An der Oker: Darum rollen hier ab Ende Juni die Bagger

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz nimmt Gewässerabschnitt im Landkreis Goslar in den Fokus.

Der Ist-Zustand des Oker-Abschnitts bei Vienenburg aus der Luft: Zwischen den Kiesabbauflächen verläuft das Gewässer bisher stark kanalisiert.
Der Ist-Zustand des Oker-Abschnitts bei Vienenburg aus der Luft: Zwischen den Kiesabbauflächen verläuft das Gewässer bisher stark kanalisiert. | Foto: NLWKN

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Goslar/Braunschweig. Auf dem Weg zu einem wieder naturnaheren Zustand der Oker unternimmt der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) neue Anstrengungen: Zwischen den Goslarer Ortsteilen Probsteiburg und Vienenburg startet der Landesbetrieb Ende Juni auf einem rund drei Kilometer langen Teilabschnitt ein umfangreiches Renaturierungsprojekt. Dabei wird der bisher strukturarme Abschnitt umfassend umgestaltet, darüber informiert der NLWKN in einer Pressemitteilung.



Bisher verlaufe der Fluss in diesem Bereich nach umfangreichen Eingriffen im 20. Jahrhundert vorwiegend kanalartig. Die stark vom Menschen überformte Gewässerstruktur mit zahlreichen Sohlabstürzen unterbinde Wanderbewegungen von Fischen und Kleinlebewesen – und damit die Erreichung eines der wichtigsten Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie in der Region. Ende Juni sollen südlich von Vienenburg deshalb umfangreiche Arbeiten zur ökologischen Aufwertung der Oker beginnen. „Wir stellen die einst natürlich gegebene Durchgängigkeit wieder her und ermöglichen Fischen und Kleinlebewesen nach mehreren Jahrzehnten erstmals wieder die Wanderung stromauf- und stromabwärts“, so Projektingenieurin Silke Seemann von der NLWKN-Betriebsstelle Süd in Braunschweig. Das Vorhaben ziele darauf ab, bestehende Defizite bezüglich der Fauna, Gewässermorphologie und der ökologischen Durchgängigkeit zu beheben.

Sohlgleiten statt unüberwindbare Abstürze


Insgesamt sollen im Zuge der Renaturierung in den kommenden Wochen dabei elf für die Fische der Oker unüberwindbare Sohlabstürze zurückgebaut und durch Sohlgleiten ersetzt werden. Zudem soll ein kurzer Nebenarm entstehen. Durch den Einbau von Kiesbänken und Totholz soll wieder Strukturvielfalt und Dynamik in den Verlauf des Flusses gebracht werden.

Im Zuge der Arbeiten sollen die vorhandenen Spundwände der einzelnen Sohlabstürze bis unter die neue Gewässersohle zurückgebaut werden. An ihre Stelle sollen die langgestreckten Sohlgleiten treten, die den Höhenunterschied im Gewässer naturnah überwinden und die ökologische Durchgängigkeit der Oker wiederherstellen. „Gleichzeitig entstehen strukturreiche Gewässerabschnitte, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten zugutekommen“, so Seemann.

Baustelle macht Wegsperrungen erforderlich


Im Zuge der Planung und Vorbereitung hätte sich der Landesbetrieb eng mit regionalen Akteuren wie der Unteren Wasser- und Naturschutzbehörde der Stadt bzw. des Landkreises Goslar und dem zuständigen Unterhaltungsverband Oker abgestimmt. Die witterungsabhängigen Bauarbeiten werden voraussichtlich rund 16 Wochen andauern. Bauherr des Vorhabens ist das Land Niedersachsen, vertreten durch den NLWKN. Gefördert werde das Projekt im Rahmen des sogenannten NEOG-Förderprogramms (Naturnahe Entwicklung der Oberflächengewässer) unter finanzieller Beteiligung des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) sowie des Landes Niedersachsen. Die Ausführung der Arbeiten erfolge durch das Bauunternehmen Mittelweser Tiefbau GmbH, welches mit der baulichen Umsetzung vergleichbarer Vorhaben bereits Erfahrung habe.

Der NLWKN weist darauf hin, dass es im Bereich der Baustelle zu Einschränkungen kommen kann. So müssen etwa die an die Oker angrenzenden Wege im Bereich der Abstürze aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Unter www.nlwkn.niedersachsen.de/steinfeld informiere der Landesbetrieb während der Bauzeit über den Fortschritt des Baugeschehens und den Stand der Einschränkungen. Die Planer bitten Anwohnerinnen und Anwohner sowie Erholungssuchende um Verständnis für die notwendigen Arbeiten, heißt es in einer Mitteilung. „Mit der Umsetzung des Projekts wird ein weiterer wichtiger Beitrag zur Verbesserung des ökologischen Zustandes der Oker und somit zur Erreichung der Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie geleistet“, betont Amadeus Meinhardt-Hey, Geschäftsbereichsleiter Planung und Bau beim NLWKN in Braunschweig.

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