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Stadt im Einsatz für Insekten - Weitere Maßnahmen geplant



Helmstedt

Stadt im Einsatz für Insekten - Weitere Maßnahmen geplant

von Nick Wenkel


Mehr Schutz für Insekten: Das versucht die Stadt Helmstedt mit zahlreichen Maßnahmen zu garantieren. Symbolfoto: Pixabay
Mehr Schutz für Insekten: Das versucht die Stadt Helmstedt mit zahlreichen Maßnahmen zu garantieren. Symbolfoto: Pixabay

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Helmstedt. Die Stadt Helmstedt hat zahlreiche Schritte zur Rettung der Insekten geplant. Wie aus einer aktuellen Vorlage der Verwaltung hervorgeht, wurden dabei auch schon einige Maßnahmen umgesetzt, unter anderem die Streuung von Saatgut und der Verzicht von Herbiziden bei der Grünflächenpflege.



Initiiert wurden die Maßnahmen bereits am 24. April 2018. Damals hatten sich die Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses in einer umfangreichen Diskussion zu dieser Thematik ausgetauscht. Fazit der Sitzung war es, dass der Rat beschließen möge,„Maßnahmen gegen das Insektensterben möglichst zeitnah zu beginnen und kontinuierlich auch in den Folgejahren im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel unter Einbeziehung von möglichen Fördermitteln umgesetzt werden", wie aus der Vorlage zu entnehmen ist.

Die Maßnahmen im Detail


Durch die Mitarbeiter des städtischen Betriebshofes seien im Frühjahr an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet Saatgut ausgebracht, um für Insekten geeignete Blühstreifen entstehen zu lassen. Durch die dann zeitig beginnende und lang anhaltende Trockenheit hätten sich die Pflanzen jedoch nur auf eine geringe Größe mit einer Notblüte entwickelt oder aber sie vertrockneten ganz. Für den Herbst sei bereits die Anlage eines größeren kombinierten Streifens mit speziellen Blumenzwiebeln und einer neuen Einsaat beauftragt worden. Eine Prüfung noch vorhandener versiegelter Flächen habe ergeben, dass die meisten Flächen bei denen es aufgrund der Verkehrsbelastung möglich ist, bereits entsiegelt seien. Es würde nur einige wenige, ganz kleine Flächen verbleiben, die stetig zurückgebaut werden können. Jedoch auch solche, bei denen in den letzten Jahren erst eine Versiegelung stattgefunden habe, beispielsweise der Lindenplatz.

Weitere Insektenhäuser geplant


Bisher existieren lediglich zwei stadteigene Insektenhäuser in Helmstedt. Eins in der „Galgenbreite“ und ein weiteres „Im Rottlande“. Mögliche weitere Standorte für Neubauten gebe es im Stadtgebiet und in den Ortsteilen reichlich. So eignen sich beispielsweise Flächen im „Piepenbrink“, im „Wallgarten“ und an der Goethestraße dafür. Für den Herbst sei der Bau von zwei großen Insektenhotels mit der Möglichkeit einer Info-/Schautafel in Planung. Es sei zudem angedacht, die Insektenhäuser als Projekt in Zusammenarbeit mit den Kindertagesstätten und Grundschulen zu bestücken. Entsprechende Abstimmungen soll schon in Kürze mit dem Fachbereich 21 - Schulen, Soziales und Jugend sowie Sport erfolgen.

Verzicht auf Herbizide


Bei der Pflege der Baumscheiben durch die eigenen Mitarbeiter der Grünflächenpflege sei der Verzicht auf Herbizide (auch auf Essigbasis) umgesetzt worden. Bei den für die Stadt tätigen Fremdfirmen sei dieser Passus Bestandteil der Vertragsbedingungen. Es seien auch hier keinerlei Indizien für einen Einsatz von Herbiziden festgestellt worden. Auch gegen die Herkulesstaude habe es aufgrund des Ratsbeschlusses vom Dezember 2017 keinerlei Einsätze von Herbiziden mehr gegeben. Wo es möglich war, seien die Pflanzen abgemäht worden. Durch die Trockenheit seien diese Stauden in diesem Jahr zudem nicht stark gewachsen und nur schwach zur Blüte gekommen.

Anschreiben an Pächter



Doch mit diesen Maßnahmen nicht genug. Die Stadt will auch weitere Schritt zum Schutz der Insekten veranlassen. Unter anderem ein Flyer zum Programm „Deutschland summt“ bestellt. Dieser soll im Herbst und im Frühjahr zur Pflanzzeit nebst einer Tüte mit Saatgut für eine Bienenweide über das Bürgerbüro an Neubürger verteilt werden. Auch bei Grundstückverkäufen wird gleich beim Notartermin ein Set an die Bauherren ausgegeben. In Vorbereitung sei außerdem ein Anschreiben an die Pächter städtischer Grundstücke, in dem auf die Notlage der Insekten hingewiesen wird und diese gebeten werden, auf den Grundstücken auch Pflanzen wachsen zu lassen. Über die Reaktionen soll anschließend seitens der Verwaltung berichtet werden.

Einwohner sollen sensibilisiert werden


Auf dem Friedhof St. Marienberg wurde im hinteren freien Teil bereits ein Blühstreifen angelegt. Dieser sei allerdings ebenso aufgrund der Dürre vertrocknet. Hier werde alternativ versucht, im nächsten Jahr eine kleine Wiese anzulegen. Auf den Friedhöfen der Ortsteile sei vor einer Veränderung der gewohnten Anlage und Pflege daher das Votum der Ortsratsmitglieder einzuholen. Dies wäre auch der Fall, wenn Flächen in den Ortsteilen beispielsweise für weitere Streuobstwiesen vorgesehen werden sollen. Eine Förderung durch die Umweltstiftung BINGO sei hier auch für nicht zusammenhängende Flächen möglich. Problematisch sei hingegen noch die Akzeptanz in weiten Teilen der Bevölkerung für extensive Bewirtschaftungsformen. Sie sei noch gering und müsse Zug um Zug gesteigert werden. „Die Angehörigen zahlen Gebühren für die Grabstätten und hegen daher auch gewisse Ansprüche an einen Pflegezustand, dem die insektenfreundlicheren Bewirtschaftungsmöglichkeiten entgegenstehen", heißt es in der Vorlage. Um die Einwohner von Helmstedt für die Thematik zu sensibilisieren, sind verschiedene Aktionen im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit in Planung. So soll der mehrfach ausgezeichnete Kinofilm „More than Honey“ im Roxy aufgeführt werden. Entsprechende Gespräche mit dem Betreiberteam der Helmstedter Kinos haben bereits stattgefunden.

Flächen zu klein und schlecht anzufahren


Hauptproblem bei der extensiven Pflege sei jedoch nicht zwingend die Entsorgung des Grüns, sondern die Tatsache, dass einerseits viele Flächen relativ klein sind und andererseits viele mit Maschinen und Gerät schlecht angefahren werden können. Entweder seien die Zufahrten zu schmal oder für größeres Gerät schlecht ausgebaut. Auf Dauer würde sich das negativ auf die Haltbarkeit der Anlagen auswirken. Daneben sei der Betriebshof mit seinen Gerätschaften nur sehr eingeschränkt in der Lage Grasschnitt aufzunehmen. Mit dem vorhandenen Gerät geht das aktuell nur auf einzelnen kleinen Flächen. Für größere Flächen müsse man auf Landwirte zurückgreifen. Diese haben jedoch überwiegend große Schlepper und enorme Arbeitsbreiten. Das würde wieder zu Problemen mit der Zuwegung und der Haltbarkeit der Flächen sowie mit dem Baumbestand führen.

Die Verwaltungsvorlage soll in der kommenden Sitzung des Bau- und Umweltausschusses am 28. August beraten werden.


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