Mit Blut und Urin: Landkreis sammelt Umweltdaten an Grundschulen

Mithilfe von Blut- und Urinproben von Grundschülern will der Landkreis Goslar Umweltdaten in Oker-Harlingerode sammeln. Es geht um Blei- und Cadmiumbelastungen

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Symbolbild. | Foto: pixabay

Goslar. Die Untersuchungen aus Anlass des umweltmedizinischen Gutachtens Oker-Harlingerode, die aufgrund der Coronapandemie bereits zweimal verschoben werden mussten, sollen nun zeitnah starten. Das berichtet der Landkreis Goslar in einer Pressemitteilung. Als Zeitpunkt haben sich alle Beteiligten auf die ersten Wochen nach den Herbstferien verständigt. In der Zeit vom 2. bis voraussichtlich 12. November sollen die Testkits an die Schülerinnen und Schüler der beiden Grundschulen verteilt werden.


Durch den über viele Jahre währenden Bergbau und den Betrieb von Metallhütten im Landkreis Goslar und insbesondere in dem Untersuchungsgebiet gelangten zahlreiche Schwermetalle darunter unter anderem Blei und Cadmium in die Umwelt. Mit der großangelegten Gesundheitsstudie soll untersucht werden, wie hoch die körperliche Belastung mit Blei und Cadmium bei den Grundschülern und deren Erziehenden aus Oker und Harlingerode ist.

Für die Durchführung der inzwischen als BLENCA-Studie (BLENCA steht für Blei und Cadmium) betitelten Untersuchung werden Urin- und Blutproben benötigt. Während die Eltern gebeten werden, beide Proben zu Hause zu entnehmen, werden die Blutproben der Kinder durch die Forscher des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München in der Schule genommen. Lediglich die Urinprobe müssen die Kinder daheim erledigen. Entsprechendes Material für die Entnahme der Proben und Behältnisse für den anschließenden Transport bekommen die Kinder mit nach Hause. Darüber hinaus werden die erwachsenen Teilnehmer gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Dies kann online im Internet oder über das Telefon erfolgen. Die Daten werden selbstverständlich anonymisiert erhoben.

Erleichterung nach langem Aufschub


Landrat Dr. Alexander Saipa, der am Montag, 1. November, sein Amt als neuer Chef der Goslarer Kreisverwaltung antritt, freut sich, dass die Untersuchungen nun endlich weitergehen können. „Natürlich hätten wir uns schon zu einem früheren Zeitpunkt Ergebnisse gewünscht. Die Coronapandemie hat uns da aber wie bei so vielen weiteren Vorhaben einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich bin daher sehr gespannt auf den Verlauf und die Resultate der Studie. Ich will zwar nicht vorgreifen, aber ich hoffe natürlich, dass wir keine Auffälligkeiten feststellen werden. Über die Ergebnisse werden wir selbstverständlich umfassend informieren.“, erklärt Landrat Saipa.

Ein großes Extralob schickt Dr. Alexander Saipa in Richtung der beiden Schulleitungen. „Frau Claudia Kohl, Rektorin der Grundschule Oker, und Frau Swenja Niemeyer, Rektorin der Grundschule Harlingerode, sind bei der Durchführung der Studie von Beginn an eine große Hilfe und ausgesprochen engagiert. Das ist nicht selbstverständlich, zumal die Institution Schule aktuell viele weitere Aufgaben zu meistern hat. Vor diesem Hintergrund ist es besonders bemerkenswert, dass die Schulleiterin die komplette Kommunikation mit den Erziehenden übernehmen wollen“, unterstreicht der neue Landrat.

Rege Teilnahme für solide Daten möglich


Die Münchner Wissenschaftlerinnen hoffen auf eine rege Teilnahme. Dies ist notwendig, um eine zuverlässige Datenlage zu erhalten. „Jeder und jede Einzelne ist daher sehr wichtig für uns“, betont die Studienleiterin Frau Professorin Dr. Katja Radon. Dr. Martin Hepp, Amtsarzt des Landkreises Goslar, schließt sich dieser Aufforderung an: „Eine derart großangelegte Untersuchung kann nur valide Ergebnisse liefern, wenn wir möglichst viele Proben für die Analyse erhalten. Gleiches gilt im Übrigen auch für den Fragebogen. Dieser soll dabei helfen, einen möglichen Zusammenhang zwischen der Umweltbelastung und gesundheitlichen Auffälligkeiten herauszuarbeiten.“ Unter allen Teilnehmenden werden übrigens sechs Familieneintrittskarten (zwei Erwachsene + zwei Kinder) für den Familienpark Sottrum verlost.

Für weiterführende und vor allem auch kindgerechte Informationen zum gesamten Studienablauf hat das Team um Professorin Radon unter Einbeziehung der beim Landkreis angesiedelten Projektgruppe umfangreiche Infomaterialien erstellt. Neben dem klassischen gedruckten Flyer wurde eine eigene Internetseite entwickelt. Dort können unter anderem animierte Erklärvideos abgerufen werden und die Fragebögen ausgefüllt werden. Die Durchführung des umweltmedizinischen Gutachtens geht auf einen Mehrheitsbeschluss des Kreistages zum Haushalt 2019 zurück. Insgesamt wurden 150.000 Euro dafür zur Verfügung gestellt.


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