5-Jähriger stirbt - Notärztin wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht

Im November 2017 starb der 5-jährige Diyar, nach dem Besuch des Salzgitteraner Krankenhauses. Die Frage, ob die diensthabende Notärztin den Tod aufgrund unzureichender Behandlung zu verantworten hat, soll nun vor Gericht geklärt werden.

Der 5-jährige Diyar starb im Jahr 2017 nach einem Besuch im Krankenhaus an einer akuten Bauchfellentzündung.
Der 5-jährige Diyar starb im Jahr 2017 nach einem Besuch im Krankenhaus an einer akuten Bauchfellentzündung. | Foto: aktuell24(BM)

Salzgitter. Der fünfjährige Diyar verstarb im November 2017 in den Armen seiner Mutter, nachdem die behandelnde 47-jährige Ärztin in der Notaufnahme des Klinikums Salzgitters den Jungen wieder nach Hause geschickt hat. Nun muss sie sich wegen des Tatvorwurfes "fahrlässige Tötung" vor Gericht verantworten. Der erste Verhandlungstermin in der Sache ist für den heutigen Dienstag um 11 Uhr beim Amtsgericht Salzgitter angesetzt.


Wie Sascha Rüegg, stellvertretender Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig damals im Gespräch mit regionalHeute.de erläuterte, wurde der Frau laut der Anklage zur Last gelegt, in ihrer Funktion als diensthabende Notärztin fahrlässig den Tod des Kindes verursacht zu haben. Ein Sachverständiger habe Anhaltspunkte ermittelt, nachdem die Behandlung nicht dem Krankheitsbild entsprechend gewesen sei. Die Anklageerhebung erfolgte bereits im Jahr 2018.

Im Gespräch mit regionalHeute.de schilderten die Eltern des 5-jährigen Diyar im November 2017, kurz vor seiner Beerdigung, den Ablauf der Geschehnisse. Ab ungefähr 16 Uhr ginge es Diyar immer schlechter. Er habe über Bauchschmerzen geklagt, sich mehrfach erbrochen und seine Hände und Füße seien immer kälter geworden. Deshalb riefen die Eltern den Notruf. Doch statt der erhofften Hilfe seien sie aufgefordert worden, selbstständig die Notaufnahme im Krankenhaus aufzusuchen.

"Mein Sohn stirbt, ich spüre das"


In der Notaufnahme angekommen seien sie erneut weitergeschickt worden, sie sollten zur kinderärztlichen Ambulanz gehen. Aber auch dort sei der Junge nicht untersucht worden. Die Ärztin habe lediglich die Informationen, die die Eltern ihr gaben, in einen Computer eingegeben und die Eltern mit einem Zäpfchen nach Hause geschickt. Wenn es am nächsten Tag nicht besser sei, sollten sie erneut einen Arzt aufsuchen.

Und es wurde nicht besser. Im Gegensatz, dem Jungen sei es kontinuierlich schlechter gegangen. Als Diyar anfing, verwirrt über Dinge aus der Vergangenheit zu sprechen, war sich die junge Mutter sicher, dass etwas nicht in Ordnung sei. Sie bat ihren Mann, erneut den Notruf zu wählen. "Mein Sohn stirbt, ich spüre das", habe Mohammad am Telefon gesagt.

Diesmal kam Hilfe, aber zu spät. Während in der Ferne bereits die Sirenen zu hören war, habe Kawthar gespürt, dass das Herz des Kindes, das sie fest in ihrem Arm hatte, aufhörte zu schlagen. Die kurz darauf eintreffenden Rettungskräfte versuchten noch, den Jungen zu reanimieren, aber ohne Erfolg.

Diyar starb an Bauchfellentzündung


Der fünfjährige Diyar verstarb laut Obduktionsbericht an einer akuten Bauchfellentzündung. Bei einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung drohen eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe.


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