Niedersachsen. Mehr als zwei Millionen Menschen in Niedersachsen leiden an Bluthochdruck. Das zeigen neue Zahlen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) für den Gesundheitsatlas Deutschland. Das bedeutet: Inzwischen lebt knapp jeder Dritte mit der Diagnose arterielle Hypertonie. Der Anteil der betroffenen Bevölkerung stieg 2024 auf 31,2 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 30,6 Prozent. Niedersachsen liegt damit leicht über dem bundesweiten Durchschnitt von 29,9 Prozent. Das berichtet die AOK Niedersachsen in einer Pressemitteilung.
Dabei gibt es deutliche regionale Unterschiede. Während in Oldenburg 21,3 Prozent der Menschen eine Bluthochdruck-Diagnose hatten, lag der Anteil in Wittmund mit 42,3 Prozent doppelt so hoch. Häufig diagnostiziert wurde Bluthochdruck auch in Holzminden (40,5 Prozent) und in Lüchow-Dannenberg (38,9 Prozent). Die niedrigsten Anteile hatten Oldenburg (21,3 Prozent), Osnabrück (24,2 Prozent) und Braunschweig (24,5 Prozent).
So sieht es in der Region aus
Dabei fällt die Löwenstadt in unserer Region allerdings aus dem Rahmen. In den anderen Städten und Landkreisen ist der Wert deutlich höher. Die Landkreise Helmstedt (31,61 Prozent) und Gifhorn (31,67) kommen dem noch am nächsten. Es folgen Wolfsburg (32,5) und die Kreise Peine (33,0) und Wolfenbüttel (33,39). Am höchsten ist der Wert in Salzgitter (37,55) und im Kreis Goslar (38,31).
Das sind die Risikofaktoren
Hypertonie nimmt mit steigendem Alter zu. Die Regionen mit den meisten Bluthochdruck-Diagnosen weisen gleichzeitig einen vergleichsweise hohen Altersdurchschnitt auf. Daneben gelten unter anderem Übergewicht, Bewegungsmangel und Diabetes als weitere Risikofaktoren für hohen Blutdruck. Gleichzeitig können regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen und eine enge medizinische Betreuung dazu beitragen, dass Bluthochdruck häufiger erkannt wird. An den medizinischen Kriterien für die Diagnose eines Bluthochdrucks hat sich in den vergangenen Jahren jedoch grundsätzlich nichts geändert.
So beeinflusst Hitze den Blutdruck
Mit hohen Temperaturen nehmen auch gesundheitliche Risiken zu. Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen reagieren empfindlich auf Hitze und sind erheblich zusätzlich belastet. Die Blutgefäße weiten sich, um über eine verstärkte Durchblutung der Haut überschüssige Wärme nach außen abzugeben. Dies kann zu einem Absinken des Blutdrucks führen, während gleichzeitig die Herzfrequenz ansteigt, um die Versorgung des Körpers aufrechtzuerhalten.
Die Einnahme von Arzneimitteln verdient in den Sommermonaten zudem besondere Aufmerksamkeit. Denn starke Hitze kann die Qualität und Wirksamkeit bestimmter Arzneimittel beeinflussen. Bestimmte Arzneimittel, darunter Blutdrucksenker oder Entwässerungsmittel, können die Auswirkungen von Hitze zusätzlich verstärken. Da sich der Blutdruck bei vielen Betroffenen durch hohe Temperaturen verringert, kann die gewohnte Medikation im Einzelfall zu einem zu starken Blutdruckabfall beitragen. Änderungen der Dosierung sollten jedoch ausschließlich in Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt erfolgen. Bei Fragen zur sicheren Anwendung von Arzneimitteln während Hitzeperioden können sich Betroffene auch an ihre Apotheke vor Ort wenden.
Hintergrund Hypertonie
Die arterielle Hypertonie, oft nur Hypertonie oder Bluthochdruck genannt, ist eine Erkrankung mit einem dauerhaft erhöhten Blutdruck in den Gefäßen, die das Blut vom Herzen wegtransportieren. Sie liegt vor, wenn der gemessene Wert dauerhaft bei 140/90 mmHg oder höher liegt. In Folge eines zu hohen Blutdrucks steigt das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, Schlaganfall und Nierenschäden.
Die Aussagen zur Krankheitshäufigkeit für die knapp 83 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner in den Regionen Deutschlands basieren auf den Abrechnungsdaten der 27 Millionen AOK-Versicherten. Für Bluthochdruck werden die Erkrankungsfälle bei Personen ab dem 20. Lebensjahr gezählt. Um hieraus Aussagen für alle Einwohnerinnen und Einwohner treffen zu können, wird ein Hochrechnungsverfahren eingesetzt, das für diesen Zweck vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) in Zusammenarbeit mit der Universität Trier entwickelt wurde. Es stehen daher Informationen zu Krankheitshäufigkeiten in der Gesamtbevölkerung bis auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte zur Verfügung. Weitere Informationen unter: https://www.gesundheitsatlas-deutschland.de/.

