Hitzewelle: Chefärztin mahnt zu Vorsichtsmaßnahmen


Kopfschmerzen, Schwindel, Kreislaufprobleme sowie allgemeines Unwohlsein sind die typischen Hitze-Symptome. Symbolfoto: Alexander Panknin
Kopfschmerzen, Schwindel, Kreislaufprobleme sowie allgemeines Unwohlsein sind die typischen Hitze-Symptome. Symbolfoto: Alexander Panknin | Foto: Alexander Panknin

Goslar. Die Hitzewelle reißt nicht ab: Am kommenden Dienstag und Mittwoch sollen die Temperaturen laut Prognosen bundesweit fast überall über die 30-Grad-Marke steigen. Auch nachts bleibt es warm mit subtropischen Temperaturen.


Kopfschmerzen, Schwindel, Kreislaufprobleme sowie allgemeines Unwohlsein sind die typischen Hitze-Symptome von Patienten, die sich in einer Notaufnahme vorstellen oder dorthin gebracht werden, umschreiben die Asklepios Harzkliniken die aktuelle Situation. Zwar gibt es wegen der Hitzewelle derzeit nicht mehr Patienten in der Rettungsstelle der Harzklinik Goslar, aber: Die Mediziner appellieren, sich bei dem extremen Wetter an Vorsichtsmaßnahmen zu halten, um den Gang zum Arzt zu vermeiden.

„Vor allem ältere Menschen und Kinder reagieren bei extremer Hitze empfindlicher und sollten vorsichtig sein, die unmittelbare Hitzeeinwirkung und besonders der Mangel an Flüssigkeit sind gefährlich“, erklärt Dr. medic/UMF Bukarest, Ulrike Cretan, Chefärztin der Rettungsstelle und interdisziplinären Intensivstation der Asklepios Harzkliniken. „An heißen Tagen haben Menschen mitunter einen erheblich höheren Flüssigkeitsbedarf. Das körpereigene Kühlungssystem stößt dann schnell an seine Grenzen und es kann zu einer Dehydrierung kommen. Der Mangel an Flüssigkeit im Körper ist dabei Folge von zu geringer Flüssigkeitsaufnahme und einem großem Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen“, erläutert die Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Rettungsmedizin, Notfallmedizin und Intensivmedizin.

Hintergrund: Der menschliche Körper besteht zu 60 Prozent und das Gehirn zu 80 Prozent aus Wasser. Deshalb macht sich ein Flüssigkeitsmangel als Erstes im Kopf bemerkbar. „Patienten klagen dann über Kopfschmerzen, Schwindel, Kreislaufprobleme, Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein. Aber auch eine Bewusstseinstrübung kann eine ernstzunehmende Folge der Hitze sein“, so Chefärztin Cretan. Außerdem gehen durch das Schwitzen auch wertvolle Mineralstoffe, die der Körper für seine Stoffwechselprozesse benötigt, verloren. Bei Patienten mit Herzschwäche ist bei zunehmenden Beschwerden zeitnah der Hausarzt zu kontaktieren. Tägliches Wiegen sowie regelmäßige Blutdruckkontrollen können zur Einschätzung des Flüssigkeitshaushaltes und der Kreislaufsituation dienen.

Ratschläge der Experten



  1. Tragen Sie luftige Kleidung und eine helle Kopfbedeckung, wenn Sie in der Sonne unterwegs sind.


  2. Halten Sie sich möglichst in kühlen Räumen auf.


  3. Vermeiden Sie ungewohnte körperliche Anstrengung.


  4. Setzen Sie sich nicht der prallen Sonne aus (z.B. bei der Arbeit im Garten).


  5. Gönnen Sie sich eine Mittagspause, machen Sie „Siesta“.


  6. Bevorzugen Sie leichte Kost wie Gemüse, Fisch oder Obst.


  7. Trinken Sie mehr als sonst, „immer über den Durst“, aber keinen Alkohol und nicht zu kühle Getränke.


  8. Trinken Sie nicht zu viel auf einmal, denn pro Stunde können Sie nur 500 bis 800 Milliliter Flüssigkeit aufnehmen und sinnvoll verwerten. Am besten trinken Sie über den Tag verteilt jede Stunde ein Glas Wasser, auch wenn Sie noch keinen Durst haben.


  9. Bei Hitze verbraucht der Körper mehr Natrium, Magnesium und Calcium. Deshalb ist es ratsam, dementsprechend angereicherte Mineralwässer zu trinken. Herz- und nierenkranke Menschen sollten allerdings aufpassen und ihren Arzt befragen, welche Wassersorten und –mengen für sie geeignet sind.


  10. Lassen Sie niemals Kinder oder Haustiere in einem geparkten Auto zurück.



Flüssigkeitsverlust und Durst
Bei Senioren macht der Anteil von Flüssigkeit am Körpergewicht nur 60 Prozent aus. Bei großer Hitze gehen mit dem Körperwasser immer auch Natrium, Magnesium und Calcium mit verloren. Und zwar vor allem aus den Körperzellen einschließlich Nervengewebe. Diese trocknen dann regelrecht aus. Man wird dadurch müde und matt, die Reaktionsfähigkeit lässt nach, was unter anderem im Straßenverkehr riskant ist. Im Extremfall kann es zu regelrechten Verwirrtheitszuständen kommen. Aber auch das Herzkreislaufsystem ist gefährdet durch ein Versacken des Blutes mit Blutdruckabfall und durch Eindicken des Blutes mit Thrombose und Embolie. Ältere Autofahrer sollten ebenfalls ein Prinzip der Regelmäßigkeit pflegen, nämlich alle zwei Stunden eine Pause zum Abkühlen und Trinken einlegen. Dies ist umso wichtiger, da die fehlende Wärmeabgabe im überhitzten Autofatale Folgen für Reaktionsvermögen und Körperkreislauf hat.

Warme oder kalte Getränke
Kalte und eiskalte Getränke belasten den Körper deutlich mehr als wohltemperierte oder warme, denn er muss viel Energie aufbringen, um die Temperatur zu regulieren. Als Folge schwitzen wir noch mehr. Dadurch werden zusätzliche Kalorien verbrannt, mit dem Effekt, dass zusätzliche Körperwärme entsteht. Extrem kalte Getränke können außerdem zu Magenproblemen und Unwohlsein führen. Deshalb der Hinweis: Auch warmer Pfefferminztee kann erfrischen und die Blutgefäße in Magen und Darm erweitern, sodass der Tee besser und schneller als kalte Getränke ins Blut gelangen kann.

Gefühlte Temperaturen
Die sogenannte gefühlte Temperatur weicht von der tatsächlich gemessenen Temperatur ab. Sie wird anhand von Luftfeuchte, Strahlung, Wind, tatsächlicher Temperatur sowie dem menschlichen Verhalten (Aktivität und Bekleidung) berechnet.

Im Notfall immer 112 anrufen!
Wenn es zu einem Hitzschlag oder Kollaps gekommen ist oder der Verdacht besteht, ist sofort der Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112 zu verständigen. Bringen Sie den Betroffenen an einen kühlen Ort, lockern Sie seine Kleidung, kühlen Sie mit feuchten Tüchern ab und reichen Sie Getränke, nicht zu kühl und nicht zu viel auf einmal.


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