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Surfen auf der Oker? Das wird wohl nichts…



Surfen auf der Oker? Das wird wohl nichts…

von Thorsten Raedlein





Wolfenbüttel. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird – oder nichts wird so schnell beschlossen, wie es in der Öffentlichkeit diskutiert wird. So kann man wohl die Diskussion um das Fluss-Surfen auf der Oker zusammenfassen. Der Sportausschuss hat die Beratung zum Thema in seiner Sitzung am Mittwoch erst einmal zurück in die Fraktionen gegeben – gegen die Stimmen der Grünen und der FDP. 

Nachdem die Idee von Timo Weber, am Juliuswehr auf perfekten Wellen zu reiten, zunächst in nicht-öffentlicher Sitzung beim Sport-Ausschuss diskutiert wurde, drangen die Informationen nach außen und wurden in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Von dieser Eigendynamik zeigte sich Bürgermeister Thomas Pink überrascht. "Es geht zunächst einmal darum, sich mit der Idee eines jungen Bürgers zu beschäftigen", sagt er. Ob diese dann umgesetzt werden kann hänge von zahlreichen Faktoren ab. Und die Entscheidung, ob etwas umgesetzt werde, treffe die Politik im Rat und nicht in der Presse. Dazu passten auch die Wortmeldungen in der Einwohnerfragestunde, die sich allesamt um das Thema drehten.



Mit der Information über den mittlerweile durchgeführten Machbarkeitstest (WolfenbüttelHeute.de berichtete) wurde die Diskussion nun auf den Boden der Tatsachen zurück geholt.  Matthias Tramp, Leiter der Abwasserentsorgung Wolfenbüttel (ABW), lieferte interessante Erkenntnisse. Die ABW sei für die fünf Wolfenbütteler Wehre zuständig. Die für das Surfen benötigte Flussgeschwindigkeit könne nur erreicht werden, wenn die Oker gestaut werde. Am Wehr an der Marktstraße kann eine Wassertiefe von 30 Zentimetern (die wird ebenfalls benötigt) für  zweieinhalb Stunden geboten werden. Acht Stunden wurde jedoch zuvor gestaut. Der Testlauf sorgte jedoch ebenso für einen Pegelrückgang von 45 Zentimetern am Juliuswehr, von 32 Zentimetern in Linden und Halchter sowie einen Anstieg des Pegels von 52 Zentimetern an der Kläranlage. Erst nach 12,5 Stunden waren die Stände wieder im Normalbereich. Tramp wies auch auf verschiedene Gefahrenstellen im Bereich der Wehre hin. Technisch nicht geeignet seien in seinen Augen das Auguststädter Wehr sowie die Hauptschleuse. Ob das Ablassen mit anderen etablierten Nutzungen wie Wasserwandern oder dem Angebot des Okerpiraten vereinbar sei, sei zweifelhaft.

Ausschuss-Vorsitzender Bernd Clodius zeigte sich von den Veränderungen des Pegelstandes überrascht. Auch sieht er hohe Folgekosten auf die Stadt zukommen, würde die Idee umgesetzt. FDP-Ratsherr Rudolf Ordon stellt nach dem Bericht den Antrag, sich nicht weiter mit dem Vorhaben zu beschäftigen. "Das macht keinen Sinn", sagte er. Gegen das Projekt sprach sich auch Stefan Brix (Grüne) aus.  Auch Manfred Ammon hatte noch etliche Fragezeichen vor Augen. "Das Gesamtpaket ist umfangreicher als erwartet". Er sprach sich wie Clodius für eine weitere Beratung aus. Mehrheitlich wurde Ordons Antrag abgelehnt. Die Umsetzung der Idee erscheint trotzdem mehr als fraglich…


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