Helmstedt/Berlin. Wie lassen sich vorhandene Daten nutzen, um die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum nachhaltig zu verbessern? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Projekt IRIS, das Moritz Werner und Maik Sullek von der Stabsstelle Integrierte Sozialplanung des Landkreises Helmstedt gemeinsam mit Linda Hoffmeister vom Team Allgemeinmedizin der Universität Göttingen auf der Smart Country Convention in Berlin am Stand des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat vorgestellt haben.
Mit ihrer Präsentation weckten sie das Interesse des Publikums und kamen mit den Zuhörerinnen und Zuhörern über das Projekt und seine Möglichkeiten ins Gespräch. Auch die anschließenden Nachfragen zeigten, dass das Thema auf Interesse stieß. „Es hat uns wirklich gefreut, dass unser Projekt bei vielen Fachbesuchern Interesse geweckt hat und wir uns mit ihnen über Perspektiven austauschen konnten“, erklärt Projektkoordinator Moritz Werner.
Gesundheitsversorgung besser an Bedarf anpassen
Hinter der Abkürzung IRIS verbirgt sich das Projekt „Integration von Rettungsdienstdaten in die öffentliche Gesundheitsplanung zur Verbesserung der ländlichen Gesundheitsversorgung“. Gemeinsam arbeiten der Landkreis Helmstedt und die Universitätsmedizin Göttingen daran, bisher getrennt vorliegende Daten des Rettungsdienstes und des Gesundheitsamtes miteinander zu verknüpfen und systematisch auszuwerten. Was zunächst nach einer technischen Aufgabe klingt, hat ein ganz praktisches Ziel: Gesundheitliche Entwicklungen sollen früher erkannt und die Gesundheitsversorgung besser an den tatsächlichen Bedarf der Bevölkerung angepasst werden können. Denn Rettungsdiensteinsätze liefern wertvolle Hinweise darauf, welche gesundheitlichen Herausforderungen Menschen in einer Region beschäftigen.
Häufen sich beispielsweise während einer Hitzewelle Notfälle, kann dies Hinweise auf die gesundheitlichen Auswirkungen extremer Temperaturen geben. Auch auffällige Entwicklungen, die auf Infektionsgeschehen hindeuten, könnten künftig früher sichtbar werden. Werden solche Zusammenhänge systematisch ausgewertet, entstehen wichtige Erkenntnisse für die Gesundheitsplanung. Verantwortliche können damit fundierter entscheiden, wo Handlungsbedarf besteht und wie sich die Versorgung weiterentwickeln lässt.
Das Projekt verbindet damit digitale Innovation mit einem konkreten Nutzen für die Menschen vor Ort. Die Förderung des Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen der Digitalisierungsstrategie des BMLEH.
Digitale Möglichkeiten für die Daseinsvorsorge
Die Smart Country Convention bietet den passenden Rahmen, um ein solches Vorhaben einem breiten Fachpublikum vorzustellen. Die Veranstaltung auf dem Berliner Messegelände zählt zu den zentralen Plattformen für die Digitalisierung des öffentlichen Sektors. Hier treffen Fachleute aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen, um innovative Ideen, neue Technologien und praktische Lösungen für Städte, Gemeinden und Landkreise zu diskutieren. Im Mittelpunkt stehen Fragen wie: Wie kann Verwaltung moderner und effizienter werden? Wie lassen sich digitale Möglichkeiten sinnvoll für die Daseinsvorsorge nutzen? Und wie können Kommunen die Herausforderungen der Zukunft besser bewältigen?
Mit der Vorstellung von IRIS brachte das Helmstedter und Göttinger Projektteam genau diese Perspektive ein: Digitalisierung ist kein
Selbstzweck. Richtig eingesetzt, kann sie helfen, vorhandenes Wissen besser zu nutzen, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und die Lebensqualität der Menschen zu verbessern. Die positive Resonanz auf die Präsentation bestärke das Projektteam darin, diesen Weg weiterzugehen. IRIS zeige, wie die Zusammenarbeit zwischen kommunaler Verwaltung und Wissenschaft neue Möglichkeiten für eine vorausschauende, bedarfsgerechte Gesundheitsplanung eröffnen kann, mit dem Ziel, die ländliche Gesundheitsversorgung langfristig zu stärken.

