Wer gepanschtes Olivenöl kauft, ist selbst Schuld

von Andreas Molau





Foto:

Eigentlich ganz einfach: Für gutes Olivenöl braucht's gute Oliven.[/image] Der Stern hat seinen neuen Ekel-Lebensmittelskandal aufgedeckt: gepanschtes Olivenöl. Schuld sind aber nicht Rewe & Co, sondern die Verbraucher. Man fragt sich, warum darüber überhaupt noch jemand verwundert ist. Das Nachrichtenmagazin »Stern« berichtete am Mittwoch, dass Olivenöl-Panscher für die Handelskette Rewe ein unangenehmes Gebräu gemixt haben sollen. Mit von der Partie sind wohl auch die Olivenmarktführer DeOleo, die die Sorten Bertolli und Carapelli-Firenze vertreiben. Die italienische Staatsanwaltschaft ermittelt seit zwei Jahren gegen eine Gruppe von Olivenöl-Großhändlern, die sich um das Unternehmen Azienda Oleria Valpesana gruppiert haben. Die in der Nähe von Siena beheimatete Firma soll Olivenöl in großem Stil gepanscht haben. Statt der auszeichnenden »extra vergine« Spitzenqualität seien teils ranzige Öle verschnitten worden. Ein großer Teil davon sei überdies in den Export gegangen. Und in der Anklageschrift, die jetzt vorliegt, fällt auch der Name Rewe. Die Mixtur der Handelskette hat es in sich: Da wurden mutmaßlich acht verschiedene Ölqualitäten zusammengemischt. U.a. Lampantöl aus Spanien. Das ist zwar nicht unbedingt gesundheitsschädlich, aber ranzig und für den Verzehr ungeeignet. Was und wie viel von dem Zeug in den Handel gelangt ist, wird nun noch untersucht. Der Verbraucher hat jedenfalls seine obligatorische Ekelmeldung und kann sich einmal mehr eine Runde aufregen, dass man doch irgendwie keinem trauen könne. Dabei war die italienische Bäuerin auf der ästhetisch aufwendig gestalteten Olivenölflasche so schön drall. Die Schürze ländlich und die Haare so nett hochgebunden.

Fairer Handel und Solidarität als Schönwettervokabeln

Wurde da nicht jede Olive sorgsam von dieser zarten Hand begutachtet und in die nostalgische Ölmühle gesteckt? Dem Einzigen, dem der Verbraucher nicht trauen sollte, ist sich selbst. Was hat er denn geglaubt? Dass er fünf, sechs Euro ausgibt und dabei eine Erstpressung von tollen Oliven kriegt? Es ist das immer gleiche Schema. Lebensmittel dürfen nichts kosten. Wer aber für eine fix und fertige Lasagne nur 99 Cent ausgeben will, bekommt am Ende eine Mixtur aus gequälten rumänischen Kleppern. Nicht anders ist es beim Olivenöl. Welcher Bauer soll bei den Rewe-, Edeka- oder Kaufland-Billigmarken seinen Betrieb erhalten und dann auch noch Qualität produzieren? Fairer Handel und Solidarität, dass sind so rechte Schönwettervokabeln. Wenn entsprechende Labels mit den Honorationen von fern und nah verteilt werden, sind alle gerührt und wünschen der kolumbianischen Kleinbauerninitiative alles Gute. Wenn’s aber zum Kauf des »original griechischen Olivenöls« geht, spart man lieber auf die Flasche sechs Euro und regt sich anschließend auf, dass die »faulen Griechen« nichts auf die Reihe kriegen. Dass es sich je Salat dabei um lächerliche Centbeträge handelt, die man spart, ist vergessen, wenn man sich danach einen überteuerten Cocktail mit rückverdünnten, faden Fertigsäften im Lokal bestellt. Hier kostet dann ein Gläschen so viel wie eine ganze Flasche richtig gutes Olivenöl. So etwas ist sein Geld offenbar wert. Bei der Schlagzeile »Olivenöl-Panscher mixten auch für Rewe« ist der kritische Verbraucher jedoch hellwach und empört.


mehr News aus der Region