Wolfsburg. Wer, wann, was über den anderen gesagt hat, das wird jetzt offenbar im Streit zwischen der IG Metall und der Volkswagen-Konzernspitze streng beäugt – verbunden mit der Frage, ob jemand lügt oder an der Wahrheit vorbei formuliert. Der Umgangston bekommt in diesem Zwist jetzt noch etwas mehr Schärfe. So erklärt die Gewerkschaft, die ja schon traditionell mit kämpferischer Rhetorik daherkommt, mit Blick auf Aussagen von VW-Chef Oliver Blume, dieser würde "wirres Zeug in Umlauf" bringen.
Dabei ging es um ein Interview, das Blume dem Portal "The Pioneer" gegeben hatte. Passagen daraus wurden seit gestern in zahlreichen Medien wiedergegeben. Die Gewerkschaft stört sich vor allem an Aussagen Blumes, die suggerieren, dass auch die Arbeitnehmerseite angesichts des Kostendrucks in der Automobilindustrie ein Ende für die Verträge aus 2024 fordern würde. Außerdem hatte Blume moniert, dass es bei VW 36 Urlaubstage im Jahr gebe. Diese Aussagen seien falsch, betont die IG Metall in einer Pressemitteilung. Die Gewerkschaft habe demnach sogar Blume aufgefordert, diese Aussagen selbst am heutigen Freitag zu korrigieren. Dies sei nicht passiert. Daher ging die IG Metall selbst damit an die Öffentlichkeit.
Streit um Ausrichtung der Überprüfungsgespräche
Tatsächlich hat Blume im Interview gesagt: "Die Welt hat sich in den letzten zwei Jahren erheblich verändert, deshalb gibt es jetzt diese Revision. Auch die Arbeitnehmerseite hat das gefordert. Wir machen das beidseitig." Die Gewerkschaft habe aber in dem zuletzt stattgefundenen Überprüfungsgespräch zu den Tarifverträgen von 2024 prüfen wollen, ob diese tatsächlich eingehalten werden. Der Konzern stellte derweil wohl eher die Verträge infrage. Wenige Tage später folgte gar die Kündigung einer ganzen Reihe an Tarifverträgen durch VW. Für Thorsten Gröger, Bezirksleiter der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt und Verhandlungsführer für den Volkswagen-Haustarifvertrag, sei mit diesen Kündigungen klar: „Damit sucht der Vorstand ganz bewusst die Konfrontation mit den Belegschaften.“
Das Einberufen des Überprüfungsgesprächs bedeutet also nicht, dass die Gewerkschaft quasi mit dem Konzern an einem Strang in Sachen Ende für die Tarifverträge zieht. Auch die Aussage, VW-Mitarbeiter hätten pauschal 36 Urlaubstage im Jahr, sei falsch, richtig sei: Es gibt pauschal 30 solcher Tage.
Kampf um die Deutungshoheit
Mit seinen Aussagen würde Blume eine "ungeheuerliche Falschdarstellung, die fern der Realität" sei, verbreiten, heißt es seitens der IG Metall. Hier kämpfen also beide Seiten vor allem auch um die Deutungshoheit über die Wirklichkeit in den Werken und auf den Straßen. Und in diesem Kampf geht es inzwischen ziemlich rau zu. Ob der Ton schon bald in die nächsthöhere Eskalationsstufe schaltet, wird sich zeigen.

