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Flüchtlinge in Arbeit bringen - Sprachbarriere als Hauptproblem

von Robert Braumann


Die Unternehmen in der Region können sich überwiegend vorstellen Flüchtlinge zu beschäftigen, sehen die Sprachbarriere aber als Problem. Foto: Pixabay
Die Unternehmen in der Region können sich überwiegend vorstellen Flüchtlinge zu beschäftigen, sehen die Sprachbarriere aber als Problem. Foto: Pixabay Foto: Pixabay

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07.09.2016




Region. Zunehmend sorgen sich Kommunalpolitiker um die Integration der Flüchtlinge, wenn es um den Arbeitsmarkt geht (regionalHeute.de berichtete). Immer wieder wird dabei die Sprachbarriere als Problem genannt. Ähnlich sehen es viele Unternehmen, wie eine aktuelle Umfrage des Arbeitgeberverbandes Region Braunschweig zeigt. 

So können sich fast 85 Prozent der befragten Firmen vorstellen Flüchtlinge zu beschäftigen, aber eben nur, wenn die Menschen auch die deutsche Sprache verstehen und sprechen. Fast 80 Prozent gaben die Sprachbarriere als eine der größten Hürden an. Florian Bernschneider, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Region Braunschweig, ergänzte: "Seit Beginn des starken Zustroms von Flüchtlingen erleben wir eine große Bereitschaft der Arbeitgeber unserer Region Flüchtlinge in den Betrieben aufzunehmen; die aktuelle Umfrage untermauert das erneut.



Tatsächlich bestanden zu Beginn an vielen Stellen aber noch gar keine Strukturen dafür. Zuständigkeiten und Verfahren waren teilweise unklar oder mussten erst noch etabliert werden. Mit viel Engagement und Ehrgeiz sind einige Betriebe (zum Beispiel BMA, Jägermeister und andere) trotzdem vorangegangen und haben damit wichtige praktische Erfahrungen gesammelt, aus denen in den letzten Monaten wichtige Schlüsse für die Etablierung von Verfahren und Strukturen gezogen werden konnten."

Sprache als Schlüssel


Bürokratische Hürden sehe man momentan nicht mehr, man müsse aber immer im Hinterkopf haben, dass hinter jedem Flüchtling eine andere Persönlichkeit und Lebensgeschichte stehe. Deshalb sei ein 08-15 Verfahren für alle Menschen nicht denkbar. Hauptproblem sei die Sprachbarriere, dies würde auch die Umfrage eindrucksvoll belegen. "Für viele Betriebe ist es einfach notwendig, dass die Flüchtlinge gute Sprachkenntnisse haben.



Florian Bernschneider, Foto: Robert Braumann



Die Sprachkurse und Kurse zur Kompetenzfeststellung dauern aber und so gibt es bisher leider nur wenige Flüchtlinge, die tatsächlich schon in die Betriebe für eine Ausbildung oder gar eine sofortige Anstellung vermittelt werden können. Im ganzen Agenturbezirk der Arbeitsagentur Braunschweig-Goslar stehen derzeit weit weniger als 100 Flüchtlinge für eine Direktvermittlung (auch für eine Ausbildung und selbst bei Berücksichtigung von Deutschkenntnissen ab A2) in die Betriebe zur Verfügung."

Verschiedene Ansatzpunkte


Man bemühe sich bereits frühzeitig in Kontakt mit den Flüchtlingen zu treten, die aktuell noch in Sprachunterrichtsmaßnahmen sind. Auch weil man Überzeugt sei, dass Sprache in der betrieblichen Anwendung schneller gelernt werde. "Bei einer gemeinsamen Kontaktmesse der Arbeitsagentur am 06. September wollen wir junge Flüchtlinge aus den SPRINT-Klassen (Sprache- und Integration) der Berufsschulen mit Betrieben zusammenbringen. Ziel ist es, dass die Flüchtlinge einen Tag in der Woche im Betrieb hospitieren und vier Tage in der Schule sind. Nach Ende des Schuljahres könnte sich dieses Verhältnis dann drehen: Vier Tage Betrieb und einen Tag Sprachschule. Im Idealfall mündet das dann in einer Berufsausbildung", so Bernschneider.

Ein anderes Beispiel sei ein gemeinsames Programm von IG Metall und NiedersachsenMetall, bei dem Flüchtlinge mit der intensiven Begleitung des Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft in Betriebe der Metall- und Elektroindustrie geführt werden. "Mit Sprachunterricht, aber auch der Begleitung im Betrieb (Brücken zwischen den Kulturen bauen etc.) versuchen wir hier einen guten Einstieg für die Flüchtlinge in den Betrieben zu ermöglichen", erklärte Bernschneider. Die Umfrage finden Sie hier.


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