Peine. Ein Jahr haben sich Studierende der HAWK-Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit unter Leitung von Prof. Dr. Andreas W. Hohmann damit auseinandergesetzt, wie Kindern im Grundschulalter „Normen und Werte“ im Primarbereich vermitteln werden können. Dies teilte der Landkreis mit. Im Sommer 2023 wurden die ersten Ideenskizzen einem interessieren Publikum vorgestellt. Jetzt können die fertigen Unterrichts-Produkte dem Landkreis Peine übergeben werden.
Hintergrund ist die Umbenennung der Peiner Wallschule in Wallschule Sally-Perel im April 2022. Sally Perel konnte als Hitlerjunge Salomon seine jüdische Identität verbergen und überlebte so die Zeit des Nationalsozialismus. Für die Stadt Peine stellte die Umbenennung der Schule lediglich einen ersten Schritt dar. Denn auch inhaltlich möchte sich die Schule mit ihrem Namensgeber beschäftigen. Das gilt vor allem, da nach Planung des Niedersächsischen Kultusministeriums das Fach „Werte und Normen“ nach einer Testphase, an der sich auch die Wallschule Sally Perel beteiligt, zum Schuljahr 2025/26 als ordentliches Unterrichtsfach im Primarbereich starten wird. Dies teilte der Landkreis mit.
Wichtige Impulse
Herausgekommen sei ein breites Portfolio, nicht nur inhaltlich. Die Projekte und vermittelnden Medien orientierten sich an der heutigen Lebenswirklichkeit der Kinder und ermöglichen, sich selbstständig spielerisch mit dem Thema auseinanderzusetzen. Vom klassischen Bilderbuch, zu Hörspielen bis hin zu Kinderspielen wie dem „Werte Memory“ werden zahlreiche Möglichkeiten angeboten.
In diesem Zusammenhang sind auch zwei Schauplakate für die Wallschule Sally-Perel entstanden, die sowohl den Kindern als auch Eltern das Leben und Schicksal von Sally Perel erklären.
Diversität und Demokratie
Innerhalb des Projektes initiierte die Kreisvolkshochschule (kvhs) Peine unter der Überschrift „Diversität und Demokratie im Kinderbuch“ zudem eine schulinterne eintägige Fortbildung für die Lehrer der Wallschule Sally Perel. Dr. Wiebke von Bernstorff von der Universität Hildesheim stellte Konzepte der Diversitäts- und Demokratie-Bildung vor. Anhand von Klassenlektüren wurden gemeinsam diversitätspädagogische Lehrkonzepte für alle Klassenstufen entwickelt, mit dem Ziel, für jede Stufe ein gemeinsames Curriculum zur Demokratiebildung zu erstellen.
„Die Pandemie und ihre Auswirkungen auf die Schulen und vor allem die Schüler hat in den vergangenen Jahren mehr als deutlich gemacht, dass die Heterogenität unserer Gesellschaft in der Krise zu Ungerechtigkeiten und massiven Benachteiligungen geführt hat“, analysiert von Bernstorff. Heterogenität sei so zum Nachteil geworden, anstatt – wie im Rahmen von Demokratiebildung angestrebt – zum Vorteil und Potential. Deshalb brauche es nachhaltige Demokratiebildungsprozesse im Schulalltag.
Der schulinternen Fortbildung folgte der Vortrag „Bunte Vielfalt im Kinderbuch – Was und wie mit Kindern lesen?“, bei dem pädagogische Erkenntnisse zum Umgang mit Vielfalt reflektiert werden konnten. „Was wir mit Kindern gemeinsam lesen, hat einen großen Einfluss auf deren Welt- und Selbstbild“, von Bernstorff.