Strom, Ticket, Versicherung teurer: So frisst 2026 unser Geld


Für viele Familien und Haushalte in der Region summieren sich kleine Preiserhöhungen zu spürbaren Lücken im Budget.

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Symbolfoto. | Foto: Pixabay

Region. Fünf Euro hier, zehn Euro dort, am Ende fehlt plötzlich ein ganzer Monatseinkauf. Strom, Versicherungen, Tickets und Gebühren werden teurer, ohne dass sich im Alltag etwas geändert hat. Für viele Haushalte in der Region fühlt sich der Jahresstart deshalb weniger nach Neuanfang an als nach Abrechnung.



Beim Strom zeigt sich das besonders deutlich. Ein typischer Vergleichshaushalt mit rund 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch zahlte 2025 im bundesweiten Durchschnitt rund 1.386 Euro im Jahr. Dieser Wert gilt als realistische Orientierung für Haushaltsstrompreise. Zum Jahresbeginn 2026 verschieben sich diese Beträge regional unterschiedlich.


Das ändert sich in der Region


In Wolfsburg weist die LSW Energie für die Grundversorgung seit dem 1. Januar 2026 einen Arbeitspreis von 29,64 Cent je Kilowattstunde aus. Hinzu kommt ein Grundpreis von 119 Euro pro Jahr, zuzüglich Messstellenbetrieb. Allein dieser feste Grundpreis liegt rund 30 Euro höher als im Vorjahr. Auf den Monat gerechnet sind das gut 2,50 Euro mehr, noch bevor Strom verbraucht wird.

Nach Angaben der BS|ENERGY weist das Unternehmen in seinen Informationen zum Jahreswechsel darauf hin, dass der Arbeitspreis in einzelnen Tarifen sinkt, gleichzeitig aber der Grundpreis um rund 30 Euro pro Jahr steigt. Für viele Haushalte führt das am Ende nicht zu einem niedrigeren Abschlag. Günstigere Kilowattstunden gleichen höhere Fixkosten nicht automatisch aus. Entscheidend ist die neue Gesamtrechnung.


Ein zentraler Treiber sind die Netzentgelte. Sie machen inzwischen rund 28 Prozent des Strompreises aus. Diese Entgelte werden bundesweit reguliert, aber regional unterschiedlich festgelegt. Zum Jahreswechsel 2026 wurden sie neu berechnet, in manchen Netzgebieten höher, in anderen niedriger. Zusätzlich soll ein Bundeszuschuss für Übertragungsnetze entlasten. Ob und wie stark diese Entlastung bei den Haushalten tatsächlich ankommt, zeigt sich erst mit der Abrechnung. Viele merken es erst dann, wenn der Abschlag angepasst wird, obwohl sich am eigenen Verbrauch nichts geändert hat.

Versicherungen: Kosten, die zeitversetzt ankommen


Auch bei Versicherungen markiert der Jahreswechsel einen Einschnitt. Versicherer weisen in aktuellen Informationen darauf hin, dass Schadenkosten deutlich gestiegen sind. Ersatzteile, Sensorik, Lackierarbeiten und Werkstattstunden kosten heute erheblich mehr als noch vor wenigen Jahren. Diese Entwicklung schlägt sich nun in den Beiträgen nieder.


Bei der Kfz-Versicherung bedeutet das für viele spürbare Anpassungen. Wer 2025 für eine Vollkaskopolice etwa 600 Euro im Jahr gezahlt hat, muss 2026 je nach Fahrzeug, Typklasse, Regionalklasse und Schadenverlauf mit deutlich höheren Beiträgen rechnen. Versicherer betonen, dass diese Erhöhungen weniger mit individuellem Fahrverhalten zu tun haben, sondern mit den gestiegenen Reparaturkosten insgesamt.

Auch Wohngebäudeversicherungen werden angepasst. Versicherer verweisen darauf, dass Baupreise und Löhne im Baugewerbe weiter gestiegen sind und sich über sogenannte Anpassungsfaktoren direkt auf die Beiträge auswirken. Ziel ist es, eine Unterversicherung zu vermeiden. Für Eigentümerinnen und Eigentümer bedeutet das höhere Kosten, die über Nebenkostenabrechnungen auch Mieterinnen und Mieter treffen können.

Mobilität: Mehrkosten auf dem täglichen Weg


Für viele Menschen in der Region ist Mobilität längst nicht mehr ans Auto gebunden. Das Deutschlandticket hat sich etabliert. Seit dem 1. Januar 2026 kostet es 63 Euro im Monat, fünf Euro mehr als im Vorjahr. In veröffentlichten Informationen zur Preisentwicklung wird auf die langfristige Finanzierung des Angebots verwiesen. Für die Nutzerinnen und Nutzer bleibt vor allem die Rechnung. 60 Euro mehr im Jahr pro Person, bei zwei Tickets im Haushalt 120 Euro zusätzlich.

Auch der regionale Nahverkehr ist betroffen. Der Verkehrsverbund Region Braunschweig hat seine Tarife zum Jahresbeginn angepasst. In einer Mitteilung heißt es, die Erhöhung sei notwendig wegen gestiegener Kosten für Personal, Energie und Betrieb. Für Fahrgäste bedeutet das im Stadttarif häufig bis zu 20 Cent mehr pro Einzelfahrschein. Eine einzelne Fahrt fällt kaum ins Gewicht, regelmäßige Nutzung dagegen schon.

Gebühren: Fixkosten ohne Ausweichmöglichkeit


Während Stromtarife überprüft und Versicherungen gewechselt werden können, bleiben kommunale Gebühren unverrückbar. Städte und Kommunen verweisen zum Jahresbeginn auf gestiegene Energie- und Personalkosten sowie notwendige Investitionen in Infrastruktur.

Für einen typischen Haushalt in Braunschweig bedeuten die 2026 um 2,5 Prozent erhöhten Gebühren für Rest- und Bioabfall im Vergleich zum Vorjahr rund fünf bis sechs Euro mehr im Jahr.

In Wolfsburg liegt die Abwassergebühr bei 3,12 Euro pro Kubikmeter. Bei einem beispielhaften Jahresverbrauch von 120 Kubikmetern summiert sich das auf rund 375 Euro im Jahr. Diese Kosten laufen kontinuierlich mit und tauchen über Nebenkostenabrechnungen auf, ohne dass Haushalte Einfluss darauf haben.

Der Alltag dazwischen


Hinzu kommen die vielen kleinen Anpassungen, die nicht auf einem offiziellen Bescheid stehen. Der Friseurbesuch kostet mehr, Lieferdienste erheben höhere Gebühren, Handwerksleistungen werden teurer. Streamingdienste und digitale Abos verändern ihre Preisstruktur oder lassen Rabattphasen auslaufen. Anbieter verweisen dabei regelmäßig auf gestiegene Produktions- und Betriebskosten. Für Haushalte summieren sich diese Beträge Monat für Monat.

Das Besondere an diesem Jahresstart ist nicht der eine große Preissprung. Es ist die Gleichzeitigkeit. Neue Stromabschläge, erste Versicherungsabbuchungen, höhere Ticketpreise, angepasste Gebühren. Alles wird im Januar sichtbar. Was sich über Monate aufgebaut hat, landet gleichzeitig auf dem Konto.

Besonders belastet sind Haushalte mit wenig Spielraum. Rentner, Alleinerziehende, Familien mit mehreren Verträgen. Wenn Strom fünf Euro mehr kostet, das Ticket fünf, die Versicherung zehn und weitere Posten ebenfalls steigen, fehlen am Monatsende schnell 50 oder 80 Euro. Nicht einmalig, sondern dauerhaft.