Asse II: Ratsherr Dettmann zerreißt Parteibuch in laufender Sitzung

Ratsherr Udo Dettmann hat in einer laufenden Sitzung sein Parteibuch zerrissen. Als Grund hierfür nennt der langjährige SPD-Kommunalpolitiker die mangelnde Unterstützung der eigenen Partei auf Bundesebene in Sachen Asse II.

von


Udo Dettmann (rechts), hier mit Heike Wiegel vom Verein "aufpASSEn", ist mit einem Paukenschlag aus der SPD ausgetreten.
Udo Dettmann (rechts), hier mit Heike Wiegel vom Verein "aufpASSEn", ist mit einem Paukenschlag aus der SPD ausgetreten. | Foto: Privat

Schöppenstedt. Paukenschlag im Samtgemeinderat der Elm-Asse: Der langjährige Ratsherr des Samtgemeinderates Elm-Asse, Udo Dettmann, hat in der laufenden Sitzung sein SPD-Parteibuch zerrissen. Dettmann, der seit 2003 Sozialdemokrat ist und schon vorher als parteiloser kommunalpolitisch aktiv war, fühlte sich bei der Endlagersuche von der eigenen Partei übergangen. Seine nun ehemaligen Genossen in der Kommunalpolitik nimmt er jedoch davon aus.


Vorangegangen war die Annahme einer fraktionsübergreifenden Resolution, der zufolge ein wissenschaftlicher Vergleich zwischen Atommüllzwischenlagern in der Nähe der Asse und solchen außerhalb der Asse angestrengt werden sollte. Nach Annahme der Resolution sei Dettmann aufgestanden, noch einmal ans Rednerpult getreten und habe sein Parteibuch zerrissen. Eine Entscheidung, die er sich nicht leicht gemacht habe. Am Ende war wohl Frustration der ausschlaggebende Grund: In Sachen Asse erhebt Dettmann schwere Vorwürfe gegen das SPD-geführte Bundesumweltministerium.

Laut Dettmann hätten die SPD-Staatssekretäre im Umweltministerium von vornherein gesagt, dass eine derartige Studie nicht zustande kommen solle. Demnach sei der Konsens, den mehrere Ratsfraktionen überparteilich erreicht habe, schlicht übergangen worden. Überhaupt, so Dettmann weiter, hätte das Umweltministerium sich kaum für die politischen Gremien und die Lage vor Ort interessiert. Gerade einmal dreimal habe sich die parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) in den Gremien blicken lassen. Staatssekretär Jochen Flachsbarth habe in einer Videoschalte unumwunden angekündigt, dass man die Resolution nicht beachten werden.

"Basta-Politik" des Umweltministeriums


Deshalb, so Dettmann, habe er sich nicht mehr von der Bundespartei unterstützt gefühlt. Eine derartige "Basta-Politik", die sich über politische Beschlüsse hinwegsetze, könne er als SPD-Mitglied nicht mehr mittragen. Im Gespräch mit regionalHeute.de fügt Dettmann hinzu, dass sich die CDU-Staatssekretäre besser um das Projekt Asse gekümmert hätten. Ein schwerer Satz für einen langjährigen SPD-Politiker, wie Dettmann zugibt.

Eine neue politische Heimat sieht Dettmann indes nicht. Er wolle seine Ratstätigkeit fortsetzen, allerdings parteilos. Als SPD-Mitglied habe er die Umstände nicht mehr ertragen können, als Bürger werde er das wohl weiter müssen, schreibt Udo Dettmann auf seiner Facebook-Seite. Das hieße allerdings nicht, dass er sich nicht weiter engagieren werden. Im Gegenteil. Er werde weiter dagegen aufstehen.


mehr News aus Wolfenbüttel


Themen zu diesem Artikel


SPD SPD Wolfenbüttel CDU