„Experten in die Schulen“ - Einblicke in die Berufswelt


Im Hotelgewerbe wird Nachwuchs dringend benötigt. Steffen Fredersdorf, Küchenchef im Goslarer H+ Hotel, bereitete mit den Schülerinnen und Schülern in einem praktischen Teil einen gesunden Snack aus Avocado, Pulled-Pok und Reiswaffel zu. Foto: Landkreis Goslar
Im Hotelgewerbe wird Nachwuchs dringend benötigt. Steffen Fredersdorf, Küchenchef im Goslarer H+ Hotel, bereitete mit den Schülerinnen und Schülern in einem praktischen Teil einen gesunden Snack aus Avocado, Pulled-Pok und Reiswaffel zu. Foto: Landkreis Goslar | Foto: privat

Vienenburg. In der Vicco-von-Bülow Oberschule erfolgte am heutigen Dienstag der Auftakt einer neuen Initiative der Berufsorientierung. Unter dem Titel „Experten in die Schule“ erhielten rund 120 Schülerinnen und Schüler des 8. und 9. Jahrgangs einen gezielten Einblick in die berufliche Vielfalt im Landkreis Goslar. Das teilt der Landkreis mit.


Mit welchen Aufgaben beschäftigt sich ein(e) Groß- und Außenhandelskauffrau/mann? Welche Herausforderungen bringen die unterschiedlichen Berufsfelder im Hotelgewerbe mit sich oder was genau macht überhaupt ein(e) Chemikant/in?
Diese und viele weitere Fragen standen im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung „Experten in die Schulen“ in der Vicco-von-Bülow-Oberschule in Vienenburg. Rund 120 Schülerinnen und Schüler des achten und neunten Jahrgangs folgten interessiert den Ausführungen der geladenen Experten und erhielten dabei spannende und überraschende Einblicke in die berufliche Vielfalt im Landkreis Goslar.

Organisiert und begleitet wird die Initiative, die unter dem Namen „Kooperationsmodelle für Unternehmen und Schulen im Landkreis Goslar“ firmiert, von der Koordinierungsstelle Übergang Schule – Beruf beim Landkreis Goslar und der WiReGo (Wirtschaftsförderung Region Goslar GmbH & Co. KG). Zentrales Ziel des gemeinsamen Projektes ist die Verbesserung des Kontaktes zwischen Schulen und betrieblicher Praxis um zur Förderung der Ausbildungsreife beizutragen.

Ideen für das Schulpraktikum mitnehmen


Beate Kegel, kommissarische Leiterin der OBS Vienenburg, hält den Zeitpunkt des Projektauftaktes für gut gewählt und hofft, dass ihre Schülerinnen und Schüler aus der Veranstaltung auch Ideen für das anstehende große Schulpraktikum nach den Ferien mitnehmen. Ferner lobte sie das innovative Konzept, das es den Schülerinnen und Schülern ermögliche, Betriebe beziehungsweise Ausbildungsfelder ganz gezielt nach ihrem individuellen Interesse auszuwählen. Als einen weiteren Vorteil des Konzeptes werten Schule und Unternehmen den direkten Kontakt mit potentiellen Nachwuchskräften, der es der regionalen Wirtschaft ermögliche, sich bereits frühzeitig den Fachkräften von Morgen zu präsentieren und für eine Ausbildung in den Betrieben der Region zu werben.

Diese Intention unterstrich unter anderem Ralf Haensel, Ausbildungsleiter beim Goslarer Chemieproduzenten H.C. Starck, der den Ausbildungsberuf des Chemikanten vorstellte. Laut Aussage Haensels mangele es der Branche an qualifiziertem Nachwuchs. Allein für das kommende Ausbildungsjahr seien noch zahlreiche Ausbildungsplätze zu besetzen. Das Berufsbild des Chemikanten, so die klare Botschaft Haensels, sei zwar durchaus anspruchsvoll, biete jedoch eine spannende, abwechslungsreiche und sichere Perspektive für die Zukunft. Das nun erstmals praktizierte Berufsorientierungsmodell „Experten in die Schulen“ wertet Haensel als vielversprechend mit Blick auf die Gewinnung geeigneter Bewerber.

Nachwuchsmangel kein Fremdwort


Der Begriff Nachwuchsmangel ist auch für Jochen Klauder, Direktor des Goslarer H+ Hotels, kein Fremdwort. In seinem Betrieb wird die komplette Bandbreite des Hotelfachs ausgebildet, sprich vom/von der Restaurantfachmann/-frau über das Housekeeping bis hin zum/zur Koch/Köchin. „Qualifizierter Nachwuchs wird immer gebraucht. Vor allem bietet das Hotelfach nicht nur vielfältige Chancen, sondern auch die Möglichkeit die Welt kennenzulernen“, erklärte der erfahrene Hotelmanager. Den Schülerinnen und Schüler boten Klauder und sein Team schließlich nicht nur einen theoretischen Einblick in die Arbeitsabläufe eines großen Hotels, sondern auch eine praktische Komponente. Küchenchef Steffen Fredersdorf und Restaurantleiterin Nicole Kaulfuß bereiteten gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern einen gesunden Snack mit Avocado, Blattsalat und Pulled Pork sowie alkoholfreie Cocktails zu.

Anne-Katrin Göbel von der Koordinierungsstelle Übergang Schule -Beruf beim Landkreis Goslar zeigte sich zufrieden mit dem Ablauf der ersten Veranstaltung: „Unser Ziel ist es, in den Schulen für Ausbildungsberufe zu werben und aufzuzeigen, dass sie eine wirklich gute berufliche Perspektive bieten. Abitur und Studium müssen nicht immer der Königsweg sein.“

Aufträge müssen abgelehnt werden


Vanessa Grond, Referentin für Wirtschaftsförderung und Fachkräfte bei der WiReGo, betonte, dass es vor allem auch für kleine und mittelständische Betriebe aus dem Handwerk wichtig sei, sich frühzeitig vorstellen zu können und für ihre Branche zu werben. Aus ihrer täglichen Arbeit weiß sie, dass es den Handwerksbetrieben zunehmend schwerer fällt, Auszubildende zu akquirieren: „Aufträge können zum Teil nicht mehr angenommen werden, da es für die Bearbeitung am Personal mangelt“, skizziert Grond das Dilemma in Teilen des Handwerks.

Neben der Chemiebranche und dem Gastgewerbe stellten unter anderem auch der Landkreis Goslar, die AOK-Gesundheitskasse, Eurawasser sowie die HarzEnergie die Ausbildungsmöglichkeiten in ihren Betrieben vor. Bei der heute gestarteten Berufsorientierungsinitiative handelt es sich übrigens um ein bisher regionsweit einzigartiges Konzept, das sich gegenwärtig im Aufbau befindet. Neben der OBS Vienenburg beteiligen sich in der Pilotphase noch das Werner-von-Siemens-Gymnasium in Bad Harzburg, die „Schule am Schloss“ in Liebenburg, die Haupt- und Realschule Clausthal-Zellerfeld sowie die Realschule „Goldene Aue“.

Hintergrundinformationen:
Mit der Initiative „Kooperationsmodelle für Unternehmen und Schulen“ soll allen Branchen und Betrieben die Möglichkeit gegeben werden, sich mit den Schulen im Landkreis Goslar enger zu vernetzen und darüber die Schülerinnen und Schüler für eine Berufsausbildung in unserer Region zu begeistern. Das Konzept besteht aus drei unterschiedlichen Modulen, die von den Unternehmen und Schulen frei gewählt werden können. In der nun gestarteten Pilotphase kommt zunächst das Modul II „Experten in die Schulen“ zum Einsatz.

Die Module im Überblick:
In Modul I („Wirtschaft & Schule = Partner“) sollen gezielt Lernpartnerschaften zwischen Unternehmen und Schulen gebildet werden, um den im Lehrplan festgeschriebenen Inhalten durch fachliche Unterstützung seitens der betrieblichen Partner einen größeren Praxisbezug zu verliehen. In Modul II („Experten in die Schulen“) vermitteln Referenten aus der Wirtschaft den Schülerinnen und Schülern mit spannenden und informativen Vorträgen Einblicke in die verschiedenen Berufsbilder, Branchen und Ausbildungsmöglichkeiten. Und in Modul III („Unternehmen unterrichten“) können sich Unternehmen aktiv in die Gestaltung des Unterrichts einbringen.


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