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Hiltrud Bayer: "Ich bin Lokal-Patriotin geworden"



Wolfenbüttel

Hiltrud Bayer: "Ich bin Lokal-Patriotin geworden"

von Anke Donner


Hiltrud Bayer ist seit 40 Jahren Ortsbürgermeisterin  von Fümmelse. Nun tritt sie das Amt erneut an. Fotos. Sina Rühland/Anke Donner
Hiltrud Bayer ist seit 40 Jahren Ortsbürgermeisterin von Fümmelse. Nun tritt sie das Amt erneut an. Fotos. Sina Rühland/Anke Donner Foto: Sina Rühland

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Fümmelse. Am Mittwochabend wählte der Ortsrat von Fümmelse Hiltrud Bayer erneut einstimmig zur Ortsbürgermeisterin von Fümmelse. Damit tritt die Ehrenratsfrau von Wolfenbüttel ihre neunte Amtszeit an. So lange hat in der Stadt Wolfenbüttel noch keiner dieses Amt ausgeführt.



Hiltrud Bayer hält aber nicht nur den Bürgermeister-Rekord in Wolfenbüttel. Sie war, als sie im Herbst 1976 zur Bürgermeisterin gewählt wurde, auch die erste Frau im Landkreis Wolfenbüttel, die dieses Amt bekleidet hat. Eine echte Herausforderung, sagt die ehemalige Leiterin der Grundschule Fümmelse heute. "Die ersten fünf Jahre waren wirklich hart, weil ich erst einmal lernen musste, wie das alles läuft. Hinzu kam, das ich eine von wenigen Frauen überhaupt in der Politik war - das war zu dieser Zeit nicht immer leicht", sagt Hiltrud Bayer. Doch sie hielt an all den Plänen und Ideen fest, wollte sich durchsetzten. "Das ist so bei mir. Wenn ich etwas anfasse, dann richtig. Ich kann gut um eine Sache kämpfen und um die Menschen, die dahinter stehen", sagt sie fest entschlossen.

"Das passte mir eigentlich gar nicht"


Politisch interessiert sei sie schon immer gewesen. Aufgewachsen im Osten Berlins, kam sie schon früh mit der Politik in Berührung. "Ich bin in einem politischen Haushalt aufgewachsen und zur Zeit des Kalten Krieges. Das hat mich politisch sehr geprägt", erzählt die seit 1970 Wolfenbüttelerin. Zwar geboren und aufgewachsen in Berlin Pankow-Heinersdorf habe sie schnell Fuß in ihrer neuen Heimat gefasst. "Nachdem ich hier in Wolfenbüttel ein Jahr lang die SPD gesucht habe, habe ich mich 1964 der Partei angeschlossen", sagt sie. Dort ist sie bis heute geblieben. Hinzu kamen etliche Ämter im Rat der Stadt, in Fachausschüssen und Vereinen. Erst kürzlich wurde sie von Bürgermeister Thomas Pink zur Ehrenratsfrau ernannt. "Ich habe zwar noch immer eine enge Bindung zu Berlin, aber hier lebe, arbeite und wohne ich. Ich bin in den Jahren in Fümmelse zu einer Lokal-Patriotin geworden", sagt sie.


Ihre Wahl zur Ortsbürgermeisterin von Fümmelse im Jahr 1976 kam für die Ratsfrau eher ungelegen. Nachdem sie 1972 in den Gemeinderat der Samtgemeinde Fümmelse-Adersheim-Leinde gewählt wurde und 1974 den Fraktionsvorsitz der SPD inne hatte, trat die Gebietsreform in Kraft. Fümmelse wurde als Ortsteil der Stadt Wolfenbüttel zugeordnet und ein Bürgermeister, beziehungsweise Bürgermeisterin, musste her. "Die Fraktion schlug dann mich als Ortsbürgermeisterin vor. Das passte mir eigentlich gar nicht. Ich trat zeitgleich meine Stelle als Schulleiterin an der Grundschule in Fümmelse an und wollte eigentlich auch noch weiter studieren. Doch das Leben hatte offenbar andere Pläne mit mir gehabt", lächelt Hiltrud Bayer.

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Im Oktober wurde Hiltrud Bayer für 30 Jahre Ratsarbeit und 40 Jahre im Ortsrat Fümmelse geehrt. Foto: Anke Donner


"Wenn ich gesund bleibe, mache ich weiter"


Ans Aufhören denkt Hiltrud Bayer noch nicht. Dafür liegen ihr Fümmelse und die Menschen die dort leben, zu sehr am Herzen. Und so nahm sie auch am Mittwoch die Wahl an und will nun für weitere fünf Jahre Ortsbürgermeisterin von Fümmelse sein. "Wenn ich gesund bleibe, mache ich weiter", sagt sie entschlossen. Denn einige Punkte hat sie noch auf der Agenda stehen. "Da wären zum Beispiel die Sanierung der Fümmelser Straße, die Geschwindigkeitsreduzierung auf der A 395 und die Reduzierung der LKW im Ort", nennt sie einige Beispiele. Weiter gehen soll auch die Bürgersprechstunde, die sie seit 1981 jede Woche durchführt. Hier nimmt sie sich die Zeit für die Belange, Sorgen und Nöte der Mitbürger. "Zwischen 2011 und 2016 haben 687 Bürgerinnen und Bürger die Sprechstunde besucht. Unabhängig davon, wie viele mich anrufen, oder einfach vor der Tür stehen. Ich denke, diese Bürgersprechstunde hat sich ausgezahlt und ist notwendig, um mit den Menschen im Gespräch zu bleiben. So konnte und kann ich nah am Bürger sein. Man muss die Bürger einfach mitnehmen und sie verstehen, denn ohne sie geht in einer Kommune gar nichts", schließt die Ortsbürgermeisterin.

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Thomas Pink gratuliert Hiltrud Bayer zur Wiederwahl. Foto: Anke Donner


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