Niedersachsen. Am heutigen Montag wurde die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 für Niedersachsen vorgestellt. Während man insgesamt ein positives Fazit zieht (Abnahme der registrierten Straftaten um 4,28 Prozent, Aufklärungsquote bei 62,72 Prozent), sind bei einem Delikt die Fallzahlen gestiegen: Messerangriffe. Das geht aus einer Pressemitteilung des Niedersächsischen Innenministeriums hervor.
Seit dem 1. Januar 2020 werden Messerangriffe bundesweit in der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik als „Phänomen“ erfasst. Als Messerangriffe sind solche Straftaten definiert, bei denen der Angriff mit einem Messer unmittelbar gegen eine Person angedroht oder ausgeführt wird. Hingegen reicht das bloße Mitführen eines Messers nicht für eine Erfassung als Messerangriff aus.
Neuer Höchststand erreicht
Im Bereich der Messerangriffe steigt die Fallzahl in Niedersachsen im Vergleich zum Vorjahr von 3.055 auf 3.185 Fälle (+4,26 Prozent ) und hat somit einen neuen Höchststand erreicht. Bedrohungen steigen weiter an (+15,17 Prozent, +229 von 1.510 auf 1.739) und machen mehr als die Hälfte der 3.185 Messerangriffe aus (54,60 Prozent, Vorjahr 49,43 Prozent). Dagegen ist bei den gefährlichen und schweren Körperverletzungsdelikten ein Rückgang betreffend der Messerangriffe festzustellen (-12,76 Prozent, -112 von 878 auf 766).
Messerverbot im ÖPNV geplant
Wie berichtet, will das Niedersächsische Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung (MI) ein landesweites Verbot zum Führen von Waffen und Messern im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) erlassen. Die entsprechende Verordnung werde zeitnah in Kraft treten. Die Verordnung verbietet das Führen von Waffen und Messern in allen geschlossenen Bereichen des Öffentlichen Personennahverkehrs in Niedersachsen. Weitere Details zu den Plänen lesen Sie hier.
Projekt KNIFE
Präventive Maßnahmen zur Entgegnung von Kriminalitätsphänomenen setzen fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse voraus. In diesem Zusammenhang werden derzeit Forschungsprojekte im Landeskriminalamt Niedersachsen durchgeführt, teilt das Ministerium mit. Dazu gehört das Projekt „Kriminalitätsanalyse, Nachhaltige Interventionen, Fallanalysen, Eskalationsvermeidung bei Messerangriffen (KNIFE)“. Dessen Ziel ist es, die Ursachen für den deutlichen Anstieg von Messerangriffen wissenschaftlich zu beleuchten, deren Auswirkungen auf Betroffene darzustellen und die Entwicklung solcher Taten im Kontext aktueller gesellschaftlicher Krisen zu analysieren. Dabei werden Täter-Opfer-Beziehungen, Tatorte und Motivlagen untersucht.
Zudem werden Polizeieinsätze systematisch ausgewertet, in denen Beamtinnen und Beamte mit messertragenden Personen konfrontiert waren. Aufbauend auf den gewonnenen Erkenntnissen könnten beispielsweise Handlungsempfehlungen für die Aus- und Fortbildung entwickelt werden (zum Beispiel polizeiliches Verhalten bei Vorfällen mit Messereinsatz).
"Messer kein Statussymbol"
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens: „Es gilt, die Präsenz von Messern im öffentlichen Raum so weit wie möglich zu reduzieren und den Missbrauch zu verhindern. In den Köpfen insbesondere junger Männer muss ankommen, dass ein Messer kein Statussymbol ist, das man zur Selbstbestätigung mit sich führt. Für Gewaltkriminalität jeglicher Form darf es keine Toleranz geben, erst recht nicht, wenn es um den Einsatz von Waffen geht!“

