Hirntumor mit 24: Linneá Findeklee hat weniger als ein Jahr zu leben

Linneá Findeklee hat bis zum vergangenen Dezember Medizin studiert, arbeitete als freie Journalistin und Politinfluncerin. Dann wurde ein unheilbarer Hirntumor bei ihr diagnostiziert. Nun hat sie noch weniger als ein Jahr zu leben.

von Niklas Eppert


Linneá Findeklee wird in ein paar Wochen 25. Es wird wohl ihr letzter Geburtstag sein.
Linneá Findeklee wird in ein paar Wochen 25. Es wird wohl ihr letzter Geburtstag sein. Foto: Linneá Findeklee

Region. Linneá Findeklee ist 24, sie studierte Medizin, arbeitet als freie Journalistin und liebt es zu reisen. Und sie hat nur noch weniger als ein Jahr zu leben. Im vergangenen Jahr erhielt die Wolfenbüttelerin ihre Diagnose: ein Hirntumor, nicht mehr heilbar. Seitdem hat sich ihr Leben vollständig gedreht. Sie musste ihr Studium im europäischen Ausland aufgeben und ihr körperlicher Zustand hat sich in kurzer Zeit drastisch verschlechtert. Heute lebt sie in einem Hospiz, ist auf Medikamente angewiesen und versucht noch so viel von der Welt zu sehen wie möglich. regionalHeute.de hat mit ihr gesprochen, über ihre Krankheit, den Tod und ihre Präsenz im Internet.


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In ein paar Wochen wird Linneá Findeklee 25. Ihre Ärzte glauben, dass das ihr letzter Geburtstag sein wird. Sie leidet an einem Hirntumor, der nicht mehr heilbar ist. Nicht ihr erstes Mal, wie die gebürtige Wolfenbüttlerin im Gespräch mit regionalHeute.de berichtet. Bereits mit 13 sei ein Tumor bei ihr gefunden worden, damals konnte sie geheilt werden. Vorerst. Zehn Jahre lang blieb nichts als eine Narbe am Hinterkopf. Dann kehrte die Krankheit zurück. Diesmal endgültig. Doch Linneá will sich nicht in Selbstmitleid ergeben. Sie will so viele Erfahrungen sammeln, wie irgendwie möglich.

Die Angst, die Natur nicht mehr zu fühlen


Bis Dezember studierte die 24-Jährige noch Medizin im europäischen Ausland. Das kann sie heute nicht mehr. Sie zog in ein Hospiz und reist seitdem. Sie war in Schweden und Norwegen, überlegt in den ihr bleibenden Monaten nach Frankreich oder Italien zu reisen, in dieser Woche geht es nach Griechenland. Besonders aber in ihre geliebte Natur. Denn eines macht ihr mehr Angst, als das Ende: Nicht der Tod selbst sei es, vor dem sie sich fürchte, sondern davor, nie wieder die Schönheit der Natur spüren zu können. Kein Gefühl mehr zu haben, sie nicht mehr sehen und hören zu können. Sie beschreibt sich selbst als sehr naturverbunden.

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Entsprechend sieht ihre Dokumentation ihrer letzten Monate auf ihren Social Media Accounts aus: Bilder von Wanderungen aus dem Harz, der Natur Schwedens, besonders der hohe Norden hat es ihr allem Anschein nach angetan. Zu einem Bild des klaren Sternenhimmels schreibt sie, dass sie bald mit den Sternen tanzen werde. Doch der Weg dahin sei der, der ihr Sorgen bereitet. Sie hat Angst, zu leiden. Eine Angst, das schreibt Findeklee in einem Text für die Schweizer Weltwoche, die man nur schwer ausblenden kann. Das Lebe ginge eben nicht einfach so weiter, die finale Diagnose konfrontierte sie mit der eigenen Sterblichkeit. Sie habe sich immer als Powerfrau gesehen, als jemand, der das eigene Schicksal in die Hand nimmt. Sie diskutiere gerne, auch und gerade mit Andersdenkenden. Aber mit der Krankheit lässt sich nicht diskutieren. Die Krankheit bleibt, das Ende ist unausweichlich. Das zu akzeptieren sei schwer gewesen.

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"Dr. Konservativ"


Und Linneá Findeklee ist kein Mensch, der Angst vor einer Debatte hat. Auf ihrem Twitteraccount vertritt sie konservative Werte aus der jungen Generation heraus, "Sneaker-Konservatismus", wie die Junge Union es nennt, und geht hier keiner Diskussion mit ihren über 18.000 Followern aus dem Weg. Das hat ihr in der Vergangenheit viel Hass eingebracht. Eine junge konservative Frau, die sich dazu noch in der umstrittenen WerteUnion engagierte, passte nicht allen, auch wenn sie mittlerweile nicht mehr in der WerteUnion ist. Von Rechts- und Linksextremen, aber auch Islamisten habe sie Gewaltandrohungen bekommen, bis hin zu Vergewaltigungsfantasien und falschen Todesanzeigen. Als sie im vergangenen Herbst ihre Diagnose öffentlich machte, habe sich das etwas gelegt, es hörte jedoch nie ganz auf. Auf der anderen Seite bekomme sie heute aber viel Respekt und Anerkennung für ihren Umgang mit dem Krebs. Auch Mitleid. Das tue manchmal gut.

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Ihre Freunde jedenfalls stehen hinter ihr. Auch das gibt ihr Kraft. Ihre ehemaligen Kommilitonen haben ihr Briefe geschrieben, Menschen aus acht verschiedenen Ländern, darunter Israel, Saudi-Arabien und Italien. Sie besuchen Linneá, sie fahren gemeinsam in den Harz und verbringen einige Stunden zusammen. Immerhin bleibt ihr nicht mehr viel Zeit. Die, die sie aber noch hat, will sie mit Erfahrungen füllen, so vielen wie irgendwie möglich. Und wenn das unvermeidliche kommt, will sie ihr Schicksal noch einmal in die Hand nehmen. Sie plant ihre eigene Beerdigung. Die Musik, das schrieb sie vor einigen Woche, habe sie bereits ausgewählt.

Linneá Findeklee will ihre Reichweite nutzen, um über die Krankheit aufzuklären und Spenden zu sammeln. Dafür wünscht sie sich Spenden an die Abteilung Kinderpneumologie der Medzinischen Hochschule Hannover.


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