Wolfenbüttel. Bei der Veranstaltung „Asse 2 - Flutung durch die Hintertür?!“ im vollbesetzten Rathaussaal diskutierten am Dienstagabend die Referenten Dr. Ralf Krupp, Dr.-Ing. Frank Hoffmann und Heike Wiegel mit dem Publikum kritische Anfragen an die Verfüll-Maßnahmen.
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) plant, dort ab Januar 2017 weitere Bereiche vor den Atommüll-Einlagerungskammern mit Sorelbeton zu verfüllen. Es begründet das damit, dadurch das Bergwerk zu stabilisieren und Notfallvorsorge zu betreiben. Jedoch treten auf der sogenannten „2. südlichen Richtstrecke nach Westen“ der 750m-Sohle, schon jetzt radioaktive Laugen auf. Gegenwärtig können diese Laugen gefunden, aufgenommen und abtransportiert werden. Das würde bei einer Verfüllung erschwert werden.
Die Anfragen bezüglich der BfS-Pläne waren deutlich: Wie nachhaltig ist das BfS-Konzept, Lauge an einigen Stellen auf der 750m-Sohle fassen und über Rohre auf die 700m-Sohle hochpumpen zu wollen? Was passiert, wenn die Rohre durch den Bergdruck zerquetscht werden? Wie soll man die radioaktive Lauge abpumpen, wenn sich Fließwege verändern? Derzeit können etwa 10 Kubikmeter nichtkontaminierte Lauge hundert Meter oberhalb der Einlagerungskammern aufgefangen werden – was passiert, wenn sich diese Lauge neue Wege sucht und auf die 750m-Sohle fließt?
Vorschläge der Arbeitsgruppe Option Rückholung wurden ignoriert
Die Wissenschaftlergruppe AGO („Arbeitsgruppe Option Rückholung“) hatte dem BfS Alternativ-Vorschläge zur Offenhaltung der „2. südlichen Richtstrecke nach Westen“ und auch zur Drainage dieser Strecke bei einer Verfüllung vorgelegt. Keiner dieser Vorschläge wurde vom Betreiber geprüft und mit den eigenen Maßnahmen verglichen, stattdessen wurden die Vorschläge der AGO teilweise abgewandelt.
Das Bundesamt für Strahlenschutz meint, mit den Maßnahmen ein taugliches Notfallkonzept umzusetzen und favorisiert dabei die Abschottung der Atommüllkammern. Gegenüber dem Flutungskonzept des alten Betreibers (Helmholtzzentrum München) hat es aber, so wurde an dem Abend deutlich, gravierende Nachteile: es gibt keine „Strömungsbarrieren“ und außerdem sind große Resthohlräume der Atommüllkammern noch nicht verfüllt. Deswegen werden im Notfall, wenn große Mengen Lauge in das Bergwerk einbrechen sollten, diese nicht um die Einlagerungskammern herumgeleitet, sondern eher in sie hineingeleitet.
Zur Veranstaltung hatte der der Asse II-Koordinationskreis (A2K) eingeladen, die Koordinierungsrunde von Bürgerinitiativen, Gruppen, Organisationen und Einzelpersonen, die sich der Frage der langfristigen radiologischen Sicherheit der Region um die Asse widmen.
Arbeitskreis fordert Stop der aktuellen Verfüllug
Heike Wiegel vom Asse II-Koordinationskreis präsentierte abschließend dessen Forderungen: Der A2K fordere ein sofortiges Aussetzen der Verfüllung der 2. Südlichen Richtstrecke, auf der 750m Sohle und eine kritische Aufarbeitung der Probleme, also ein Moratorium; außerdem die Einbindung der Rückholung in die Notfallvorsorge und die Revidierung des „Topfkonzeptes“.
Weiterhin fordere der A2K die Einbindung und Berücksichtigung der AGO Stellungnahmen bei den Zulassungen und Genehmigungen. BfS, BMUB, LBEG und NMU sollten die AGO-Vorschläge und AGO-Stellungnahmen unverfälscht ernsthaft prüfen und wissenschaftlich nachvollziehbar dazu Stellung nehmen.
Ferner fordere der Asse II-Koordinationskreis das BfS auf, alle Handlungen zu unterlassen, die zu einer weiteren Vernässung des chemo-toxischen und radioaktiven Mülls führen könnten. Außerdem solle das BfS nachweisen, wie radioaktiv kontaminierte Lauge von mehr als 1m³ / Tag entsorgt werden kann, denn die Überschreitung dieser Menge gilt gegenwärtig als eine ausreichende Voraussetzung dafür, die Rückholung des Atommülls aus der Asse abzubrechen.

