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Stühle für Grundschulkinder in Oberschlesien



Goslar

Stühle für Grundschulkinder in Oberschlesien


Polnische Kinder singen die Europahymne auf Deutsch. Fotos: CDU Stadtverband Seesen
Polnische Kinder singen die Europahymne auf Deutsch. Fotos: CDU Stadtverband Seesen Foto: Rudolf Götz

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Goslar. Seit Jahren schon werden ausgemusterte Schulmöbel mit Hilfe der Stadt Seesen, des Landkreises Goslar und einer Organisation in Hameln gesammelt, um sie dann mit Unterstützung der Firma Andreas Blyss (Seesen) nach Oppeln zu bringen. Rudolf Götz (CDU) berichtet über die Aktion und die Herausforderungen vor Ort:



Empfänger der Spende ist der Verein Pro Liberis Silesiae in Opole, dem früheren Oppeln in Oberschlesien. Der Verein unterhält drei Grundschulen in Goslawitz, Raschau und Oppeln-Malina. Das pädagogische Konzept ist nach Maria Montessori ausgerichtet. Bei diesen Grundschulen handelt es sich um Bi-Linguale-Schulen, in denen in allen Fächern gleichberechtigt deutsch und polnisch als Unterrichtssprache vermittelt wird. Das bedeutet also, dass es nicht nur ein Fach „Deutsch“ gibt, sondern dass beispielsweisein Musik, Mathe und Sport durchgehend deutsch gesprochen wird. Die Lehrer können selbst entscheiden, welche Sprache sie für ihre Fächer wählen. In jeder Schulklasse dort sind nur 15 bis 17 Kinder, anders als im restlichenPolen, wo die Klassen üblicherweise aus 20 bis 25 Kinderbesteht.

Unruhe im Schulbetrieb


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Fast neue Schulmöbel vom Nordharz. Foto: Rudolf Götz




Es gibt einige Bi-Linguale Schulen im Oppelner Land. Dieser Anspruch wird aus den Europäischen Minderheitsrechten abgeleitet. Danach haben Minderheiten das Recht, in ihrer angestammten Sprache unterrichtet zu werden. In Deutschland ist es vergleichbar mit den Rechten der Sorben und der Dänischen Minderheit in Schleswig Holstein. Neuerdings wird es atmosphärisch schwieriger. Durch die jetzige polnische Regierung und der konservativen Mehrheitspartei (PiS) werden entsprechende bürokratische Hemmnisse zur Geduldsprobe.

Seit etwa 1,5 Jahren herrschte im polnischen Schulbetrieb eine große Unruhe. Bisher wurden die 1. bis 6. Klasse in Grundschulen betreut. Aber der informelle Staatslenker Jarosław Aleksander Kaczyński, Vorsitzender der PiS-Partei, hatte für sich beschlossen, dass, wie in seiner Kindheit, nun auch alle Schüler in Polen wieder von Klasse 1 bis 8 zur Grundschule gehen müssen. Dies bedeutete, dass ab dem 1. September 2017 in allen Schulen 8 Jahrgänge statt 6 Jahrgänge untergebracht werden müssen. Gerade bei der Deutschen Minderheit war die Not groß. Man hatte
vor einer Schließung der Schulen große Ängste, gerade weil es zunächst nicht genügend Klassenräume für zwei Schuljahre mehr gab.

Deutschland hilft


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Erweiterung des Schulgebäudes durch Mittel der Bundesregierung. Foto: Rudolf Götz



Der Mangel in Raschau an Klassenräumen war so groß, dass innerhalb kürzester Zeit eine Aufstockung umgesetzt werden musste. Hier war aber das Innenministerium und das Außenministerium in Berlin eine große Hilfe. Der damalige Beauftragte der Bundesregierung, Hartmut Koschyk, konnte mit einer Unterstützung durch die Bundesregierung in Höhe von 305.000 Euro helfen. Monatelang glühten die Drähte zwischen Berlin, Warschau und Oppeln bis alles geregelt wurde. Alles ging gut und von Juni bis Dezember 2017 wurde durch eine oberschlesische Baufirma ein kleines Wunder vollbracht. Die bisherige zweigeschossige Schule wurde um ein weiteres Geschoss aufgestockt. Darin befinden sich nun 4 Unterrichtsräume und ein großer Pausenraum. Gleichzeitig konnten bisher auch noch zwei privat genutzte Wohnungen für die Lehrer hergerichtet werden. Auch sie haben nun Verwaltungsräume und Lehrerzimmer. Übrigens bestand die Bundesrepublik darauf, dass alle Schulen des Vereins in ihr Eigentum übergehen. Eine folgerichtige Bedingung, wenn man weiß, wie viele Mittel bisher aus Deutschland zugeflossen sind.
Die gesamten Toilettenanlagen entsprechen nun in den neuen Räumen höchsten Ansprüchen.

Zurzeit helfen auch vier junge Erzieher von Berufsbildenden Schulen in Braunschweig und Wolfsburg aus. Sie absolvieren ihr Praktikum und sind eine sehr große Hilfe bei der Vermittlung der muttersprachlichen Anwendung in Deutsch. Feststellbar war auch, dass die Schülerinnen und Schüler im Sprachgebrauch eine sehr hohe Entwicklungsstufe erreicht haben.

Rudolf Götz in Raschau


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Rudolf Götz (CDU) Foto:



Für den 12. Januar 2018 war der große Tag für die Schule in Raschau. Das fast neue und erweiterte Gebäude wurde im Rahmen einer Eröffnungsfeier übergeben. Freundlicherweise wurde hierzu auch der Seesener Rudolf Götz eingeladen, stellvertretend für alle, die bei der Möbel-Spenden-Aktion mitgeholfen haben. Deshalb noch einmal sehr großen Dank an die Vertreter der Stadt Seesen, (insbesondere der Bauhof), Erster Kreisrätin Frau Regine Körner (Landkreis Goslar), Herrn Alfred Döring (Hameln), Unternehmer Andreas Blyss (Seesen). Erwähnenswert sei auch noch, dass die Grundschule Rhüden viele Kartons an Schulbüchern und Unterrichtsmaterial beisteuern konnte.

Immer wieder wurde versichert, welch große Hilfe geleistet werden konnte. Ersparte man sich doch für einen Großteil aller Klassen in den drei Schulen den Ankauf von nicht ganz billigem Mobiliar. Die Stühle und Tische wurden überarbeitet und farblich umgestaltet. Niemand merkt noch, dass sie schon eine Nutzungsdauer von bis zu 20 Jahren hinter sich hatten. Gerade die Stühle haben eine sehr hohe Qualität und somit einen hohen Gebrauchswert.

Bei der Eröffnungsfeier wurden durch die Schulleiterin Frau Dr. Margarethe Wysdak viele Vertreter des öffentlichen Lebens begrüßt. Die Kinder wirkten durch viele Beiträge mit. Der disziplinierte und durchorganisierte Ablauf erinnerte an die Schulfeste der 60er Jahre. Gerade die Teilnehmer aus Deutschland waren dadurch sehr positiv gestimmt und erinnerten sich an ihre eigene Schulzeit.

Rührende Szenen


Sehr anrührend war die Abschlußszene. Die Europahymne wurde von den Kindern in schwarz-, rot- und goldfarbenen Kostümen auf Deutsch gesungen. Ein wunderschöner Ausklang. Ohne die Einheit Europas mit den festgeschriebenen Rechten der Minderheiten, gerade im östlichen Europa, wäre dies alles nicht möglich. Durch die Bi-Lingualen Schulen, auch in anderen Bereichen Polens und hier hauptsächlich Oberschlesiens, wird ein sehr großer Beitrag zur Völkerverständigung geleistet. Auch das kulturelle Erbe der Deutschen in Schlesien kann so ein Stück weit bewahrt werden.

Bei einem anschließenden Austausch der Gäste wurde Rudolf Götz durch die zuständige Konsulin in der Deutschen Vertretung Oppeln, Frau Sabine Haake versichert, dass eine Unterstützung von Pro Liberis Silesiae eine sehr gute Sache sei. Die Hilfe aus Südniedersachsen ist sehr wichtig und sollte auf jeden Fall fortgesetzt werden.


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