2. Teil - Nach dem Abi die Welt entdecken

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Nadin Schumann und Frederike werden nach ihrem Abitur ein Jahr im Ausland verbringen. Im Gespräch mit regionalHeute.de erzählen sie, wo es sie hin treibt. Fotos: Anke Donner
Nadin Schumann und Frederike werden nach ihrem Abitur ein Jahr im Ausland verbringen. Im Gespräch mit regionalHeute.de erzählen sie, wo es sie hin treibt. Fotos: Anke Donner | Foto: Anke Donner



Wolfenbüttel. Wie viele junge Menschen wollen auch Nadin Schumann aus Dorstadt und Frederike Weigelt aus Wolfenbüttel nach dem Abitur erst einmal die Welt entdecken. Die jungen Frauen haben sich jedoch für ganz unterschiedliche Wege entschieden. In zwei Teilen erzählen sie, warum sie sich für ein Jahr im Ausland entschieden haben.

Für die Freundinnen wird sich in wenigen Tagen der gemeinsame Weg trennen. Vorerst – denn für ein Jahr gehen sie getrennte Wege. Frederike geht für ein Jahr nach Australien (regionalHeute.de berichtete). Die 18-jährige Nadin Schumann wird für ein Jahr als AuPair in das Vereinigte Königreich gehen. Für Nadin und Frederike stand schon recht früh fest, dass sie nach dem Abi erst einmal weg wollen. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, sagen sie. Bevor sie Alltagstrott, Studium, Beruf und Familie in Deutschland einholen, wollen sie die Welt sehen. Andere Menschen und Kulturen kennenlernen und Erfahrungen sammeln. „Wir wollen einfach so viele Erfahrungen wie möglich sammeln und so wenig wie möglich bereuen. Wir wollen nicht in einigen Jahren da stehen und sagen ‚ach hätten wir doch‘. Wir möchten die Chance, die sich uns jetzt bietet, einfach nutzen“, sagen die jungen Frauen, die nach ihrem Auslands-Jahr Sonder-Pädagogik und Psychologie studieren wollen. Acht Jahre Studium liegen dann vor ihnen. Lernen, so sagen sie, müssen sie dann noch genug. Derzeit sei nach den Abi-Prüfungen erst einmal der Bedarf danach gedeckt. Die Köpfe sind voll. Deshalb heißt es jetzt: Nach dem Abi die Welt entdecken.

„Wir wollen so wenig wie möglich bereuen“


Über eine Agentur haben sie ihre Gastfamilien gefunden, in denen sie als AuPairs arbeiten und leben werden. Oder haben die Gastfamilien sie gefunden? Das Prinzip funktioniert in etwa wie bei einer Partnerbörse. Nadin und Frederike haben ihre Bewerbung mit ihren „Wünschen“ und Interessen angegeben und wo sie gerne hin möchten. Zudem wurden Videos gedreht und Briefe geschrieben, in denen sie erklärten, warum sich die Gastfamilie gerade für sie entscheiden sollten. Dann wurden passende Gastfamilien gesucht und beide Parteien wurden aufeinander abgestimmt, bis es passt. Für die beiden jungen Frauen stand fest, dass sie nur über eine Agentur den Schritt wagen. „Das ist sicherer und seriöser und man hat immer einen Ansprechpartner, wenn mal irgendwas ist“, erklärt Frederike Weigelt. Die Frage, ob sie gemeinsam irgendwo ihr Auslandsjahr machen, hat sich für die Freundinnen nie gestellt, sagen sie. „Eigentlich war jedem von uns klar, wohin es den Anderen zieht und dass wir unterschiedliche Vorstellungen von unseren Auslandsjahren haben“, sagen erklären Nadin und Frederike.

Nadin Schumann, 18 Jahre alt aus Dorstadt. Ihr Abitur hat sie in diesem Jahr am Theodor-Heuss-Gymnasium gemacht.

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Nadin Schumann geht für ein Jahr nach England. Foto: Anke Donner


Schon immer England


Schon mit 13 Jahren wusste Nadin - wenn Ausland, dann England. Das hat sie immer wieder gesagt. Umso schöner, dass es nun auch so klappt. Ein Jahr wird sie bei einer Familie in Kent bei London als AuPair arbeiten und die Kinder der Familie betreuen. Das Land und die Menschen interessieren sie einfach. "Die Menschen dort sind so freundlich und zuvorkommend", schwärmt sie. Das hat sie vor einigen Wochen schon erfahren dürfen, als sie auf Einladung ihrer Gasteltern in England war. Zum finalen Bewerbungsgespräch ging es mit dem Flugzeug nach Kent. "Nachdem ich mich beworben hatte, kam die Einladung zu einem persönlichen Kennenlernen. Das war super. So konnten wir uns schon vor meinem Aufenthalt sehen und miteinander sprechen und ich habe auch die Kinder kennengelernt. Und nach dem Kennenlernen war uns allen klar, dass ich zu genau dieser Familie gehen werde", erzählt die 18-Jährige. Ihren Eltern fällt der Abschied von der Tochter nicht leicht. "Sie tun sich sehr schwer damit, dass ich für ein Jahr weg bin. Aber sie unterstützen mich natürlich auch und wollen, dass ich diese Möglichkeit wahrnehme. Mein Vater hat nur etwas Angst davor, wenn ich auf der anderen Straßenseite Auto fahren muss. Ehrlich gesagt, bin ich darauf auch sehr gespannt", lacht Nadin.

Bilinguale Erziehung


Der Gast-Vater ist Deutscher, lebt aber schon viele Jahre in England. Die Kinder, viereinhalb Jahre und zwei Monate alt, sollen zweisprachig erzogen werden. "Das finde ich gut. So kann ich in meiner Muttersprache und Englisch sprechen. Die Familie legt viel Wert darauf, das im Haushalt beide Sprachen gesprochen werden. Ich stelle mir das auch sehr interessant vor", erzählt Nadin. "Ich wollte gerne in eine Familie, wo kleine Kinder sind. Ich finde, das Alter, in dem sie beiden Kinder sind, ist sehr spannend und schön. Man könnte sagen, dass das mein Lieblingsalter ist", sagt sie. Ihre Aufgabe wird darin bestehen, die Kinder zu versorgen. Nicht leicht, wenn man bedenkt, wie klein die Kinder noch sind. Nadin wird etwa 80 Pfund, rund 95 Euro, die Woche verdienen. Das ist der in England übliche Tarif für AuPairs. Die erste Zeit wird die Gastmutter noch Zuhause sein. Das macht die Eingewöhnungsphase leichter. Die Entwöhnung von der Familie und besonders von den Kindern, stellt sich Nadin nicht ganz so einfach vor. "Sicher wird es schwer sein, sich nach einem Jahr zu trennen. Man gewöhnt sich ja aneinander und baut eine Beziehung ein. Ich kann mir vorstellen, dass der Abschied in einem Jahr dann schwer wird", gibt sie zu.

Kein Urlaub


Auch wenn sich die Arbeit als AuPair eher nach einem Urlaub anhört, so ist sich Nadin der Verantwortung sehr bewusst. Sie muss die noch sehr kleinen Kinder betreuen und ist für sie verantwortlich. Ein Fulltime-Job, das weiß sie sehr wohl, versichert sie. Die Wochenenden und ihre Freizeit möchte Nadin mit kleineren Reisen verbringen. Land und Leute kennenlernen. "Das ist doch das Tolle an dieser Arbeit. Man lernt neue Menschen und Kulturen kennen. Es ist spannend, aus der gewohnten Umgebung auszureißen. Mir ist klar, dass das kein Urlaub ist, sondern irgendwie wie eine Reise in ein anderes Leben. Ein Lebensabschnitt, der mich prägen wird und aus dem ich tolle Erfahrungen mitnehmen kann", sagt sie selbstbewusst.

Mit dem Auto auf die Insel


Am 15. August geht es auch für Nadin los. Mit dem Auto, sofern sie bis dahin eines hat, will sie nach England fahren. "Das muss sein. Ich dürfte als Deutsche nämlich dort kein Auto fahren, das nicht auf mich zugelassen ist. Meine Gastfamilie könnte mir also kein Auto stellen. Also muss ich selber fahren und mein Auto mitnehmen. Das müssen wir bis dahin allerdings noch kaufen", lacht die junge Frau. Ob sie dann alleine fährt, oder von ihrem Freund begleitet wird, steht noch nicht fest. Das Thema Beziehung ist ohnehin ein sensibles. "Es ist nicht leicht, meinen Freund hier zurückzulassen und ich habe lange überlegt, wie eine Fernbeziehung laufen wird. Aber letztendlich will ich diese Möglichkeit einfach wahrnehmen. Wir haben schon ausgemacht, dass er mich besuchen wird. England ist ja nicht so weit weg. Und wenn er mich bei meiner Anreise begleitet, darf er auch einige Zeit mit in England bleiben. Das ist bereits mit meiner Gastfamilie abgesprochen", sagt die abschließend.


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