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New York: "Hier leben Millionen von Menschen. Warum soll es da gerade uns erwischen?" - Wolfenbütteler DRK Mitarbeiter im Notstandsgebiet



Wolfenbüttel

New York: "Hier leben Millionen von Menschen. Warum soll es da gerade uns erwischen?" - Wolfenbütteler DRK Mitarbeiter im Notstandsgebiet

von Werner Heise


Foto: privat)

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"Sandy" - so unscheinbar der Name und doch so gefürchtet. Die Ostküste der USA bereitet sich auf einen ihrer schwersten Hurrikans seit 1991 vor. US-Präsident Barack Obama hat den Notstand ausgerufen, Zwangsevakuierungen wurden angeordnet und die Menschen dort decken sich mit Lebensmittelvorräten ein. Man rechnet mit Schäden verheerenden Ausmaßes. Mittendrin zwei Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes Wolfenbüttel.

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Von links: Thomas Stoch, seine Tochter Nina Stoch, ihre Freundin Anna Bunkowski und Marion Mai ( Foto: privat)




Der Leiter des Integrations- und Therapiezentrums (ITZ) des DRK Kreisverbandes Wolfenbüttel und seine Mitarbeiterin Marion Mai waren ursprünglich auf eine Konferenz nach Toronto gereist, auf der sie einen Vortrag über die Arbeit im ITZ gehalten haben und etwa 300 Teilnehmer aus 18 Ländern über die Behindertenarbeit in Deutschland informierten.
Beide haben beschlossen, nach der Konferenz noch gemeinsam durch das Land zu fahren und ihren Urlaub dort zu verbringen. "Mit einem Mietwagen sind wir über Buffalo, Albany, Boston und dann entlang der Ostküste bis nach New York City gefahren", erzählt Thomas Stoch in einem Gespräch mit unserer Online-Tageszeitung. Begleitet werden die beiden von Stochs Tochter Nina und ihrer Freundin, die im Moment Herbstferien haben. Alle vier wohnen derzeit in einem Haus auf Staten Island. "Die 5 Tage in New York sollten ein schöner Abschluss unserer Reise sein", berichtet Stoch.

Am Sonntag haben sie in der Stadt noch einige Lebensmittel gekauft, damit aber auch nicht übertrieben. "Dass Wasser und Brot ausverkauft sind, können wir nicht bestätigen. Die Leute bereiten sich vor, aber es wirkt auf uns alles entspannt und geordnet", so der 42-jährige, der auch von einer gefühlt eigenartigen Stimmung in der Luft erzählt. Auf ihrem Rückweg nach Staten Island sind sie mit der Fähre an der Freiheitsstatue vorbei gefahren. Der Himmel war rot und es braute sich schon etwas zusammen. Der Sturm nahm merklich zu. Dazu berichtet uns Thomas Stoch: "Wir haben die vorletzte Fähre erwischt, bevor der Verkehr aufgrund der Sturmwarnung eingestellt wurde. Auch die Bahnen und Busse fuhren nur bis 19 Uhr. In der Stadt wurde damit begonnen U-Bahn und Lüftungsschächte zu verschliessen. Professionell mit Holzplatten und Sandsäcken, in Chinatown mit Klebeband.;-) Die Innenstadt wurde gegen Abend merklich ruhiger. Wir waren froh zu Hause angekommen zu sein."



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Blick zurück nach Manhattan bevor die Fährverbindung eingestellt wurde ( Foto: Privat)



Es herrscht eine starke Polizeipräsenz auf den Straßen, Hubschrauber und Flugzeuge, vermutlich vom Militär, kreisen am Himmel, Busse fahren zu den Evakuierungszentren. Von einer Evakuierung sind die vier Urlauber derzeit aber nicht betroffen, deren Haus auf einer Anhöhe mit Blick auf die Staten Island Bridge liegt. "Einige Nachbarn sind auch zu Hause, das erkennen wir an den beleuchteten Fenstern auf unserem Hügel. Weiter unten sieht es dunkler aus. Das noch andere da sind ist gut zu wissen, denn falls wir Kerzen brauchen werden wir da klopfen", denn Kerzen und Streichhölzer haben sie vergessen zu kaufen.

Thomas Stoch behält die Nerven: "Die Bäume um unser Haus scheinen recht stabil zu sein. Ich habe die Kinder trotzdem schon einmal darum gebeten, ihre wichtigsten Dinge griffbereit zu halten falls es schnell gehen muss und wir heute Nacht raus müssen. Immer aber mit Bedacht, damit sie nicht noch mehr Bammel bekommen. Denke die Situation ist schon aufregend genug. Ändern können wir an der Situation eh nicht viel. Denn wo sollen wir hin? Kopflos ins Hinterland reisen? Wir können nur abwarten und aufmerksam bleiben. Ein wenig auch auf die hiesige Polizei und das Militär vertrauen. Ansonsten hilft ein gewisser Fatalismus. Hier leben Millionen von Menschen. Warum soll es da gerade uns erwischen?"

Doch was machen die Vier, während wir hier in Deutschland eher unbetroffen das Geschehen am Fernseher verfolgen? "Wir sitzen heute Abend gemütlich beim Abendessen zu Hause, trinken Dosenbier - das beruhigt - und die Kinder natürlich Orangensaft. Wir versuchen Informationen aus dem Internet zu ziehen und im Fernsehen zu finden. Damit es aber nicht zu gruselig wird schauen wir "Wipeout", eine echt beknackte amerikanische TV-Show. Kurzum: Wir machen das Beste daraus und harren der Dinge, die da kommen."

WolfenbüttelHeute.de hält, so lange noch verfügbar, über das Internet Verbindung zu Thomas und Nina Stoch, Anna Bunkowski und Marion Mai. Wir drücken die Daumen, dass am Ende alles nur eine seichte Brise mit glücklichem Ausgang wird.


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