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Ukraine-Krise: Landkreis Goslar holt das Ehrenamt an Bord



Ukraine-Krise: Landkreis holt das Ehrenamt an Bord

Vergangenen Mittwoch fand ein erstes Netzwerktreffen statt. Ab Montag wird ein Bürgertelefon eingerichtet.

Aus Rücksicht auf die Corona-Pandemie waren Zuschauer nicht vor Ort zugelassen. Interessierte konnten jedoch einen Live-Stream im Internet verfolgen.
Aus Rücksicht auf die Corona-Pandemie waren Zuschauer nicht vor Ort zugelassen. Interessierte konnten jedoch einen Live-Stream im Internet verfolgen. Foto: Landkreis Goslar

Goslar. Bei der Unterstützung und Integration der vertriebenen Menschen aus der Ukraine ist die Goslarer Kreisverwaltung dringend auf die Unterstützung ehrenamtlicher Kräfte angewiesen. Dies war die zentrale Botschaft von Landrat Dr. Alexander Saipa im Rahmen des ersten Netzwerktreffens des Ehrenamtes am Mittwochabend im Goslarer Kreishaus. Das berichtet der Landkreis Goslar in einer Pressemitteilung.



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Die Veranstaltung, zu der neben den Integrationsbeauftragten der kreisangehörigen Kommunen auch Vertretungen von Vereinen und des DRK-Kreisverbandes geladen waren, wurde als Videostream live ins Internet übertragen. Mit dem Livestream sollte interessierten Bürgerinnen und Bürgern eine Pandemie gerechte Möglichkeit geboten werden, als Zuschauer an dem Treffen teilzuhaben. In der Spitze machten davon rund 50 Personen Gebrauch.



Umfassende Erfahrungen aus der Flüchtlingswelle 2015/2016


Frank Dreßler, Leiter des Fachbereiches Familie, Jugend und Soziales, berichtete, dass der Landkreis bei der Akquise von Wohnraum und der Unterbringung geflüchteter Menschen gut aufgestellt ist und auch im Hinblick auf die Integration auf umfassende Erfahrungen aus der Flüchtlingswelle 2015/2016 zurückgreifen kann. „Diese Erfahrung“, so Dreßler, „hat uns aber auch gelehrt, dass wir ohne das Engagement der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer an Grenzen stoßen. Dies äußert sich unter anderem bei der gezielten und individuellen Begleitung vor Ort, wenn es beispielsweise um Themen wie die Anmeldung im Kindergarten oder Schule, Anmeldung beim Sportverein, den Arztbesuch oder Hilfe beim Abschluss von Verträgen geht.“ Um den Einsatz der ehrenamtlichen Kräfte zielgerichtet planen und organisieren zu können hat der Landkreis kurzerhand eine Stelle für die Koordinierung der ehrenamtlichen Hilfe eingerichtet. Auf der Internetseite des Landkreises Goslar gibt es ab sofort ein Formular über das Freiwillige ihre Hilfe anbieten können.


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Landrat Dr. Saipa hofft, dass darüber wichtige Kontakte zustande kommen: „Der Bedarf an Hilfestellungen wird sich entwickeln, deshalb werden wir am Ende auch viele unterschiedliche Disziplinen benötigen. Ich würde mich freuen, wenn wir hier auf ein größtmögliches Portfolio zurückgreifen könnten. Unter anderem werden beispielsweise Dolmetscher dringend gesucht.“ Um Fragen rund um die Ukraine-Krise und die damit verbundene Aufnahme von Vertriebenen zu beantworten, schaltet der Landkreis ab Montag, 21. März, ein Bürgertelefon. Dieses wird montags bis freitags in der Zeit von 9 bis 12 Uhr unter der Rufnummer (05321) 76-333 besetzt sein.


"Bitte keinen Schrott abliefern"


Mit Blick auf die große Spendenbereitschaft in der Bevölkerung berichtete Galina Gerhart, Beauftragte für Flüchtlingsfragen und Integration bei der Stadt Goslar, über eine private Spendeninitiative die sich im Internet unter der Adresse www.goslar-hilft-der-ukraine.de präsentiert. In diesem Zusammenhang appellierte Gerhart an spendenwillige Bürgerinnen und Bürger bitte keinen „Schrott“ abzuliefern. „Es bringt nichts, wenn einige über diesen Weg versuchen ungeliebte Sachen loszuwerden. Es werden keine schrottreifen Möbel, Spielzeuge oder sonstige Artikel benötigt“, so der eindringliche Appell der städtischen Integrationsbeauftragten.

Michael Weihrich, Leiter der Ordnungs- und Ausländerbehörde beim Landkreis Goslar, informierte, dass im April große Sonderaktionen für die Erteilung von Aufenthaltstiteln geplant sind. „An allen Samstagen im April – mit Ausnahme von Ostersamstag – werden wir großangelegte Sonderaktionen veranstalten, um den Vertriebenen Aufenthaltstitel auszustellen. Eine eigenständige Terminvereinbarung ist nicht notwendig. Wir werden die betroffenen Personen kontaktieren“, so Weihrich. Im Hinblick auf die andauernde Corona-Pandemie werden die Ukrainer darum gebeten im Vorfeld ihres Termins in der Ausländerbehörde einen Corona-Test in einer Teststation durchführen zu lassen.

Sprachkursangebote werden vorbereitet


Gesprochen wurde im Rahmen des Netzwerktreffens abschließend auch Sprachkursangebote. Erste Kreisrätin Regine Breyther berichtete, dass entsprechende Vorbereitungen bereits in die Wege geleitet wurden. Neben Sprach- soll es auch Integrationskurse geben in denen die Ukrainer Wissenswertes über das Leben in Deutschland vermittelt bekommen sollen. Dr. Saipa dankte den Bürgerinnen und Bürger für ihren Einsatz und betonte, dass es ihn ausgesprochen froh stimmt, in einem derart engagierten Landkreis leben und arbeiten zu dürfen. Lob richtete er in diesem Zusammenhang auch an die Mitarbeiter seiner Verwaltung, die nach zwei Jahren Corona-Pandemie das nächste Krisenereignis zu bewältigen haben.


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