müssen. Zu den Wagen darf auch niemand hin. "Vor Montag wird das nichts. Das ist zu gefährlich", sagt von Carolath. Die Luft sei noch zu stark kontaminiert, die CO2-Sättigung zu hoch. Außerdem bedecke eine zentimeterdicke Schicht aus Ruß und Kunststoffpartikeln die Autos. An ein Herausfahren sei da eh nicht zu denken. Für Zachos reicht es. Er fühlt sich im Stich gelassen, kritisiert die Informationspolitik.

"Stück für Stück durcharbeiten"


Tränen in den Augen hat eine Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie hat gesehen, wie das Feuer entstanden ist, hat ihren Wagen nur wenige Meter daneben stehen. "Der Mann hat versucht den Wagen zu starten. Da hat er die ganze Zeit georgelt und plötzlich kamen die Flammen", sagt sie. Eigentlich wollte sie gerade aus der Garage fahren, doch als sie die Flammen sah, sei sie gleich rausgerannt. Sie würde aus ihrem Auto, gerade einmal drei Monate alt, gerne noch einige Sachen holen. "Da sind Erinnerungen drin, die mir keine Versicherung ersetzen kann", erklärt die Dame. Ein USB-Stick mit Fotos zum Beispiel. Sie hofft, dass das Feuer ihn verschont hat.

Von Carolath will keine falschen Hoffnungen wecken. "Von den 223 Fahrzeugen im zweiten Untergeschoss sind 90 Prozent Totalschaden", schätzt er. Allein fünf Autos hätten am Ende gebrannt. Den Ärger der Betroffenen kann er verstehen. "Ich würde es ja gerne rückgängig machen, aber das geht leider nicht", sagt er. Seit 24 Stunden ist er jetzt mit fünf Mitarbeitern im Dauereinsatz. "Ich bitte auch um Verständnis, dass wir nicht mehr sagen können oder nicht gleich erreichbar sind. Unsere Telefonanlage ist für so einen Fall nicht gemacht. "Wir müssen uns da jetzt Stück für Stück durcharbeiten."

Vorwürfen, die Tiefgarage hätte aufgrund der Wartungsarbeiten der Sprinkler-Anlage gar nicht geöffnet werden dürfen, tritt von Carolath entgegen. "Wir haben das alles mit unserem Versicherer im Vorfeld besprochen. Der hatte eine Brandwache gefordert, die haben wir gestellt." Der Mitarbeiter sei einer der beiden Verletzen gewesen.

Versicherung des Verursachers beauftragte Gutachter


Die Versicherung des Verursachers, die Debeka, hat mittlerweile die Gutachter der DEKRA aus Braunschweig mit der Aufnahme des Schadens beauftragt. Betroffene können sich unter der Rufnummer 0531/21330 dort melden. Es wurde extra ein großes Firmengelände angemietet, um die Fahrzeuge dorthin zubringen und zu begutachten.

Ansonsten sollten sich die Betroffenen auch so schnell wie möglich mit ihrer eigenen Versicherung in Verbindung setzten, rät Melanie Mayer von der Öffentlichen. Da die Fahrzeuge nicht durch einen Unfall beschädigt wurden, sondern zufällig in der Nähe eines brennenden Wagens standen, müsse der Schaden zunächst über die eigene Voll-/Teilkasko und – für Gegenstände im Auto – die Hausratversicherung reguliert werden. Sollte dann eine Haftung des Verursachers festgestellt werden, würden die Versicherungen das unter einander regeln. Auf jeden Fall sollten Betroffene, die selbst aus der Garage fahren, Lüftung und Klimaanlage auslassen, um den möglichen Schaden nicht noch zu vergrößern und sich am Ende noch selbst zu gefährden. Der Wagen sollte dann dem Schadenschnelldienst vorgestellt werden. Einen Anspruch auf einen Mietwagen hätten die Betroffenen leider nicht automatisch. "Das kommt dann auf den Vertrag mit der Versicherung an", sagt Mayer. Wahrscheinlich wird der Brand noch viele Anwälte beschäftigen…


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