Heftige Grippewelle erwartet - Ansturm auf Impfungen kann zu Wartezeiten führen

Der Grippeschutzimpfung komme in diesem Jahr erneut eine hohe Bedeutung zu, meint die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen.

von Marvin König


Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Rudolf Karliczek

Region. Die Grippeimpfungen sind in diesem Jahr besonders gefragt. Im Gespräch mit regionalHeute.de erklärt Detlev Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), dass deshalb sogar Wartezeiten in den Arztpraxen möglich seien. Die Grippeimpfung sei in diesem Jahr aber nicht ohne Grund so beliebt: Wegen der ausgebliebenen Grippewelle im vergangenen Jahr seien insgesamt weniger Menschen immun. Die Grippewelle 2021/22 könne daher besonders heftig ausfallen.


Es ist die Kehrseite der Lockerungen und der Hygieneregeln gleichermaßen. So wie bei Kindern die RS-Virus Infektionen "nachgeholt" werden (regionalHeute.de berichtete) wird auch die Grippewelle in diesem Jahr ungewöhnlich werden, so die Prognose der KVN: "Aufgrund der Maßnahmen zum Schutz gegen die COVID-19-Pandemie steigt nach Aussagen von Gesundheitsexperten das Risiko durch Influenza-Infektionen", erklärt Haffke und fährt fort: "Wegen der durch die Corona-Hygiene-Maßnahmen zuletzt ausgebliebenen Erkältungswelle sind nun weniger Menschen immun gegen Grippeviren. Mit anderen Worten: Der Körper ist gegen Infektionsrisiken nicht trainiert."


"Die Menschen sind sorgloser geworden"


Hinzu komme, dass die Corona-Hygieneregeln in vielen Bereichen inzwischen stark reduziert sind. "Auch ist die Corona-Impfrate mittlerweile hoch", hebt der KVN-Sprecher hervor und erklärt: "Die Menschen sind sorgloser geworden. Das begünstigt auch das Infektionsrisiko mit Grippeviren." Aus diesem Grund, so schildert Haffke, komme der Influenza-Impfung wegen der Anhaltenden COVID-19-Pandemie erneut eine besondere Bedeutung zu." Wichtig ist, dass sich viele Menschen impfen lassen, für die eine Impfung empfohlen ist", rät der Experte. Die Praxen seien der zentrale Ort des Impfens; "das Impfen ist eine originär ärztliche Aufgabe. Bei komplexen Fragestellungen wie der Impfindikation, dem Feststellen von Krankheiten, die eine Impfung gegebenenfalls ausschließen oder auch dem Einschätzen von Impfrisiken können sich die Patientinnen und Patienten voll auf den medizinischen Sachverstand ihrer Haus- und Fachärztinnen und -ärzte verlassen."


Empfehlungen der STIKO


Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen Patientinnen und Patienten mit bestimmten chronischen Grundleiden sowie allen Personen ab 60 Jahren, Schwangeren und medizinischem Personal, sich jährlich gegen Influenza impfen zu lassen. "Hiervon sind auch die Personen erfasst, die ein besonderes Risiko für einen schweren klinischen COVID-19-Verlauf haben", merkt Haffke dazu an.


Hohe Nachfrage kann zu Wartezeiten führen


"Auf eine höhere Nachfrage bei den nun anstehenden flächendeckenden Grippeschutzimpfungen sind die Ärztinnen und Ärzte vorbereitet", berichtet Haffke. Die niedersächsischen Kassenärztinnen und Kassenärzte haben 2,6 Millionen Impfstoffdosen bestellt. Das sind rund 300.000 Impfdosen mehr als im vergangenen Jahr und 900.000 mehr als für die Grippesaison 2019/2020. Dennoch könne es zu Engpässen kommen: "In der Regel werden die Impfstoffe sukzessive über die Apotheken an die Praxen geliefert. Mit anderen Worten: Nicht alle 2,6 Millionen Dosen stehen bereits zur Verfügung." In den Arztpraxen könne es daher regional zu Wartezeiten kommen. "Die Impfperiode hat aber gerade erst begonnen", beruhigt Haffke und erklärt abschließend: "Ein ausreichender Schutz liegt auch dann vor, wenn die Impfungen erst im November oder Dezember durchgeführt werden."


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