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Serie: Diese Projekte unterstützt United Kids Foundations

von Robert Braumann


Beim ausgewogenen Frühstück darf auch Nuss-Nougat-Creme dabei sein. Foto: Peter Sierig Foto: Peter Sierigk

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11.05.2016


Braunschweig/Salzgitter. Eine erschreckend hohe Zahl an Grundschulkindern wird morgens von ihren Eltern ohne Frühstück in die Schule geschickt. Experten gehen davon aus, dass jedes dritte Kind im Alter von 6 bis 10 Jahren in Deutschland zu Unterrichtsbeginn unter Hunger leidet.

Die Folgen liegen auf der Hand: Konzentrationsschwäche, schlechte schulische Leistungen, Aggressionen. Mit brotZeit ist es United Kids Foundations, dem Kindernetzwerk der Volksbank BraWo, gelungen, zunächst an zwei Schulen in Salzgitter Abhilfe in der Region Braunschweig-Wolfsburg zu schaffen. Wir haben früh morgens die Grundschule Am Ziesberg besucht, um uns das Projekt brotZeit anzusehen und die Kinder an ihrem Schultag zu begleiten. Es ist der Beginn einer Reportage-Serie über Projekte von United Kids Foundations. regionalBraunschweig.de zählt zu jenen mehr als 1000 Spendern der BraWo-Allianz gegen Kinderarmut aus dem vergangen Jubiläumsjahr von United Kids Foundations. Bis zum Jahresende werden wir jeden Monat ein Projekt unter die Lupe nehmen. Wir wollen wissen, was sich aus den Spenden entwickelt, welche Projekte zum Wohl unserer Kinder in der Region umgesetzt werden.

Gemeinsam Frühstücken



Ein Apfel am Tag... Barbara Schaper bietet die Leckereien an. Foto: Peter Sierigk



Es ist 6.45 Uhr. Bei Erika Kukla und Barbara Schaper klingelte der Wecker sehr früh. Noch ist das ein bisschen ungewohnt, denn die beiden Seniorinnen sind erst seit kurzem zwei von sechs brotZeit-Helferinnen an der Grundschule Am Ziesberg. Natürlich klagen sie nicht, sondern freuen sich, dass sie ehrenamtlich etwas für Kinder tun können, dass sie sie unterstützen können. Die Motivationslage ist bei beiden ähnlich. „Nach der Rente habe ich eine ehrenamtliche Aufgabe gesucht. In der Zeitung habe ich über das Projekt brotZeit gelesen und fand die Idee einfach toll, dass die Kinder zusammen frühstücken können, egal aus welchen Gründen zu Hause eben kein Frühstück da ist“, sagt Erika Kukla.


Erika Kukla bereitet das Frühstück vor. Foto: Peter Sierigk



Rund 40 Kinder kommen an diesem Morgen. Mit Apfelspalten gehen Erika Kukla und Barbara Schaper von Tisch zu Tisch. Nuss-Nougat-Creme kommt in aller Regel besser an als Obst. Aber die beiden Seniorinnen bringen fast überall ihre Empfehlung an das Kind. Auch in der Grundschule Am See kommen in etwa gleichviele Kinder zum Frühstück. Beide Schulen zusammen haben etwa 650 Schülerinnen und Schüler. Am Frühstück kann jedes Kind, das möchte, teilnehmen. „Wir sind eine Brennpunktschule und haben dementsprechend viele Kinder, die auf sich allein gestellt sind. Wir sind prädestiniert für das Projekt brotZeit und sind sehr dankbar, den Kindern das Frühstück anbieten zu können“, erklärt Markus Mertens, Leiter der Grundschule Am Ziesberg. 50 Prozent der Kinder kommen aus Familien, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, 70 Prozent der Kinder haben Migrationshintergrund.

Strahlende Kindergesichter


Als er das erste Mal in der Mensa war, berichtet Mertens, und die strahlenden Kindergesichter vor dem Frühstücks-Buffet sah, da sei ihm die Bedeutung von brotZeit auf einen Schlag überdeutlich geworden. Die Erfolge sind schnell spürbar geworden. Die Atmosphäre des Schulalltags ist viel entspannter geworden. Die Kinder gehen gelassener und konzentrierter in den Unterricht. Arbeits- und Sozialverhalten haben sich gebessert – die Schulnoten auch. Wir besuchen Mathematik-Unterricht und Sportstunde. In beiden Fächern strengen sich die sichtbar Kinder an. Bei Mathe melden sich fast alle. Einige kommen zu uns, dem ungewöhnlichen Besuch, und zeigen voller Stolz ihre Hefte mit den Smileys für richtig gerechnete Aufgaben. Im Sport spielen alle hochmotiviert Völkerball, wollen uns demonstrieren, was sie drauf haben. Schön, dass sich kein Kind hängen lässt. „Mit dem morgendlichen Frühstück beginnt für die Kinder ein strukturierter Ablauf. Viele kommen regelmäßig, das hatten wir vorher so nicht erwartet“, freut sich der Schulleiter.

"Ich bin begeistert"


Vorbereitet und ausgegeben wird die Mahlzeit von den ehrenamtlich tätigen Seniorinnen. Sie sind schnell Ansprechpartner und auch Bezugspersonen geworden, bei denen sich die Kinder offensichtlich wohlfühlen. „Die Kinder erzählen uns viele Geschichten aus der Schule oder von zu Hause. Wir werden immer vertrauter und dadurch werden sie natürlich auch lebhafter. Aber immer im Rahmen, ganz toll. Ich bin begeistert“, erzählt Erika Kukla. Man höre ja so viel von Kindern, dass sie sich nicht mehr benehmen könnten. Hier sei das nicht der Fall. Ihre Mitstreiterin Barbara Schaper ergänzt, dass es freilich auch feste Regeln gäbe, die befolgt werden müssten. „Wir halten die Kinder schon an, `danke` und `bitte` oder `guten Morgen` und `auf Wiedersehen` zu sagen. Die Kinder sollen ja mit einem guten Gefühl in den Unterricht gehen und wie gesagt, wenn einer ein Nutella-Mäulchen hat, dann wird das eben noch abgewischt“, meint sie. Es wird darauf geachtet, dass die Kinder ihr Frühstück ordentlich mit Serviette und Besteck zu sich nehmen, dass sie nicht beim Essen rumtoben und sich hinsetzen. „Das klappt wirklich tadellos. Wir haben eine sehr schöne Frühstücks-Atmosphäre“, versichert sie.

Gut schmeckt es auch dem 10-jährigen Alexander aus der Klasse 4b.



Alexander ist überzeugt vom Frühstück. Foto: Peter Sierigk



Das sieht man. Er sitzt mit seinen Freunden am Tisch, isst gerade Fruchtjoghurt, als wir ihn fragen, wie er denn das Frühstück so findet. Klasse, sagt er. Richtig „aufgepowert“ sei er. „Wegen des Frühstücks hatte ich schon mal 1 minus“, erzählt er uns. Das fand seine Mutter gut, deswegen ließe sie ihn jetzt auch weiter zum Frühstück in der Schule gehen. Zum Glück. Dass das Frühstück am schulischen Erfolg einen Anteil hat, ist nicht nur ein bloßes Gefühl, sondern das Ergebnis einer Evaluation. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder, die an brotZeit teilnehmen und dadurch jeden Morgen ausgewogen frühstücken können, ausgeglichener sind als vorher, auch konzentrierter in den Unterricht gehen und sich beides letztlich positiv auf die Schulnoten auswirkt“, sagt Cordula Schön, brotZeit-Projektkoordinatorin für die Region Braunschweig-Wolfsburg.

Die in München von Schauspielerin Uschi Glas gegründete Initiative ist bereits an sieben weiteren Standorten in Deutschland etabliert. Es werden insgesamt 7500 Kinder an 183 Schulen versorgt. Mehr als 1000 Seniorinnen und Senioren bereiten die Mahlzeiten ehrenamtlich vor. Es ist geplant, so Cordula Schön, in absehbarer Zeit zwei weitere Grundschulen aus Salzgitter und zwei aus Wolfsburg in das brotZeit-Projekt aufzunehmen.


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