Goslar. Die Goslarer Friedensgespräche stehen vor einer neuen Runde und sind bereits im Vorfeld Gegenstand von Diskussionen. Am morgigen Donnerstag wird Oberst a.D. Wolfgang Richter im Kulturmarktplatz zu Gast sein, um über das Thema "Abschreckung – Garant für Frieden und Sicherheit?" zu referieren.
Die Veranstaltung wirft Fragen zur Sicherheitspolitik auf, aber auch zur Meinungsvielfalt und der politischen Haltung eines Referenten.
Militärexperte als Redner – ein Widerspruch?
Das Goslarer Friedensbündnis hat mit der Einladung von Wolfgang Richter eine bewusste Entscheidung getroffen. Der ehemalige Offizier und Sicherheitsexperte ist Mitglied der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, so die "Goslarsche Zeitung" in einem Beitrag. Sein Vortrag behandelt die ab 2026 geplante Stationierung von US-Mittelstreckenraketen und Marschflugkörpern in Deutschland – ein Thema, das in sicherheitspolitischen Kreisen intensiv diskutiert wird. Der Referent werde dabei auf die strategischen Auswirkungen und mögliche Konsequenzen für Deutschland eingehen. Im Anschluss an den Vortrag haben die Besucher die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Der Eintritt ist frei.
Stadt Goslar zieht sich jedoch aus einer Kooperation zurück
Für kontroverse Diskussionen sorgt hingegen der zweite Referent der Friedensgespräche: Der Journalist und ehemalige Filmemacher Dirk Pohlmann von der ARD sollte in einem weiteren geplanten Friedensgespräch am 6. Mai über sein Buch "Der Fluch der bösen Tat – Hiroshima und Nagasaki" sprechen. Die Stadtverwaltung distanzierte sich jedoch von ihm und zog ihre Kooperation zurück. Begründet wurde dies mit der kritisierten politischen Haltung des Referenten. Laut dem "Tagesspiegel" soll Pohlmann mit seinen Äußerungen zu Russland und der Ukraine-Krise für Kontroversen gesorgt haben.
Junge Rekruten in Niedersachsen: Bundeswehr verzeichnet steigende Zahlen
Parallel zur Diskussion um militärische Abschreckung zeigen zudem aktuelle Zahlen des Verteidigungsministeriums, dass immer mehr Niedersachsen zur Bundeswehr gehen – darunter auch Minderjährige. Wie der NDR berichtet, hätten im vergangenen Jahr etwa 2.678 Soldaten aus Niedersachsen ihren Dienst angetreten, ein Anstieg von knapp 18 Prozent. Besonders auffällig ist die Zunahme minderjähriger Rekruten: 230 Soldaten waren erst 17 Jahre alt. Damit liegt der Anteil der unter 18-Jährigen bei 8,6 Prozent.
Laut Verteidigungsministerium dürfen minderjährige Soldaten nur mit Zustimmung ihrer Erziehungsberechtigten eintreten. Zudem müssen sie besondere psychische und physische Tests bestehen. Wachdienste oder Auslandseinsätze sind für sie nicht erlaubt, ihre Ausbildung findet unter strenger Kontrolle statt.