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Start in ein "außergewöhnliches" Schuljahr: Was Schüler und Eltern jetzt wissen müssen



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Start in ein "außergewöhnliches" Schuljahr: Was Schüler und Eltern jetzt wissen müssen

Mundschutz im Gang, das Kohortenprinzip und die zwei Notfallpläne der Landesregierung - Es gibt viel zu beachten, und es gibt viel Kritik.

(Symbolbild)
(Symbolbild) Foto: Pixabay

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Region. Für rund 848.800 Schülerinnen und Schüler an den allgemeinbildenden Schulen beginnt nach den Sommerferien am heutigen Donnerstag wieder der Unterricht. Dazu starten viele Schulanfängerinnen und Schulanfänger in ihre schulische Laufbahn. Der Start ins neue Schuljahr gilt im Schatten der Corona-Pandemie allgemein als umstritten und birgt in jedem Fall viele Besonderheiten.



Der Schulstart in Niedersachsen erfolge laut einer Pressemitteilung des Kultusministeriums unter Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus SARS-CoV-2, die im Niedersächsischen Rahmenhygieneplan Schule festgeschrieben sind. Die wichtigsten Regeln: Außerhalb von Unterrichts- und Arbeitsräumen sei eine Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) in von der Schule besonders gekennzeichneten Bereichen zu tragen, in denen aufgrund der örtlichen Gegebenheiten ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zu Personen anderer Kohorten nicht gewährleistet werden könne. Das betreffe in der Regel Gänge, Flure, Versammlungsräume und gegebenenfalls auch das Außengelände.

Abstandsgebot in Schulen aufgehoben


Um einen weitgehend normalen Unterrichtsbetrieb zu gewährleisten, werde das Abstandsgebot unter den Schülerinnen und Schülern zugunsten eines Kohorten-Prinzips aufgehoben. Kohorten sollen möglichst klein gehalten werden, damit im Falle des Auftretens von Infektionen möglichst wenig Personen von Quarantänemaßnahmen betroffen sind. Im Idealfall bilde eine Klasse oder Lerngruppe eine Kohorte, maximal jedoch ein Schuljahrgang. Konsequentes Lüften, Händewaschen und das Beachten der Husten- und Niesetikette seien weitere wichtige Bausteine.



Das bedeutet der Unterricht im "eingeschränkten Regelbetrieb":



• Unterricht in voller Klassenstärke
• Verzicht auf Mindestabstand, dafür Einführung fester Lern- und Bezugsgruppen („Kohortenprinzip")

• Mund-Nasen-Bedeckung außerhalb von Unterrichts- und Arbeitsräumen, wenn der Mindestabstand von 1,5 m zwischen den Kohorten nicht eingehalten werden kann
• Pflichtunterricht hat Priorität
• Ganztagsangebote sind möglich
• Schutz von Risikogruppen kann zu Einschränkungen führen
• Geltung des Rahmenhygieneplans Corona Schule

Alternativpläne für Verschlechterung der Lage


Als weitere Handlungsoptionen wurden den Schulen und der Öffentlichkeit die Szenarien B („Schule im Wechselmodell"; Kombination aus Präsenzunterricht und Lernen zu Hause) und C („Quarantäne und Shutdown"; Lernen zu Hause für einzelne Personen oder Personengruppen) vorgestellt - für den Fall, dass sich die Infektionslage deutlich verschlechtere. Die Entscheidung über mögliche lokale, regionale oder landesweite Maßnahmen, aufgrund des sich entwickelnden Infektionsgeschehens trifft das jeweilige Gesundheitsamt vor Ort. Weder die Schulleitungen noch die Schulbehörden hätten hier laut dem Kultusministerium die entsprechende Befugnis.

Kritik am "eingeschränkten Regelbetrieb"


Das Kultusministerium versichert, dass man auf alle Eventualitäten gut vorbereitet sei. Der Verband Niedersächsische Lehrkräfte bezweifelt dies laut einer Pressemitteilung: "So wenig zuverlässig vorhergesagt werden kann, wie sich die Coronafallzahlen nach dem Schulstart entwickeln werden, so sehr bleiben Unsicherheiten bei der Umsetzung der Hygienemaßnahmen trotz zahlreicher Vorgaben bestehen", meint der Verbandsvorsitzende Torsten Neumann und erklärt: "Durch Lehrkräftemangel bedingt größere Klassen lassen die Schülerinnen und Schüler im Unterricht noch enger zusammenkommen. Ob hier der Verzicht auf das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes wirklich vertretbar ist, bleibt abzuwarten – so unschön und unpraktisch Masken im Unterricht auch sein mögen. Die Sicherheit und der Schutz aller an Schulen Beteiligten müssen weiterhin Vorrang haben."

Es braucht eine Teststrategie



Der FDP-Landtagsabgeordnete Björn Försterling.
Der FDP-Landtagsabgeordnete Björn Försterling. Foto: regionalHeute.de



"Ab Donnerstag läuft in Niedersachsen der Countdown bis zur ersten Schulschließung, denn die Landesregierung hat die Schulen denkbar schlecht auf den Start des neuen Schuljahrs vorbereitet."

- Björn Försterling MdL



"Ab Donnerstag läuft in Niedersachsen der Countdown bis zur ersten Schulschließung, denn die Landesregierung hat die Schulen denkbar schlecht auf den Start des neuen Schuljahrs vorbereitet", äußert sich der Wolfenbütteler FDP-Landtagsangeordnete angesichts des heutigen Schulstarts und erklärt: "Minister Tonne schließt es weiterhin aus, bei steigenden Infektionszahlen den Unterricht durch Masken aufrechtzuerhalten, will aber auch nur die Heimkehrer aus Risikogebieten bis zum Vorliegen eines Tests zu Hause lassen. Nötig wäre eine 14-tägige Schulquarantäne für alle Urlaubsheimkehrer ohne negativen Test und endlich eine Teststrategie, die regelmäßige und präventive Tests für das Schulpersonal vorsieht." Der Unterricht zu Hause sei laut Försterling weiterhin keine realistische Option: "Die Bildungscloud verfügt noch immer nicht über zentral bereitgestellte Inhalte für die Kernfächer und besonders Schüler aus einkommensschwachen Haushalten verfügen weiterhin nicht über geeignete digitale Endgeräte." Försterling konstatiert, dass Minister Tonne die Schulen mit ihren Problemen alleine lasse.

"Alle müssen mitziehen und Verantwortung zeigen"



Dietmar Schilf
Dietmar Schilf Foto: André Ehlers



Die Gewerkschaft der Polizei in Hannover wünscht in einer Pressemitteilungen allen Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrenden einen guten Start ins neue Schuljahr und ruft zugleich zur Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme im Straßenverkehr auf. „Der Schulanfang in diesem Jahr ist außergewöhnlich. Es wird nicht nur voller auf den Straßen, weshalb alle, die am Verkehr teilnehmen, noch aufmerksamer und rücksichtsvoller sein müssen. Durch die Corona-Pandemie müssen zusätzlich noch die Regeln des Infektionsschutzes befolgt werden“, so der GdP-Landesvorsitzende Dietmar Schilff. „Hier müssen alle mitziehen und Verantwortung zeigen, damit die Ausbreitung des Virus wieder verlangsamt wird“.

Schilff appellierte an Auto- wie auch Radfahrende, insbesondere auch wegen der noch unerfahrenen Erstklässler, auf den Straßen besonders achtsam zu sein. „Unsere Kolleginnen und Kollegen werden rund um die Schulen wieder verstärkt präsent sein und mit Tipps und Ermahnungen dazu beitragen, den Schulweg sicher zu gestalten“, so Schilff weiter. Verkehrserziehung sei unerlässlich, um Unfälle zu vermeiden. Diese dürfe aber nicht auf das Grundschulalter beschränkt sein, sondern müsse durchgängig, schulbegleitend auch unter Einbeziehung der Eltern stattfinden.

Für Eltern gelte: „Üben Sie mit Ihrem Kind den Weg zur Schule, weisen Sie auf Gefahren hin und vermeiden Sie es, Ihr Kind mit dem Auto direkt bis vor die Schule zu fahren. Dadurch ist es schon oft zu gefährlichen Situationen gekommen. In der Regel können Kinder auch sehr gut mit Bus oder Bahn, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule gelangen“.


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