Salzgitter. Die Sitzung des Rates der Stadt Salzgitter am vergangenen Dienstag fiel auf einen besonderen Tag: den 1. April. Bekanntlich ein Tag, an dem viele gerne ihre Mitmenschen auf die Schippe nehmen. Auf der Tagesordnung befand sich auch ein Antrag des fraktionslosen FDP-Ratsherren Ercan Kilic, in dem dieser beheizte Bürgersteige für Salzgitter fordert. Sicher ein Aprilscherz, oder?
Laut Antrag solle der Rat beschließen, als Pilotprojekt in einem der kleineren Stadtteile Salzgitters die Wege und Bürgersteige, die sich direkt an städtischen Grundstücken befinden, so umzubauen, dass diese beheizbar werden und ein händisches Schneeräumen über Schneeschaufel nicht mehr von Nöten sei. Das Ergebnis dieses Pilotprojekts, und deren jährlich erwirtschafteten Einsparungen durch den wegfallenden Winterdienst, solle jeweils zum 1. April eines jeden Jahres dem Oberbürgermeister und den Mitgliedern des Rates mitgeteilt werden.
Wegfall von Streusalz
Klingt eigentlich nach einem Paradebeispiel für einen Aprilscherz. Doch Kilic führte eine ganze Reihe von Argumenten und Beispielen auf, die die Seriosität des Antrags unterstreichen sollten. So verhinderten beheizbare Bürgersteige mühelos die Ansammlung von Schnee und Eis auf Gehwegen. Besonders für den öffentlichen Raum sei es ideal geeignet, da durch den Wegfall von Streusalz die Umwelt geschont werde.
Auch werde der SRB, die für die Schneeräumung auf den kommunalen Flächen in der Stadt zuständig sei, nicht vom jährlichen plötzlichen Schneefall und Glatteis überrascht, weil beheizbare Bürgersteige rund um die Uhr stromsparend in Bereitschaft im Hintergrund arbeiteten. Sämtliche Verantwortlichen der Stadt Salzgitter, könnten somit winterlichen Wettereinflüssen zukünftig gelassener entgegensehen. Es reduziere zudem ebenfalls die Kosten für den Winterdienst, da sich nun weniger Personal um den Winterdienst kümmern müsse.
Kilic nannte zudem Beispiele aus Island und Nordschweden, wo ein Großteil der Gehwege und Straßen so beheizt würden, sodass ein Winterdienst hier nicht benötigt werde. Auch ein Ort in den USA mit der größten „Fußbodenheizung“ Amerikas im Zentrum der Stadt wurde genannt.
Antrag abgelehnt
Im Ratsplenum glaubte allerdings wohl niemand an die Ernsthaftigkeit des Antrags. Ohne jegliche Diskussion wurde er außer der Stimme des Antragstellers einstimmig abgelehnt. Kilic versicherte zwar in seiner Rede mehrfach, dass dies kein Aprilscherz sei, doch sein Gesichtsausdruck dabei sprach Bände. Und als er zum nächsten, direkt anschließenden Tagesordnungspunkt wieder an das Pult trat, waren seine Worte "So, jetzt Schluss mit dem Klamauk". Doch es soll wohl auch Menschen und Medien geben, die ihm geglaubt haben...