Studie: Arbeitsmarkt leidet unter "dreifacher Migrationswende"

Deutschland hat nach einer neuen Studie mit einer "dreifachen Migrationswende" zu kämpfen, die das für die Zukunft wichtige Arbeitskräfte- und Fachkräftepotenzial stark verringert. Laut der Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), über welche die "Rheinische Post" (Dienstagsausgabe) berichtet, ist die Netto-Zuwanderung - der Saldo zwischen Zu- und Abwanderung - im vergangenen Jahr gegenüber den Vorjahren um deutlich mehr als die Hälfte auf 235.000 Personen gesunken.

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Bundesagentur für Arbeit (Archiv) | Foto: via dts Nachrichtenagentur

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Köln. Deutschland hat nach einer neuen Studie mit einer "dreifachen Migrationswende" zu kämpfen, die das für die Zukunft wichtige Arbeitskräfte- und Fachkräftepotenzial stark verringert.


Laut der Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), über welche die "Rheinische Post" (Dienstagsausgabe) berichtet, ist die Netto-Zuwanderung - der Saldo zwischen Zu- und Abwanderung - im vergangenen Jahr gegenüber den Vorjahren um deutlich mehr als die Hälfte auf 235.000 Personen gesunken. Das Institut beruft sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamts und eigene Berechnungen. Demnach betrug der Wanderungssaldo 235.000 Personen im Jahr 2025. "Mit einer Ausnahme während der Hochphase der Coronapandemie war das Niveau seit dem Jahr 2010 nicht mehr so niedrig", schreibt IW-Autor Wido Geis-Thöne. Im Jahr 2023 lag die Nettozuwanderung noch bei 663.000 Personen.

Das Institut nennt für den Rückgang drei Gründe und bezeichnet alle drei als Migrationswenden. Zum einen sei die Zahl der Erstanträge von Asylbewerbern 2025 auf 113.000 gesunken - 2023 seien es noch 329.000 gewesen. Zweitens gebe es eine deutliche Rückwanderung von Menschen aus den neuen EU-Ländern in ihre Heimatländer. Die EU-Zuwanderer hätten 2023 bereits fünf Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Stellen in Deutschland ausgefüllt, so das IW.

"Inzwischen ist jedoch eine starke Rückwanderungsbewegung zu verzeichnen. Im Jahr 2025 haben 45.000 mehr Staatsangehörige der neuen EU-Mitgliedsländer das Land verlassen als zugezogen sind und im Vorjahr waren es auch bereits 35.000. Hingegen war im Jahr 2023 noch eine Nettozuwanderung von rund 42.000 Personen zu verzeichnen", schreibt Geis-Thöne. Drittens hätten in den vergangenen drei Jahren mehr Inländer Deutschland den Rücken gekehrt. "Der deutliche Anstieg von 74.000 auf 97.000 Personen zwischen den Jahren 2023 und 2025 kann ein Hinweis auf eine ungünstige Entwicklung sein", so die Studie.

Sollte es weiterhin zu einer stärkeren Abwanderung hoch qualifizierter Fachkräfte kommen, "könnte dies nicht nur unmittelbar die bestehenden Engpässe am Arbeitsmarkt verstärken, sondern auch die Innovationskraft der Wirtschaft und ihre längerfristigen Entwicklungspotenziale einschränken", warnt der IW-Forscher. "Daher sollte die Attraktivität Deutschlands als Wohn- und Arbeitsort für Fachkräfte weiter gestärkt oder zumindest erhalten werden. Dazu zählt insbesondere auch eine Begrenzung der Belastung durch Steuern und Abgaben."

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