Wolfenbüttel

Vortrag: „Schlimm ist es zu sehen, wie Geschichte entsteht“


Symbolfoto: Archiv
Symbolfoto: Archiv Foto: Max Förster

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18.02.2016


Wolfenbüttel. Katharina Raabe stellt am Dienstag, 23. Februar um 19.30 Uhr in der Augusteerhalle der Bibliotheca Augusta literarische Stimmen aus der neuen Ukraine vor. Die Tochter des Literaturwissenschaftlers und Bibliothekars Paul Raabe ist Lektorin für osteuropäische Literaturen im Suhrkamp Verlag und auf Einladung des Vereins Freie Ukraine e.V. in der Wolfenbütteler Bibliothek.

Während das Interesse an den Literaturen Osteuropas nach der Wende 1989 sprunghaft anstieg und viele bedeutende Autoren im deutschsprachigen Raum in Übersetzungen bekannt wurden, blieb die Ukraine eine terra incognita – ein nicht nur unbekanntes, sondern auch literarisch stummes Land. Erst Juri Andruchowytschs Essayband „Das letzte Territorium“ (2002) vermittelte eine Ahnung von der Lebendigkeit und Vielstimmigkeit der kulturellen Szene zwischen Lemberg, Kiew und Charkiw. Dank exzellenter Übersetzer sind heute einige der besten ukrainischen Autorinnen und Autoren auf Deutsch zugänglich. Für die Wahrnehmung der Bürgerproteste auf dem Maidan, der Eskalation und seiner Folgen kann man die Rolle der Künstler und Schriftsteller gar nicht überschätzen. Eine zentrale Rolle spielt der im ostukrainischen Starobilsk geborene Serhij Zhadan. Als Dichter, Frontmann der Band „Hunde im Kosmos“ und als enorm populärer Schriftsteller führt er im ganzen Land ein Dauergespräch mit seinen Lesern und Zuhörern über Krieg und Frieden, Ost und West, Erinnerung und Identität, Vergangenheit und Zukunft. Sein Roman „Mesopotamien“ (2014; dt. 2015) ist seiner Heimatstadt Charkiw gewidmet, einem modernen Babylon im Zweistromland, zwischen zwei Flüssen, zwischen Sprachen, Kulturen und Nationen.

Ausgehend vom Werk Serhij Zhadans wird Katharina Raabe versuchen, die Themen und poetischen Fragen, die heute in der Ukraine diskutiert werden, in einen größeren Kontext zu stellen: den der Osterweiterung unseres Bewusstseins durch die Literatur.

Der Eintritt ist frei.


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