Gymnasiasten besuchten Konzentrationslager-Gedenkstätte


Der Eingang des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen. Foto: Gymnasium am Bötschenberg
Der Eingang des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen. Foto: Gymnasium am Bötschenberg | Foto: privat

Sachsenhausen. Es wurde schon 1933 gegründet und ist damit eines der ältesten Konzentrationslager in Deutschland: das KZ Sachsenhausen. 31 Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs des Gymnasiums am Bötschenberg besuchten kürzlich die Konzentrationslager-Gedenkstätte. Das teilt das Gymnasium mit.


Die nördlich von Berlin in Oranienburg gelegene Einrichtung wurde zunächst von der SA verwendet und diente zur Inhaftierung von politischen Gefangenen. Später wurde das Lager von der SS übernommen, an den Stadtrand von Oranienburg verlegt und durch die Häftlinge selbst vergrößert. Ab jetzt diente es auch zur Unterbringung von rassisch Verfolgten sowie als Modell- und Schulungslager für die SS. Zwischen 1936 und 1945 waren in Sachsenhausen zirka 200.000 Menschen inhaftiert. 3.000 von ihnen wurden im April 1945 von polnischen und sowjetischen Soldaten befreit. Nach dem Krieg diente die Anlage Sachsenhausen noch fünf Jahre lang der sowjetischen Besatzungsmacht als Speziallager für „NS-Belastete“ und andere missliebige Personen.

Die Schülerinnen und Schüler informierten sich in verschiedenen Ausstellungen und anhand der erhaltenen Zeugnisse aus der Vergangenheit über das Alltagsleben in einem Konzentrationslager. Dabei wurden sie in Gruppen eingeteilt und erstellten selbst Präsentationen zu ausgewählten Themen, wie zum Beispiel zur Situation der jüdischen Häftlinge im KZ, zum Lageralltag, zur Medizin im KZ Sachsenhausen (hier wurden auch Experimente an Gefangenen durchgeführt), zur Lagerküche und zum Essen.

„Schuhläufer-Kommando“


An selbst ausgewählten Exponaten erklärten die Schüler anschließend ihren Mitschülern, was sie über das Leben und die Lebensbedingungen im KZ herausgefunden hatten. So berichtete eine Schülergruppe auf dem Appellhofplatz, dass hier Häftlinge auf dem wechselnden Untergrund stundenlang im Kreis gehen mussten. Das sogenannte „Schuhläufer-Kommando“ war eine Strafkompanie im Konzentrationslager Sachsenhausen, bei der Häftlinge auf einer Schuhprüfstrecke Schuhe testen mussten. Dabei mussten sie eine Strecke von zirka 48 Kilometern zurücklegen. Auftraggeber waren zivile Schuhunternehmen und Leder-Ersatzstoff-Hersteller, wie Fagus und Salamander.

Organisiert wurde der Besuch in der Konzentrationslager-Gedenkstätte von der Geschichtslehrerin Cornelia Wolf, die ihn als Beitrag zu einer notwendigen Erinnerungskultur versteht. „Wenn die Schüler in einem Buch etwas über ein Konzentrationslager lesen, dann bleibt das abstrakt und sie können sich die Lebensbedingungen in einem solchen Lager nur bedingt vorstellen. Wenn man sich die überlieferten Zeugnisse ansieht, kann man die Vergangenheit einfach besser begreifen.“

Auch die Schüler waren der Meinung, dass sich der Besuch im Konzentrationslager für sie gelohnt hat.


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