Mehr bezahlbarer Wohnraum: Partner starten „Bündnis für Wohnungsbau Gifhorn"

In Gifhorn soll künftig enger zusammengearbeitet werden, um neue Wege beim Wohnungsbau zu erproben.

GWG-Geschäftsführer Andreas Otto (M.) erläutert Bürgermeister Matthias Nerlich (r.) und Stadtbaurat Oliver Bley (l.) die vollzogenen Modernisierungsmaßnahmen am Herbert-Trautmann-Platz.
GWG-Geschäftsführer Andreas Otto (M.) erläutert Bürgermeister Matthias Nerlich (r.) und Stadtbaurat Oliver Bley (l.) die vollzogenen Modernisierungsmaßnahmen am Herbert-Trautmann-Platz. | Foto: Gifhorner Wohnungsbau-Genossenschaft eG

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Gifhorn. Wie kann bezahlbarer Wohnraum für alle entstehen? Diese Frage ist zentral für die Zukunftsfähigkeit des Standorts Gifhorn. Steigende Mietpreise sind längst auch für Menschen mit mittlerem Einkommen Anlass zur Sorge. Um dieser Entwicklung entschlossen zu begegnen, haben die Stadt Gifhorn, die Gifhorner Wohnungsbau-Genossenschaft eG (GWG), die Gifhorner Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft mbH (GEG) sowie die Stadtwerke Gifhorn GmbH das „Bündnis für Wohnungsbau Gifhorn“ ins Leben gerufen, heißt es in einer Mitteilung der Stadt am heutigen Montag.



Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Personen, die keinen Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein haben, für die marktüblichen Neubaumieten aber dennoch eine erhebliche Belastung darstellen. Ziel der Initiative ist es deshalb, durch das Zusammenwirken kommunaler Grundstückspolitik, wirtschaftlicher Bauweisen, geeigneter Finanzierungsmodelle und langfristiger Bewirtschaftung deutlich günstigere Wohnangebote zu ermöglichen.

„Wohnen darf kein Luxus sein"


Bürgermeister Matthias Nerlich betont die Bedeutung des Zusammenschlusses: „Wohnen darf kein Luxus sein, sondern für jeden machbar. Das ist unser Anspruch für Gifhorn. Im Bündnis für Wohnungsbau holen wir alle an einen Tisch, die mitgestalten können, und su- chen gemeinsam nach Lösungen, die wirklich helfen. So machen wir unsere Stadt nicht nur attraktiver, sondern auch ein Stück gerechter.“
In genau dieser Kooperation lokaler Partner sieht auch für Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V., einen Schlüssel zum Erfolg. Er sagt: „Wir werden die Wohnungsfrage nicht allein mit immer höheren Förder- beträgen lösen. Wir müssen auch wieder einfacher, schneller und kostengünstiger bauen können. Wenn Gifhorn gemeinsam mit Bauverwaltung und Wohnungswirtschaft erprobt, wie Standards, Verfahren, Grundstückskosten und serielles Bauen besser zusammenspielen können, hat das durchaus das Potenzial, über die Stadt hinaus Vorbildcharakter zu entwi- ckeln.“


Gemeinsam für effiziente Lösungen


Das Bündnis versteht sich als gemeinsames Steuerungs- und Umsetzungsinstrument aller Ak- teure vor Ort. Grundlage ist ein Strategiepapier, das GWG-Geschäftsführer Andreas Otto und Stadtbaurat Oliver Bley entwickelt haben. Darin sind konkrete Kriterien und Ansätze defi- niert, um die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum zu beschleunigen.


Andreas Otto, Geschäftsführer der GWG, hebt die gemeinsame Verantwortung hervor: „Die Herausforderungen am Wohnungsmarkt meistern wir nur gemeinsam. Unser Bündnis steht für pragmatisches und zielorientiertes Handeln, vom Grundstückspreis über Bauverfahren bis zur Förderung. So schaffen wir die Basis für neue, bezahlbare Wohnungen und entlasten die Menschen in Gifhorn.“

Prozesse beschleunigen


Günstige Grundstückspreise bilden die Basis für bezahlbares Bauen. Die GEG als städtische Tochter übernimmt weiterhin bevorzugt die Entwicklung neuer Baugebiete und kann Flächen für den öffentlich geförderten Wohnungsbau zu günstigeren Konditionen vermarkten. Daneben sollen Prozesse optimiert werden, zum Beispiel durch eine Abstimmung aller Beteiligten ab Projektbeginn, und eine frühzeitige Beratung für Projekte des geförderten Wohnungsbaus erfolgen. Entsprechenden Bauanträgen kommt in der Bearbeitung eine besondere Bedeutung zu. Zusammen mit einer konsequent lösungsorientierten Verfahrensgestaltung schafft dies transparente und verlässliche Abläufe mit Modellcharakter.

Förderwege erweitern


Für Haushalte, deren Einkommen oberhalb der Fördergrenze des öffentlich geförderten Wohnungsbaus liegt, muss Bezahlbarkeit von Wohnraum gegeben sein. Das Bündnis schlägt daher vor, ergänzend zur Landesförderung in Gifhorn einen zusätzlichen Förderweg zu entwickeln, der gezielt diese Haushalte adressiert. Auch kommunale Finanzierungsmöglichkeiten werden dabei in die Prüfung einbezogen. Die Stadt Gifhorn hatte bereits in der Vergangenheit Mittel für wohnungspolitische Zwecke bereitgestellt.

Kosten senken


Bestehende Gebäude bieten wichtiges Potenzial für zusätzlichen Wohnraum. Deshalb soll die Förderstrategie den Bestand berücksichtigen, und das mit einem zielgerichteten Ansatz. Statt umfassender Vollsanierung „vom Dach bis zum Keller“ sollen Investitionen dort ansetzen, wo sie im Verhältnis zu den eingesetzten Mitteln die größtmögliche Wirkung erzielen. Gleiches gilt für die Schaffung von Barrierefreiheit. Wirtschaftliche Lösungen sind hier beispielsweise die Nachrüstung eines Aufzugs in Verbindung mit außenliegenden Laubengängen.

Wärmeversorgung gemeinsam weiterdenken


Die weitere Untersuchung der in der Kommunalen Wärmeplanung benannten Fokusgebiete wird vorangetrieben. Im Bereich des Fokusgebietes Bildungscampus verfolgen Stadt, Stadtwerke Gifhorn, GWG, Landkreis Gifhorn und die Gemeinnützige Bildungs- und Kultur GmbH des Landkreises Gifhorn den gemeinsamen Ansatz einer Wärmeversorgung. Dazu wurde bereits eine Voruntersuchung zur Wärmenetzeignung des Quartiers GWG/Bildungscampus beauftragt. Damit machen die Partner einen ersten Schritt auf dem Weg zu einer technisch und wirtschaftlich machbaren Wärmeversorgung.

Der Weg in die Umsetzung


Ein nächstes konkretes Vorhaben ist die Erarbeitung eines Förderweges für Wohnraum, der Haushalte adressiert, deren Einkommen geringfügig oberhalb der Grenzen eines Wohnberechtigungsscheins liegt. Hierzu gehört die rechtliche und haushaltsrechtliche Prüfung möglicher kommunaler Finanzierungsinstrumente.

Des Weiteren gilt es, geeignete Pilotprojekte für einfaches und serielles Bauen sowie für die quartiersbezogene energetische Weiterentwicklung zu konkretisieren. Der GWG-Bestand mit vielen Wohngebäuden aus den 1960er-Jahren erscheint hier vielversprechend, um energetische Modernisierung, wirtschaftliche Wärmeversorgung und langfristige Weiterentwicklung des Quartiers miteinander zu verbinden.

Um diese und weitere Vorhaben umzusetzen implementieren die Initiatoren des Bündnisses regelmäßige Treffen aller Beteiligten. Weitere Institutionen werden bei Bedarf eingebunden. Insgesamt schafft das Bündnis so einen gemeinsamen Arbeitsrahmen für Flächen, Verfahren, Standards, Förderungen, Mietpreisbindungen und Wärmeplanung.

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