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Krähen elendig verendet: War es ein Anschlag auf die Stadttauben?

Hinter den toten Krähen in der Innenstadt könnte ein Anschlag auf die Stadttauben stecken. Die Population dieser könnte mit Taubenschlägen verringert werden. Doch wie ist er aktuelle Sachstand?

von Julia Fricke


Egal welche Tierart gemeint war: Das Töten von Tieren ist strafbar. (Symbolbild)
Egal welche Tierart gemeint war: Das Töten von Tieren ist strafbar. (Symbolbild) Foto: Pixabay

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12.10.2020

Braunschweig. Am vergangenen Donnerstag wurden in der Braunschweiger Innenstadt mehrere tote Krähen unter anderem vor dem Schloss aufgefunden. Es wurde eine rötliche Substanz gefunden, bei der es sich möglicherweise um Rattengift gehandelt haben könnte (regionalHeute.de berichtete). Da die Substanz nahe einer nicht autorisierten Futterstelle für Tauben gefunden wurde, liege die Vermutung nahe, dass es sich dabei um einen Giftanschlag auf die Brauschweiger Stadttauben handeln könnte, so Beate Gries vom Verein Stadttiere Braunschweig auf Nachfrage von regionalHeute.de. Dass die Tiere nicht von allen Bürgern gern gesehen werden, wurde in den letzten Monaten deutlich. Mit betreuten Taubenschlägen könnte die Population der Stadttauben verringert werden. Hierzu bedarf es jedoch der Mithilfe der Stadt. Diese sprach sich bereits im Juli dafür aus die Lebensbedingungen der Stadttauben in Braunschweig verbessern (regionalHeute.de berichtete). regionalHeute.de fragte nach dem aktuellen Sachstand.



"Die Verwaltung hat Mitte August Kontakt zu uns aufgenommen und sich über die Details zur Errichtung von Taubenschlägen an einer unserer Futterstellen erkundigt, für den wir ein Konzept vorgelegt hatten. Zwischenzeitlich hat das Baudezernat Ende letzten Monats unseren Modelltaubenschlag besichtigt und war sehr beeindruckt von der hohen Wertigkeit. Vor weiteren Aktivitäten zum Stadttaubenmanagement möchte die Verwaltung jedoch erst eine politische Entscheidung des Rates zu einem Stadttaubenmanagement einholen. Eine Vorlage der für die nächste Ratssitzung ist uns noch nicht bekannt", erklärt Gries gegenüber unserer Onlinezeitung.

Um das Ausstreuen von giftigen Substanzen in Zukunft zu verhindern und dafür zu sorgen, dass sich niemand zu solchen strafbaren Handlungen hingerissen fühlt, sei es wichtig möglichst schnell einen Taubenschlag für die Tauben am Schloss zu errichten, so Gries weiter. Diese Taubenschläge würden dann auch das Problem dieser Menschen lösen. "Wir haben der Stadtverwaltung zwischenzeitlich ein vollständiges Konzept für Taubenschläge in der Nähe der Futterstellen vorgelegt. Diese befinden sich ausschließlich in oder an Immobilien, die sich im Eigentum der Stadt befinden. Wir würden uns freuen, wenn auch private Immobilienbesitzer sich dazu entschließen könnten, einen Taubenschlag auf dem Dach oder dem Dachboden zu gestatten. Diese Schläge sind von außen kaum zu sehen und der Gewinn für die Stadt wäre enorm", erklärt die Tierschützerin. Die Stadt Braunschweig konnte auf Nachfrage von regionalHeute.de keine Angaben zu einem aktuellen Sachstand machen.

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Angst und Fake-News


"Es ist vor allem wichtig, darüber aufzuklären, dass Tauben weder krank machen noch die Bausubstanz schädigen. Diese Falschbehauptungen von Schädlingsbekämpfern, die mit der Angst der Menschen Millionen Umsätze machen, sind gerichtlich bereits untersagt worden. Leider halten sich diese Fake-News sehr lange in den Köpfen. Darum machen wir quasi seit März jeden Tag Aufklärungsarbeit, wenn wir an den Futterstellen mit Passanten ins Gespräch kommen", so Gries weiter. Dabei gebe es fast immer gute und positive Gespräche, bei denen nicht selten ein Aha-Effekt bei den Passanten entstehe. "Leider gibt es einzelne Personen, die ihren allgemeinen Frust loswerden wollen und uns auch schon mal beschimpfen. Ohne ein Gespräch versteht man natürlich auch nichts."

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Situation wird entschärft


Die Taubenschläge würden neben der generellen Reduzierung des Bestandes auch dafür sorgen, dass die Tiere im Stadtbild weniger präsent werden, da sie die meiste Zeit des Tages im Schlag verbringen würden. Auch dies trage zur Entschärfung der Situation bei. Schmutz im öffentlichen Raum und die Belästigung in der Außengastronomie oder in den Märkten würde sich automatisch verringern.

"Das hat sich ja auch schon sehr verbessert, seit wir kontrolliert füttern. So fühlen sich weniger Menschen belästigt und es gibt eine reelle Chance für ein friedliches Miteinander von Menschen und Tauben. Wir müssen jetzt sehr kurzfristig dazu kommen, dass wir neben dem Füttern auch die Eier gegen Attrappen tauschen können. Und das geht einfach am besten in einem betreuten Taubenschlag", hebt Gries noch einmal die Vorteile eines bereuten Taubenschlages hervor. Auch eine Infokampagne gemeinsam mit der Stadtverwaltung sei dann im Zuge der Errichtung der Taubenschläge geplant.

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Tiere töten ist eine Straftat


Den verendeten Krähen hilft dies jedoch nicht mehr. Dass diese Tiere durch die Bundesartenschutzverordnung streng geschützt sind, habe ihnen auch nicht geholfen. Zwar müsse das offizielle Ergebnis nach wie vor abgewartet werden, jedoch sei das Gift exakt auf der Baumscheibe gefunden worden, an der häufiger Futter für Tauben ausgelegt werde (nicht vom Verein Stadttiere). An welche Tierart der "Giftanschlag" dabei gerichtet war, sei dabei irrelevant.

"Wir möchten hier noch mal ganz deutlich sagen: Tiere zu töten ist nach dem Tierschutzgesetz eine Straftat und kann mit Geldstrafe bis 25.000 Euro oder Haft bestraft werden. Wie viele Tiere noch tot aufgefunden werden, können wir noch nicht abschätzen. Auch Tauben ziehen sich zum Sterben zurück. Möglicherweise verwesen jetzt irgendwo Tauben, wo man das wirklich nicht haben möchte. Diese Aktion wäre dann wirklich sehr dumm und kontraproduktiv", beurteilt Gries das Geschehen vom vergangenen Donnerstag abschließend.


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