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Mord und Zwangsprostitution: Fünf Tatverdächtige sitzen auf der Anklagebank



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Mord und Zwangsprostitution: Fünf Tatverdächtige sitzen auf der Anklagebank

Die junge Andrea K. aus Schönigen musste unfassbares Leid ertragen, bevor man sie auf grausamste Weise in der Weser ertränkte. Nun stehen fünf Angeklagte wegen Mordes und Zwangsprostitution vor Gericht.

von Anke Donner


Symbolfoto: Archiv
Symbolfoto: Archiv Foto: Thorsten Raedlein

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Verden/Helmstedt. Vor dem Landgericht Verden werden derzeit zwei Prozesse parallel geführt, die unmittelbar zusammenhängen. Es geht um Mord und Zwangsprostitution an der 19-jährigen Andrea K. aus Schöningen. Auf der Anklagebank sitzen wegen des Mordvorwurfs zweo 40- und 53-jährige Männer sowie eine 39-jährige Frau aus Nienburg und wegen des Verdachts auf Zwangsprostitution zwei junge Männer.



Am vergangenen Montag begann nun der Prozess wegen Mordes an der jungen Frau. Angeklagt sind zwei Männer und eine Frau, die im Verdacht stehen, die damals 19-Jährige in der Weser ertränkt zu haben. Zuvor musste der Prozessbeginn im Dezember und im Januar verlegt werden, weil es zu einem Problem bei der Schöffenladung durch die Geschäftsstelle gekommen ist. Davor war ein Angeklagter wegen Erkrankung verhandlungsunfähig, teilte das Landgericht Verden auf Nachfrage mit.

An Betonplatte gefesselt und ertränkt


Der Prozess wird in der Stadthalle Verden geführt, insgesamt 25 Verhandlungstage sind geplant, mehr als 40 Zeugen und mehrere Sachverständige sollen angehört werden. Wie er NDR berichtet, haben sich die drei Angeklagten während des ersten Prozesstage in Schweigen gehüllt und keine Aussage gemacht. Als "menschenverachtend und grausam" sei die Tat während der Verhandlung beschrieben worden. Und anders kann man das, was sich im April 2020 an der Weser nahe Balge im Landkreis Nienburg ereignet hat, wohl auch nicht beschreiben. Andrea K. soll von den drei Angeklagten zur "Verdeckung anderer Straftaten und aus niederen Beweggründen" getötet worden sein. Bevor die junge Frau an eine Betonplatte gefesselt in der Weser ertränkt wurde, soll sie über mehrere Tage gefangen gehalten und gefoltert worden sein. Zum Zeitpunkt, als sie in die Weser geworfen wurde, soll Andrea K. noch gelebt haben. Zuvor sei sie zur Prostitution gezwungen worden sein. Nachdem die beiden männlichen Angeklagten festgestellt hätten, dass ihr Opfer aufgrund des Gesundheitszustandes zukünftig keine „Kunden“ würde bedienen können, sei das Opfer am 7. April in das Wohnhaus des 40-jährigen Angeklagten und am Tag danach in die auf dem Grundstück gelegene Garage gebracht und dort festgehalten worden. In dieser Zeit sei die Getötete geschlagen, geknebelt und gewürgt worden. Die Angeklagten seien dann zu dem Entschluss gelangt, dass die später Getötete beseitigt werden müsse, um die eigene Strafverfolgung zu verhindern.

Für 2.000 Euro verkauft


Bereits seit Anfang Januar stehen ein 21-Jähriger und ein 26-Jähriger wegen Zwangsprostitution vor dem Landgericht Verden. Die beiden Männer sollen die später ermordete Andrea K. zur Prostitution gezwungen haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem jüngeren Angeklagten vor, Andrea K. an Freier vermittelt zu haben, obwohl diese aufgrund einer psychischen Erkrankung ab Ende März 2020 zunehmend abgebaut habe. Anfang April 2020 habe der Angeklagte die Geschädigte sodann gegen eine Gegenleistung von insbesondere 2.000 Euro Bargeld an zwei Personen übergeben, die die Geschädigte trotz ihrer Erkrankung als Prostituierte haben vermarkten wollen. Der ältere Angeklagte habe den jüngeren Angeklagten begleitet, um das Geschäft abzusichern und soll hierdurch Beihilfe zur Zwangsprostitution geleistet haben. Während des Prozesses sollen ebenfalls mehrere Zeugen und Sachverständig ihre Aussage machen. Wie auch hier der NDR berichtet, soll der Anwalt für den 21-jährigen Angeklagten die Unterbringung in einer Entzugsklinik gefordert haben. Die Staatsanwaltschaft forderte indes eine vierjährige Haftstrafe. Das Urteil wird nach derzeitigem Stand am 26. Februar erwartet. An diesem Tag soll nach den derzeitigen Planungen zuvor noch ein Verteidiger plädieren, teilte Richter Dr. Rouven Seeberg vom Landgericht Verden auf Nachfrage mit.


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