Keine Chance auf den Jackpot, keine Chance auf "Frei Parken"

von Alexander Dontscheff


Beim Monopoly kann man noch auf den Jackpot hoffen. Im echten Leben wird es schwieriger. Fotos: Alexander Dontscheff
Beim Monopoly kann man noch auf den Jackpot hoffen. Im echten Leben wird es schwieriger. Fotos: Alexander Dontscheff Foto: Alexander Dontscheff

Auch wenn es nicht den offiziellen Regeln entspricht: Meistens ist es beim Monopoly doch so, dass derjenige, der auf "Frei Parken" kommt, den Jackpot (bestehend aus Steuer- und Strafgeldern in der Mitte des Spielbretts) abgreifen darf. Ähnlich fühlen sich wohl Autofahrer im richtigen Leben: Wer noch einen kostenfreien Parkplatz in der Innenstadt findet, hat das große Los gezogen. Leider werden die Chancen hierauf immer geringer.


Die Stadt Braunschweig hat es vorgemacht: Noch nicht einmal in der Innenstadt, sondern außerhalb - rund um den Hauptbahnhof hat man Anfang Dezember Parkautomaten in Betrieb genommen. Etwa vor der Hauptpost und dem Jobcenter ist es nun vorbei mit dem gratis Parken.

Auch in Wolfenbüttel droht Ungemach. Derzeit arbeitet man an einem sogenannten Parkraumbewirtschaftungskonzept für die Innenstadt. Folgt man den Vorschlägen der eigens engagierten Experten, soll auch hier "frei Parken" keine Chance mehr haben.

Kampflos dem Schicksal ergeben


Einer der Gründe hüben wie drüben: Man möchte den "Parksuchverkehr" verhindern, also das "unnötige" hin- und herfahren auf der Suche nach einem kostenlosen Parkplatz. Man soll sich also seinem Schicksal (ein Parkticket kaufen zu müssen) fügen, da es sowieso keine Aussicht auf Erfolg gibt. Ich kann ja hier nur für mich sprechen. Aber ich hatte eigentlich nie ein Problem damit, auf dem Postparkplatz drei Runden zu drehen, bis spätestens dann ein Platz frei geworden ist. Dagegen verkrampfen tatsächlich meine Finger, wenn ich dort jetzt 1,80 Euro Parkgebühr pro Stunde zahlen soll.

Ich frage mich auch was die Kunden der Post jetzt machen. Gerade zur Weihnachtszeit wird dann doch noch das ein oder andere Paket verschickt - oder die nicht zugestellte Amazon-Sendung abgeholt. Die dürfen jetzt alle schön blechen, so sie denn nicht in der Nähe wohnen oder die Öffentlichen Verkehrsmittel nehmen.

ÖPNV ist für viele keine Alternative


Womit wir beim nächsten Argument der Parkplatzgebührenpropagierenden sind: Man müsse die Leute dazu bringen, Bus und Bahn zu nehmen oder mit dem Fahrrad zu fahren.Das klingt in der Theorie schön und gut. Und in der Freizeit mag man das auch gerne tun. Aber es gibt auch genügend Menschen, die für ihren Beruf pendeln müssen. Und man muss den Tatsachen ins Auge blicken. Wir leben in keiner Metropole wie Hamburg oder Berlin, wo der Bus im Fünfminutentakt fährt oder im Ruhrgebiet, wo jedes Kaff eine S-Bahnanbindung hat. Der ÖPNV in unserer Region ist für viele keine realistische Alternative. Diesen Menschen zu sagen, sie sollen doch entweder für den ganzen Arbeitstag Parkgebühren zahlen oder eben täglich mal ein, zwei Stunden ihrer Freizeit opfern, ist in meinen Augen gelinde gesagt eine Frechheit.

Wie auch in anderen Bereichen des Lebens kommt hier mal wieder der zweite vor dem ersten Schritt. Man nimmt den Menschen eine Option, bevor man eine vernünftige Alternative anbieten kann. Und beim Parken ist es wohl dann auch wie im richtigen Leben: Auf den Jackpot hoffen, ist keine Alternative.


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