Nutzlose Stromfresser? AfD will Luftfilteranlagen verkaufen lassen

Erste Ergebnisse der TU Braunschweig legten nahe, dass gut organisiertes Lüften ausreiche, um die Ansteckungsgefahr mit Coronaviren zu minimieren.

von Alexander Dontscheff


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Symbolbild Foto: pixabay

Gifhorn. Im Sommer 2021 hatte die Stadt Gifhorn nach Ratsbeschluss rund 450 mobile Luftfilteranlagen für Klassenräume angeschafft. Ziel war das Minimieren der Ansteckungsgefahr mit Coronaviren. Etwa 1,1 Millionen Euro wurden dafür ausgegeben (regionalHeute.de berichtete). Inzwischen gibt es Zweifel an der Notwendigkeit dieser Geräte. Die AfD-Fraktion im Rat der Stadt hat daher einen Antrag gestellt, den Betrieb der Geräte zu beenden und diese zu verkaufen. Das teilt die Fraktion in einer Pressemitteilung mit.



Bereits in der Ratssitzung Ende September hatte die Stadtverwaltung auf Anfrage der AfD-Fraktion über erste Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung der Luftfilteranlagen an Schulen und Kitas berichtet. Eine Auswertung bezüglich des eigentlichen Luftfiltereinsatzes stehe allerdings noch aus. Die Untersuchungen der TU Braunschweig hätten aber ergeben, dass auch in Klassenräumen mit nur einseitiger Fensterfront und ohne Möglichkeit zur Querlüftung zufriedenstellende Ergebnisse durch Lüften erzielt werden konnten. Möglich sei dies durch CO2-Ampeln, die durch einen Algorithmus eine Lüftungsempfehlung auf Grundlage der Anzahl der Fenster, der Art der Personengruppe, der Raumgröße, der Temperatur, der Luftgeschwindigkeit, der Luftfeuchtigkeit und des CO2-Gehaltes ableiten.

Luftqualität im sehr guten Bereich


Die Luftqualität durch Stoßlüften sei durchweg im sehr guten Bereich, heißt es in der Antwort der Verwaltung. Des Weiteren habe die Auswertung der Feuchtigkeits- und Temperaturmessungen ergeben, dass die Raumtemperaturen auch im Winter mindestens 19 Grad Celsius betragen hätten und die relative Luftfeuchte in der jahreszeitlich zu erwartenden Spanne liege. Die Bewertung der Wahrscheinlichkeit der Infektion einer Person im Raum liege bei einer Spanne von 0 (keine Infektionswahrscheinlichkeit) bis 10 (extrem hohe Infektionswahrscheinlichkeit) durchweg zwischen 1 und maximal 3.

Auf die AfD-Frage, ob man die Luftfilteranlagen, um Strom zu sparen, nicht abschalten solle, hatte die Verwaltung im September die Antwort gegeben, dass die Luftfilteranlagen auf jeden Fall im Automatikmodus weiter betrieben werden sollen. Das bedeute, dass die Anlagen lediglich bei einer Raumbelegung in Funktion seien. Nun legt die AfD mit einem konkreten Antrag nach. "Um den Schaden für die Stadt Gifhorn und die Bürger zu minimieren, erwarten wir einen unverzüglichen Verkauf/Wiederverwertung der Luftfilter solange dafür noch Käufer zu finden sind", teilt Fraktionsvorsitzender Stefan Marzischewski-Drewes mit.

Förderung ausgeblieben


Letztendlich leidtragende seien die Gifhorner Steuerzahler, denn es gebe auch keiner Fördermittel für die Anschaffung, so Marzischewski-Drewes weiter, der sich auf einen Artikel der Braunschweiger Zeitung bezieht, in dem die Stadtverwaltung einräumt, dass erhoffte Fördermittel ausgeblieben seien. Daher fordere die AfD auch einen sofortigen Stopp des Weiterbetriebs, damit der "unnütze Stromverbrauch" beendet werde und keine weiteren Wartungskosten anfallen.


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