Sie sind hier: Region >

Unterkunft nicht gratis: Das zahlen Obdachlose im Braunschweiger Land



Unterkunft nicht gratis: Das zahlen Obdachlose in der Region

Wer eine Obdachlosenunterkunft in Anspruch nimmt, tut das nicht kostenlos. Die Gebühren sind dabei je nach Stadt sehr unterschiedlich.

von Niklas Eppert


Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Pixabay

Region. In jeder Stadt der Region gibt es Obdachlose, mal mehr, mal weniger. Eine wichtige Anlaufstelle für sie sind die kommunalen Obdachlosenheime. In ihnen finden Menschen, die auf der Straße leben müssen, eine Bleibe. Was oft nicht bekannt ist: In den Notunterkünften werden im Regelfall Gebühren erhoben, die helfen sollen, die laufenden Kosten zu bewältigen. regionalHeute.de hat in die Satzungen für Obdachlosenheime in den Kreisstädten der Region geschaut und herausgefunden, wie viel Miete die Untergebrachten zahlen müssen.



Lesen Sie auch: Weniger Obdachlose in Braunschweig: "Zahlen mit Vorsicht zu genießen!"


Wer auf der Straße lebt, muss oft nicht auf ein Dach für die Nacht verzichten. Fast alle Kreis- und freien Städte der Region unterhalten kommunale Unterkünfte, in denen Obdachlose niedrigschwellig unterkommen. Die werden zum größten Teil von den Kommunen bezahlt, dennoch müssen diejenigen, die ein Bett für die Nacht suchen, Gebühren für die Nutzung zahlen. Auch, wenn die oft im unteren einstelligen Eurobereich liegen, variieren sie in der Region teils deutlich.



Kein Obdachlosenheim gratis


Dabei ist kein Obdachlosenheim in der Region kostenlos zu nutzen. Die Preisspanne bewegt sich von einem monatlichen Höchstsatz von 17 Euro je Quadratmeter im betreuten Wohnen bis hin zu einem Euro je Quadratmeter in Helmstedt. Aber auch in den Städten selbst sind die Preise je nach Einrichtung unterschiedlich. In Braunschweig kommen Wohnungslose auch für 9 Euro pro Quadratmeter unter. Die Stadt Goslar betreibt erst gar kein derartiges Heim mehr und setzt stattdessen auf Prävention und Beratung. Mit großem Erfolg, wie die Kaiserstadt behauptet. Alle anderen Kreis- und freien Städte im Braunschweiger Land betreiben aber ein Wohnheim.


Die Auslastung ist dabei zumindest in den größeren Städten hoch. Die Stadt Braunschweig gibt auf Nachfrage von regionalHeute.de an, dass aktuell 74 Prozent aller Plätze vergeben seien, in Salzgitter seien durch den Zuzug ukrainischer Vertriebener sogar alle 450 Plätze bei Preisen zwischen 98 und 126 Euro pro Person belegt. Nur eine Kapazitätsreserve werde noch vorgehalten. Diese Kosten, so ein Stadtsprecher, übernähmen im Regelfall das Jobcenter oder der Fachdienst Soziales und Senioren. Allein gelassen würden die Hilfsbedürftigen also nicht.

Obdachlosenheime arbeiten nicht kostendeckend



Symbolfoto.
Symbolfoto. Foto: Pixabay


Die Gebühren, die die Kommunen dabei erheben, seien dabei bei weitem nicht kostendeckend. So nimmt die Stadt Braunschweig etwa 640.000 Euro mit den Heimen ein, zahlt aber bei Kosten von knapp 1,2 Millionen Euro noch einmal die gleiche Summe obendrauf. Größter Kostenpunkt ist hier das Personal mit durchschnittlich etwa 750.000 Euro in den letzten drei Jahren. Die Obdachlosen werden dabei nicht sich selbst überlassen. So betreibt Braunschweig ein Projekt mit betreutem Wohnen, während die Stadt Salzgitter die Bewohner dabei unterstützt, schnellstmöglich eine eigene Wohnung zu finden.

Lesen Sie auch: Winter und Corona: Diese Möglichkeiten haben Obdachlose in der Region


Letztlich seien die Unterkünfte nur als Notlösung gedacht, die möglichst schnell wieder geräumt werden müssten. Dabei sei das Angebot nicht nur für klassische Obdachlose gedacht, sondern auch für Menschen, die kurzfristig ihre Wohnung verloren hätten, etwa durch ein Feuer. So unterhält die Stadt Helmstedt etwa eine Brandwohnung, die bei 42 Quadratmetern 2,50 Euro pro Quadratmeter pro Monat koste. Die "Monatsmiete" liege also bei 105 Euro. Derlei Wohnungen seien allerdings nicht dafür gedacht, Menschen monatelang unterzubringen. Ziel sei es immer, dass in Not geratene Obdach finden, um dann wieder selbst eine Wohnung zu finden. Die Miete, so formuliert es die Stadt Salzgitter, sei also auch ein Training, um die Menschen an regelmäßige Zahlungen und damit das Regeln des eigenen Lebens zu gewöhnen.

So viel kosten die Unterkünfte wirklich:


Braunschweig:
- "Niedrigschwellig Betreutes Wohnen“ monatlich 17,00 Euro pro m²

- Gemeinschaftsunterkunft „An der Horst 1-7“ 10,00 Euro pro Person/ Tag

- dezentrale Unterbringung 9,00 Euro pro Person/ Tag, ausgenommen Kinder

Helmstedt:
- Obdachlosenunterkunft: 1 Euro pro m²

- Brandwohnung: 2,50 Euro pro Quadratmeter

Salzgitter:
- Je nach Unterkunft zwischen 98 und 126 Euro im Monat

Wolfenbüttel:
- 8,32 Euro pro m² inklusive aller Kosten

Wolfsburg:
- Borsigstraße 19 bis 29: 6 Euro pro m²

- Borsigstraße 13 und 15 beträgt 4 Euro pro m²

- Übernachtungsheim: 2 Euro pro Nacht

- Übergangswohnungen für Notfälle: 4 Euro pro m² zzgl. Nebenkosten


zum Newsfeed