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Für Zivilcourage geehrt: Sie griffen ein, als Hilfe nötig war



Wolfenbüttel

Für Zivilcourage geehrt: Sie griffen ein, als Hilfe nötig war

von Alexander Dontscheff


Die vier anwesenden (von sechs) Geehrten mit ihren Urkunden und den Verleihern der Preise. Fotos: Alexander Dontscheff Foto: Dontscheff

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Wolfenbüttel. Am Montag wurden im Rathaus sechs Menschen geehrt, die in drei Fällen Zivilcourage bewiesen und zum Teil sogar Menschenleben gerettet haben. Unter Schirmherrschaft von Bürgermeister Thomas Pink, wurde die Ehrung gemeinsam von Polizei und Weißem Ring durchgeführt.



"Ich finde es großartig, wenn Menschen in gefährlichen Situationen nicht einfach die Augen schließen. Leider ist es heutzutage nicht immer so, dass man gegenseitig aufeinander Acht gibt", verdeutlichte Thomas Pink die Motive für die Ehrung. Und Rodger Kerst, Leiter des Polizeikommissariats Wolfenbüttel, ergänzte: "Zivilcourage geht uns alle an!"

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Oliver Schömig (2. v. re.) mit Hannelore Walpuski (Weißer Ring), Rodger Kerst (Polizei) und Bürgermeister Thomas Pink (re.). Es fehlt Nicole Jungmeister. Foto: Dontscheff




Im ersten Fall retteten Oliver Schömig und Nicole Jungmeister am 1. Juli in der Ringstraße einen 57-Jährigen aus seiner Wohnung, in der es zu einer starken Rauchentwicklung gekommen war. "Ich saß mit meiner Freundin gegen Mitternacht auf der Couch, als wir durch das geöffnete Fenster einen Piepton hörten, der sich dann als Rauchmelder herausstellte", berichtete der 22-Jährige. "Ich ging raus auf die Straße und bemerkte die Rauchentwicklung im Nachbarhaus." Da im Wohnzimmer der betroffenen Wohnung Licht brannte, ahnte der Student, dass sich dort noch Menschen aufhalten könnten. Bestärkt durch die in diesem Moment vor Ort eingetroffene Nicole Jungmeister, gingen die beiden gemeinsam ins Nachbarhaus und traten die Tür der Wohnung ein. Der Mann schlief im Wohnzimmer auf der Couch, während in der Küche auf dem Herd das Essen brannte. Der 57-Jährige konnte geweckt werden und eigenständig die Wohnung verlassen.

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Marilyn Schwendler und Dennis Ulrich erhielten ihre Urkunden ebenfalls aus den Händen von Hannelore Walpuski, Rodger Kerst und Thomas Pink. Foto: Dontscheff




Im zweiten Fall retteten Marilyn Schwendler und Dennis Ullrich aus Schladen einen 88-Jährigen, die in die Oker gefallen war, höchstwahrscheinlich das Leben. Am Vormittag des 18. Oktobers spazierten die beiden entlang der Oker, als sie die hilflose Frau, die sich mit letzter Kraft an einem Ast festhielt, entdeckten. Während Dennis Ullrich, der Frau half, sich über Wasser zu halten, verständigte Marilyn Schwendler die Rettungskräfte. Als diese eintrafen, hatte die Bewohnerin eines benachbarten Wohnheims nur noch 26 Grad Körpertemperatur und wurde direkt auf die Intensivstation gebracht. Dort erholte sie sich überraschend schnell. Wie die Tochter der Frau angab, hatte sich die sehbehinderte Seniorin an der Oker auf eine Bank setzen wollen, dies mit dem Steg verwechselt und sei abgerutscht. Rodger Kerst lobte nicht nur die schnelle und koordinierte Hilfe, sondern auch die Tatsache, dass die beiden Retter sich einen Tag später im Krankenhaus nach der 88-Jährigen erkundigten und diese besuchten.

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Recep Aydas mit der Urkunde. Seine Freundin Bruslijana Kabashi konnten den Termin im Rathaus nicht wahrnehmen. Foto: Dontscheff



Im dritten Fall halfen zwei junge Erwachsene einer Rentnerin, die Opfer eines Überfalls geworden war. Am 15. November gegen 20 Uhr hielten sich Recep Aydas und Bruslijana Kabashi im Hopfengarten auf, als ihnen drei Jugendliche auffielen, die sie nach der Uhrzeit fragten. Kurze Zeit später hörten sie die 84-Jährige um Hilfe schreien. Die Täter hatten die Frau gegen ihr Fahrrad gestoßen und eine Tasche geraubt. Während sich die 19-Jährige um die Frau kümmerte, verfolgte der 18-Jährige die Täter, von denen er einen festhalten konnte bis die alarmierte Polizei eintraf. Dadurch konnten letztlich alle drei Räuber ermittelt werden, die 14, 15 und 16 Jahre alt sind. Hannelore Walpuski vom Weißen Ring steht in Kontakt mit der Rentnerin. "Sie wird noch einige Zeit brauchen, um den Vorfall zu verarbeiten", so Walpuski. In erster Linie sei die Geschädigte wütend auf die Täter. Gleichzeitig sei sie aber auch dankbar, dass ihr so schnell geholfen wurde.

Den sechs beteiligten Helfern und Rettern wurden für ihre Zivilcourage nicht nur Urkunden verliehen, als kleines Dankeschön erhielten sie auch Gutscheine von ortsansässigen Unternehmen, die die Aktion sponsern, wie zum Beispiel dem Kino.


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