Helmstedt. Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen, Blumen sprießen und Bäume grünen – während die Natur zur Höchstleistung auffährt, machen viele Menschen schlapp. Schlafmediziner Dr. Si Huyen Nguyen weiß, was müde Menschen munter macht. Das berichtet die Helios Klinik.
Auch wenn die Symptome in Einzelfällen sehr ausgeprägt sein können, handele es sich bei Frühjahrsmüdigkeit nicht um eine Krankheit. Typisch sei eine intensive Schläfrigkeit am Tag und Schlafstörungen in der Nacht. Zusätzlich könnten allgemeine Abgeschlagenheit, Kreislaufprobleme, Gereiztheit oder Kopfschmerzen auftreten. Dr. Si Huyen Nguyen, Leiter des Schlaflabors und Leitender Oberarzt der Kardiologie in der Helios St. Marienberg Klinik Helmstedt erklärt, was hinter dem Phänomen Frühjahrsmüdigkeit steckt: „Eine wichtige Rolle spielen die Wetterumstellung und die länger werdenden Tage. Nach einem langen, dunklen Winter sind die Reserven des Körpers aufgebraucht und der Organismus stellt sich nur langsam von der dunklen auf die helle Jahreszeit um. Er reagiert dann mit einer typischen Reaktion. Die Blutgefäße erweitern sich, der Blutdruck sackt ab und das macht uns müde.“ Betroffenen sei aber gesagt, dass die jahreszeitlich bedingte Müdigkeit höchstens vier Wochen anhalte.
Angriff ist die beste Verteidigung
Neben dem Blutdruck würden auch das Glückshormon Serotonin und das Schlafhormon Melatonin eine wichtige Rolle spielen. „Nach der dunklen Jahreszeit ist der Serotoninspeicher relativ leer, die Melatoninkonzentration aber hoch. Wenn man sich im Frühjahr wieder mehr im Freien aufhalte, produziert der Körper vermehrt das Glückshormon. Bis ein Gleichgewicht der beiden Hormone wieder hergestellt ist, stehe der Organismus erst einmal Kopf. „Man sollte sich auf keinen Fall dem Erschöpfungsgedanken hingeben, sondern diesem aktiv entgegentreten“, rät Dr. Nguyen und nennt weitere Tipps.
Tipp um die Müdigkeit zu überwinden
Bewegung und Spaziergänge im Tageslicht würden die Serotoninbildung ankurbeln und die Laune anheben. Selbst an regnerischen Frühlingstagen bekomme der Körper draußen ausreichend muntermachendes Licht. Wer viel Zeit im Büro verbringe, sollte regelmäßig für frische Luft sorgen. Sauerstoff belebe und vertreibe die Müdigkeit. Mit Bewegung an der frischen Luft gewöhne sich der Körper nicht nur an die neuen Lichtverhältnisse und wärmeren Temperaturen im Frühling, sie kurbele auch den Kreislauf an und wirke positiv auf den gesamten Organismus. Wer die Schläfrigkeit schnellstmöglich hinter sich lassen möchte, sollte vor dem zu Bett gehen auf Smartphone, Tablet und Co. verzichten. Der hohe Blaulichtanteil in den Displays hemme die Produktion des Schlafhormons Melatonin.
Berücksichtigen Betroffene diese einfachen Tipps, lasse sich die Frühjahrsmüdigkeit nach einigen Tagen besiegen. Wer sich jedoch über einen längeren Zeitraum müde und erschöpft fühle, sollte auf jeden Fall einen Arzt um Rat fragen. „Denn in solchen Fällen liegt nicht selten ein nicht-erholsamer Schlaf vor und bei gleichzeitiger Angabe von Schnarchen ist dann ursächlich eine Schlafapnoe sehr wahrscheinlich“, erklärt Dr. Nguyen.

