Nach Rauswurf bei der BRAWO: Jetzt spricht Brinkmann

Der abgesetzte Vorstandsvorsitzende findet deutliche Worte zu Art und Weise seines unfreiwilligen Abschieds.

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Jürgen Brinkmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank BraWo, war zu Gast im regionalHeute.de-Studio.
Jürgen Brinkmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank BraWo, war zu Gast im regionalHeute.de-Studio. | Foto: regionalHeute.de

Braunschweig/Wolfsburg. Es war ein Paukenschlag, den die Volksbank BRAWO am Dienstagvormittag mit einer Presseinformation setzte. Der Aufsichtsrat der Bank hatte den Vorstandsvorsitzenden Jürgen Brinkmann mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben freigestellt. Ein kurzer Dank für seine langjährige Tätigkeit und sein großes Engagement, das war's. Bei LinkedIn, dem Facebook der Businesswelt, hat sich der geschasste Vorstandsvorsitzende jetzt selbst zu Wort gemeldet.



Nach Darstellung der Bank seien unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung der Unternehmensgruppe Grund für die sofortige Freistellung gewesen. Dass mehr dahinterstecken muss als eine Floskel, lassen nur die Medienberichte der letzten Wochen erahnen. So ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig infolge zweier Strafanzeigen wegen des Tatvorwurfs der Untreue gegen verantwortlich Handelnde der Volksbank BRAWO eG, wie die Staatsanwaltschaft auf Anfrage von regionalHeute.de bestätigt. Laut Handelsblatt soll einer davon Brinkmann sein. Doch ob die Ermittlungen am Ende den Tatvorwurf überhaupt erhärten können, steht noch gar nicht fest.

"Stresssituation ist nicht jeder souverän gewachsen"


Jürgen Brinkmann selbst zeigt sich öffentlich sehr gelassen. "Nüchtern betrachtet ist eigentlich nichts Schlimmes passiert. Die Mannschaft wollte weiter den Trainer, das Präsidium/der Aufsichtsrat nicht bzw. sie möchten einen anderen Weg. Sowas sollte man mit 64 Jahren aushalten", schreibt er auf LinkedIn und fügt hinzu, dass es ihm gut ginge.

Nach mehr als 26 Jahren im Vorstand hätte er sich einen anderen Abschied gewünscht. Was er von der Art und Weise seiner Freistellung hält, schreibt er sehr deutlich nieder: "Leider ist Menschlichkeit, Stil und Niveau heute nicht mehr selbstverständlich. Und dieser Stresssituation ist nicht jeder souverän gewachsen. Möge sich jeder selbst ein Urteil dazu bilden, ich nehme es sportlich."


Suche nach Nachfolger im Vorstand läuft


Einen Weg zurück gibt es nicht mehr. Brinkmann verabschiedet sich in seine neue Rolle als "Rentner". Die Suche nach einem Nachfolger sei bereits gestartet, wie der Aufsichtsratsvorsitzende Detlef Bade in der Pressemitteilung vom Dienstag zitiert wird: "Den Prozess für die Besetzung des dritten Vorstandspostens haben wir bereits angestoßen."

Im Folgenden veröffentlichen wir den LinkedIn Post von Jürgen Brinkmann ungekürzt:

Liebe Freunde und Geschäftspartner,

danke für die enorm vielen und sehr wertschätzenden Rückmeldungen der letzten Tage. Das hat mich wirklich sehr berührt.

Nüchtern betrachtet ist eigentlich nichts Schlimmes passiert. Die Mannschaft wollte weiter den Trainer, das Präsidium/der Aufsichtsrat nicht bzw. sie möchten einen anderen Weg. Sowas sollte man mit 64 Jahren aushalten.

Deshalb geht es mir aktuell tatsächlich gut. Natürlich hätte ich mir einen anderen Abschied nach mehr als 26 Jahren im Vorstand gewünscht. Leider ist Menschlichkeit, Stil und Niveau heute nicht mehr selbstverständlich. Und dieser Stresssituation ist nicht jeder souverän gewachsen. Möge sich jeder selbst ein Urteil dazu bilden, ich nehme es sportlich.

Mein Stil war es immer, auch in schwierigen Situationen, mich vor die Mannschaft zu stellen und Verantwortung zu übernehmen. Ich hätte mir das auch gewünscht.

Plötzlich so viel Zeit zu haben, ist schon ungewohnt. Wenn man fast 45 Jahre beruflich wirklich eng eingetaktet war, dann fühlt sich das enorm befreiend, aber fast auch beängstigend an. Aber mutig war ich schon immer. 😉

Ich hoffe, dass meine Frau jetzt ebenfalls kurzfristig aufhören kann und wir dann gemeinsam die viele neue Zeit genießen können.

Bleibt uns und mir gewogen! Wie hat mir gerade jemand so schön geschrieben „Was Sie mit großem Unternehmermut bewegt haben, bleibt!“. Wenn das so ist, würde es mich freuen.

Bis bald in neuer Rolle (als Rentner) 😎

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