E-Scooter löst Wohnhausbrand aus - Das raten jetzt Experten

Flammen schlugen gen Himmel. Ein kleiner E-Scooter sorgte für großen Schaden. Wie kann man die Gefahr minimieren?

von Alexander Dontscheff


Ein E-Scooter war der Auslöser für einen Wohnhausbrand, hier im Wolfenbütteler Ortsteil Halchter im August 2022.
Ein E-Scooter war der Auslöser für einen Wohnhausbrand, hier im Wolfenbütteler Ortsteil Halchter im August 2022. Foto: Werner Heise

Region. Imme wieder hört man, dass sich Akkus von E-Scootern entzünden. Anfang August hatte so ein Fall in Wolfenbüttel zum Brand eines Carports und in der Folge auch des Hauses geführt (regionalHeute.de berichtete). regionalHeute.de nahm dies zum Anlass, um bei neutralen Stellen wie dem TÜV und dem ADAC nach einer Einschätzung des Risikos und dem geeigneten Abstellort für die Roller zu fragen.


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"Für einen E-Tretroller mit intaktem Akku, der aktuell nicht geladen wird, gibt es keine besonderen Einschränkungen bezüglich des Abstellortes", schreibt Melanie Mikulla, Unternehmenssprecherin des ADAC. Etwas differenzierter sieht dies Frank Schneider, Referent für Fahrzeugtechnik beim TÜV-Verband Deutschland. Für E-Scooter eigneten sich leicht zugängliche, gut einsehbare und wettergeschützte Abstellmöglichkeiten am besten. Beim Aufladen sei eine brandsichere Umgebung zu bevorzugen.

Unterschiede zwischen Kauf- und Leih-Scootern


Bei E-Scootern, die man käuflich erwerben kann, steht mitunter in der Gebrauchsanweisung, dass man das Gefährt möglichst nicht draußen abstellen soll. Leih-Roller dagegen stehen die ganze Zeit über im Freien. Frank Schneider kann diesen Widerspruch erklären: "Leih-Scooter unterscheiden sich meist schon auf den ersten Blick von den frei verkäuflichen Modellen. Sie sind robuster, weil sie dauerhaft im Freien abgestellt und im Dauereinsatz deutlich stärker beansprucht werden. Das erfordert höhere Anforderungen an die gesamte Konstruktion, vor allem an den Wasserschutz, und einen größeren Akku." Auch für Melanie Mikulla ist es naheliegend, dass so ein Gefährt länger halte, wenn es nicht der Witterung ausgesetzt sei.

"Nicht komplett entladen!"


Ein kritischer Punkt ist das Aufladen des Akkus. Für den Fall der Fälle sei es ratsam, bei einem Ladevorgang in der Nähe zu bleiben. Die Produkte seien grundsätzlich sehr sicher, aber es bleibe ein Restrisiko, so der TÜV-Experte. Man könne das mit einer laufenden Waschmaschine vergleichen. Nutzer sollten nur ein vom Hersteller mitgeliefertes oder eindeutig kompatibles Ladegerät verwenden. Andernfalls drohe die Gefahr eines Kurzschlusses. "Auch eine komplette Entladung, die so genannte Tiefentladung, sollte vermieden werden, da sie die Batterie beschädigen kann", warnt Frank Schneider. Das sei vor allem wichtig, wenn der E-Roller für die Wintermonate aus dem Verkehr gezogen werde. Für längere Stillstandszeiten sei eine Ladekapazität von 60 bis 80 Prozent ideal.

"Wenn der Akku abseits vom Fahrzeug geladen wird, kann er für die Dauer des Ladens in einer speziellen feuerfesten Tasche untergebracht werden", ergänzt Melanie Mikulla. Damit könnten für den extrem seltenen Fall eines Brandes offene Flammen vermieden werden. Manche Hersteller ließen ein unbeaufsichtigtes Laden der Akkus nicht zu. "Dies bedeutet streng genommen: Akku nur unter Aufsicht laden. Ist in der Praxis natürlich nicht machbar", so die Pressesprecherin.

Schnell griffen die Flammen vom E-Scooter auf das Wohnhaus über.
Schnell griffen die Flammen vom E-Scooter auf das Wohnhaus über. Foto: Privat


Risiko durch defekte Akkus


Die Gefahr eines Brandes steige, wenn der Akku beschädigt ist, heißt es seitens des TÜV. Deformationen könnten die Struktur der Batteriezellen beeinflussen. Die Folge könne eine Überhitzung sein, die wiederum in einen Brand oder sogar in eine Explosion münden kann. "Offensichtlich defekte Batterien sollten daher so schnell wie möglich ausgetauscht oder von einem Fachbetrieb repariert werden", rät Frank Schneider. Melanie Mikulla ist hier noch rigoroser: "Grundsätzlich sollten offensichtlich beschädigte oder defekte Akkus nicht mehr geladen und auch nicht mehr benutzt werden." Diese Akkus sollten in feuerfesten Taschen gelagert werden.

Gibt es Unterschiede - vor allem bezüglich des Risikos - zu anderen Akkus, etwa in E-Bikes oder in E-Autos? "E-Scooter und E-Bikes sind im Vergleich zu E-Autos deutlich leichter und die Akkus meist herausnehmbar. Die Gefahr von Stößen oder Herunterfallen ist daher höher als bei Elektroautos, die wiederum mehr Energie speichern können und ganz anderen Kräften ausgesetzt sind", erklärt der TÜV-Experte. Alle E-Fahrzeuge würden für ihre jeweilige Anwendung konstruiert und müssten entsprechende Sicherheitsmerkmale aufweisen. Der ADAC ließ diese Frage unbeantwortet.


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