Region. Der Führerschein muss bezahlbar bleiben oder gar günstiger werden, aber gleichzeitig auch weiterhin für Qualität stehen. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa hervor, die der ACE Auto Club Europa in Auftrag gegeben hat. Das Thema steht zudem in den kommenden Tagen in Goslar beim 64. Deutschen Verkehrsgerichtstag auf dem Programm, wo Experten über die derzeitigen Prüfungs- und Ausbildungsformate diskutieren.
Die Führerschein-Ausbildung werde für viele junge Menschen und Familien zunehmend zur finanziellen Hürde, erklärt der ACE in einer Pressemitteilung, in der er auf die Ergebnisse der Umfrage hinweist. Dabei gehe es auch um eine geplante Reform des Bundesverkehrsministeriums, die den Weg zum Führerschein kostengünstiger machen soll. Ein Führerschein kann heutzutage mehrere Tausend Euro kosten.
Bezahlbarkeit wichtig, Qualität aber auch
Vor dem Hintergrund habe der ACE eine repräsentative Befragung von 1.001 Menschen beauftragt, die die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren abbildet. Ziel sei es gewesen herauszufinden, wie die Bevölkerung die Reformvorschläge bewertet.
Demnach erklärten 60 Prozent der Befragten, dass ihnen die Bezahlbarkeit und geringe Kosten in der Fahrschule wichtig seien.Gleichzeitig betonten aber auch 76 Prozent, dass eine gute Ausbildungsqualität an erster Stelle stehe.
Nicht auf Kosten der Qualität
Reformideen, die die Qualität beeinträchtigen könnten, werden derweil kritisch gesehen: 77 Prozent halten es für gar nicht oder eher nicht sinnvoll, die Zahl der verpflichtenden Sonderfahrten zu reduzieren. Bei den 18- bis 29-Jährigen lehnen das sogar 80 Prozent ab. Auch eine Verkürzung der praktischen Prüfung von 30 auf 25 Minuten lehnt mit 68 Prozent die deutliche Mehrheit ab. Zudem halten 55 Prozent die Reduzierung des Fragenkatalogs der theoretischen Prüfung für nicht sinnvoll. Dieses Meinungsbild bestätige die Haltung des ACE seit Beginn der Debatte: So wichtig die Bezahlbarkeit ist, Sicherheit und Ausbildungsqualität dürfen nicht darunter leiden, erklärt der Autoclub in der Pressemitteilung.
Digitale Angebote – so lautet offenbar die einhellige Meinung – können Teile der Ausbildung ergänzen aber nicht ersetzen. 70 Prozent halten Simulatoren für sinnvoll, etwa um das Fahren mit einem Schaltwagen zu üben. Vorgeschriebene Sonderfahrten teilweise im Simulator zu absolvieren, halten jedoch mehr als die Hälfte für nicht sinnvoll, bei den 18- bis 29-Jährigen sind es 66 Prozent.
Auch beim Theorieunterricht zeigt sich Zurückhaltung gegenüber einem vollständig digitalen Modell: Selbst in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen erreicht die Abschaffung des verpflichtenden Präsenzunterrichts mit 47 Prozent keine Mehrheit.
Mehrheit für Mobilitätszuschuss
Angesichts der stark gestiegenen Führerscheinkosten setze sich der ACE für mehr Chancengerechtigkeit ein und fordert die Einführung eines einmaligen bundesweiten Mobilitätszuschusses für junge Menschen. Dieser könnte flexibel etwa für den Führerscheinerwerb, ein ÖPNV-Ticket oder die Anschaffung eines Fahrrads genutzt werden. In der Forsa-Umfrage stößt dieser Vorschlag auf breite Zustimmung: Insgesamt befürworten 58 Prozent der Befragten den Mobilitätszuschuss, bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 72 Prozent. Der ACE schlägt hierzu einen Zuschuss von 500 Euro vor.

