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Stadtbad Okeraue: Corona verschärft das jährliche Verlustgeschäft



Wolfenbüttel

Stadtbad Okeraue: Corona verschärft das jährliche Verlustgeschäft

Durch die coronabedingte Schließung konnten im vergangenen Jahr insgesamt 1,14 Millionen Euro und 2021 rund 1,13 Millionen Euro eingespart werden.

von Anke Donner


Das Stadtbad Okeraue ist wie eigentlich alle öffentlichen Bäder ein Verlustgeschäft. Mit Corona hat sich das aber verschärft.
Das Stadtbad Okeraue ist wie eigentlich alle öffentlichen Bäder ein Verlustgeschäft. Mit Corona hat sich das aber verschärft. Foto: Anke Donner

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Wolfenbüttel. Als das Stadtbad Okeraue Anfang Dezember verkündete, dass es aus wirtschaftlichen Gründen vorübergehend schließen wird, war die Kritik der Bürger groß. Diese Möglichkeit der Freizeitgestaltung hätte man doch lassen können, hieß es. Doch mit jedem Tag, den man ccoronabedingt öffnet, schreibt das Bad rote Zahlen, erklären die Geschäftsführer Stadtbetriebe Wolfenbüttel GmbH, Knut Foraita und Matthias Tramp auf Nachfrage von regionalHeute.de.



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Ein öffentliches Schwimmbad sei immer ein Zuschussgeschäft, heißt es. Und das ist auch beim 2014 neu eröffneten Stadtbad Okeraue nicht anders, wie Foraita und Tramp zugeben. "Sogar viele private Schwimmbäder sind im Grunde Zuschussgeschäfte; dies wird jedoch durch öffentliche Zuschüsse oder Zugeständnisse dann teilweise nicht transparent gemacht. Selbst Thermen benötigen oftmals ein umfangreiches Hotellerie- und Gastronomie-Angebot, um halbwegs auf ihre Kosten zu kommen", so Knut Foraita und ergänzt auf die Frage, wie es sich in anderen Bäder darstellt: "Es gibt kaum Vergleichsmöglichkeiten, da die Bäder und deren Defizite nicht gleichmäßig verteilt sind und in unterschiedlichen Rechts- und Betriebsformen geführt werden. Wir haben keine öffentliche Förderung für den damaligen Bau erhalten und erhalten auch bis heute keine laufenden Zuschüsse von der öffentlichen Hand."

Mehr als zwei Millionen Euro Defizit jährlich



Ob Corona oder nicht: Das Stadtbad Okeraue fährt jährlich ein ordentliches Defizit ein. 2019 waren das 2,7 Millionen Euro, 2020 2,65 Millionen und Euro und 2021 2,57 Millionen Euro. Den Fehlbetrag deckt die Gesellschaft aus eigenen Mitteln ab. Im Endeffekt - da die Gesellschaft zu 100 Prozent der Stadt Wolfenbüttel gehört - die Allgemeinheit. "Das Wolfenbütteler Bad ist ein wirklich schönes und funktionelles Bad, das Defizit kostet aber die hiesige Bevölkerung auch einen großen Betrag. Auf den Einwohner umgerechnet sind dies etwa 50 Euro im Jahr", erklärt Foraita.

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Während das Bad im Jahr 2019, also noch vor der Pandemie, allein durch die Ticketeinnahmen rund 1,67 Millionen Euro eingenommen hatte, waren es im Jahr darauf nur noch etwa 550.000 Euro. Noch weniger waren es in diesem Jahr. Hier konnten durch die Eintrittsgelder 510.000 Euro eingenommen werden. Die seit 2019 stetig sinkenden Besucherzahlen machen dies deutlich. Noch 2019 konnte das Bad 272.000 Besucher verzeichnen. 2020 war es nur noch 93.000 und 2021 sogar nur noch 89.000.


Zu den Eintrittsgeldern kämen laut Tramp und Foraita Einahmen aus dem Gastrobereich, dem angeschlossenen Wohnmobilstellplatz und dem Kanuverleih und Erlebnis-Golf-Platz. Summa summarum wurden so 2019 insgesamt gut zwei Millionen Euro eingenommen. In den Corona-Jahren sind aber auch diese Einnahmen deutlich zurückgegangen und lagen 2020 bei nur noch 630.000 Euro und 2021 580.000 Euro.

Schließung spart mehr als eine Million Euro


Dem gegenüber stehen aber Ausgaben für den Betrieb des Stadtbads Okeraue von 4,4 Millionen Euro im Jahr 2019 und 3,2 Millionen Euro 2020 und 2021. Corona hat herbe Verluste gebracht. Die Entscheidung, das Bad zu schließen, sei daher, wie die Stadtbetriebe Wolfenbüttel schon damals verkündigten, eine rein wirtschaftliche gewesen. Denn auch für weniger Besucher, die coronabedingt das Bad Besuchen dürften, würde ein Großteil der Betriebskosten weiter anfallen. Dabei müsse man aber zwischen den Nutzergruppen differenzieren, so Foraita. "Öffentlicher Besucherverkehr bedeutet ganztägig sicherzustellendes Aufsichtspersonal an allen Becken, im Foyer, der Gastro und in der Reinigung. Exklusives Schul- und Vereinsschwimmen ohne gleichzeitige öffentliche Nutzung bedarf grundsätzlich keines Aufsichtspersonals, da dieses wird von den Schulen und Vereinen gestellt wird, und keiner Gastrobesetzung, nur zeitweiser Reinigung und temporärer Foyer-Besetzung, jedoch auch einer permanenten Besetzung in der Rumpfmannschaft", erklärt Foraita.

Durch die coronabedingte Schließung konnten im vergangenen Jahr insgesamt 1,14 Millionen Euro und 2021 rund 1,13 Millionen Euro eingespart werden.

In diesem und auch im vergangenen Jahr wurden dem Stadtbad einige Zuschüsse gewährt, um die Verluste ein wenig einzudämmen. "Wir haben in 2020 durch den Assefonds einen Zuschuss von 25.000 Euro erhalten und 2021 nochmal in der gleichen Höhe und wir haben auch November- und Dezemberhilfe über 140.000 Euro erhalten", erklärt Foraita abschließend.


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