Wolfenbüttel. Die städtische Kunstrasenplatz-Offensive für die Fußball-Abteilungen der Wolfenbütteler Sportvereine soll in die nächste Runde gehen. Nach den Anlagen des MTV und des BV Germania Wolfenbüttel war bereits der MTV Salzdahlum an der Reihe und erhielt ebenfalls einen Kunstrasenplatz. Beim ESV Wolfenbüttel soll im Okerstadion als Nächstes ein solches Geläuf entstehen – und dann wäre der FC Arminia Adersheim dran. Oder bremst ein besonderes Problem diesen Bau noch aus?
Am heutigen Mittwoch entscheidet der Rat der Stadt Wolfenbüttel über das Projekt Kunstrasenplatz in Adersheim. Anders als bei den Anlagen zuvor, wo punktspieltaugliche Plätze entstanden sind, soll beim FC Arminia – auf den nicht mehr genutzten Tennisplätzen – ein Kleinfeld-Kunstrasenplatz entstehen. Dieser würde immerhin die Trainingssituation mehrerer Stadtvereine entspannen können. Alternativ könnte die Verwaltung laut Ratsbeschluss aber auch den Bau einer Kalthalle prüfen – eine Art überdachtes, aber zu den Seiten hin offenes Kunstrasenfeld. Die Kosten beider Varianten pendeln zwischen 750.000 und 1,4 Millionen Euro – je nach Ausführung.
Salzgitter Flachstahl könnte den Pachtvertrag mit einer Frist von einem Monat kündigen
Außerdem heißt es in der Ratsvorlage: Vor dem Maßnahmenbeschluss soll der Pachtvertrag neu geschlossen werden. Und das ist tatsächlich ein Knackpunkt. Denn dort könnte sich ein gewaltiges Risiko verbergen. Schließlich gehört das gesamte Arminia-Sportgelände nicht der Stadt, wie das bei vielen anderen Vereinen der Fall ist. Das FCA-Gelände befindet sich im Eigentum der Salzgitter Flachstahl GmbH. Per Pachtvertrag treiben die Arminen dort seit jeher ihren Sport. Das Stahlwerk hat aber die Möglichkeit, das Pachtverhältnis zu kündigen – und zwar mit einer Frist von einem Monat.
Die Salzgitter AG bestätigt auf Anfrage von regionalHeute.de, "dass sich folgende Grundstücke in unserem Besitz befinden: die Flurstücke Gemarkung Adersheim, Flur 5, Flurstück 43 und Flurstück 42/8." Eigentümerin der Grundstücksflächen sei jeweils die Salzgitter Flachstahl GmbH. Es bestehen demnach ein Grundstücks-Pachtvertrag mit der Stadt Wolfenbüttel (10.000 Quadratmeter) sowie ein Grundstücks-Pachtvertrag mit dem FC Arminia Adersheim (4.900 Quadratmeter). Den Pachtvertrag mit der Stadt könnte die Salzgitter Flachstahl sogar zu sofort kündigen, unter anderem "wenn betriebliche Maßnahmen die Kündigung verlangen", erklärt Salzgitter-AG-Pressesprecher Daniel Mau. Gegenüber dem FC Arminia Adersheim hat der Konzern eine Kündigungsfrist von vier Wochen einzuhalten. Eine Kündigung könnte erfolgen, "wenn Pachtfläche unter anderem ganz oder teilweise für betriebliche Zwecke benötigt wird."
Sportanlage des FC Arminia Adersheim besteht seit 1952
Direkt an den Sportplatz in Adersheim angrenzend befindet sich die Kalkdeponie der Wasseraufbereitung der Salzgitter Flachstahl GmbH. Dort liegt also das unternehmerische Interesse an dem Gebiet aus Sicht des Stahlwerks. Wie aber Adersheims Ortsbürgermeister Dirk Meier in einer Stellungnahme zur heute anstehenden Beschlussfassung im Rat hervorhebt: "Klarstellen möchten wir aber auch, dass die Sportanlage seit 1952 existiert und seither noch nie die Flächen seitens der Salzgitter AG in Frage gestellt wurden."
Der Konzern-Pressesprecher betont: "Das bedeutet, dass kurzfristige Kündigungen der Pachtflächen durchaus möglich sind, wenn betriebliche Zwecke es erforderlich machen." Gleichzeitig hebt Mau hervor: "Schon seit vielen Jahren werden diese grundsätzlich betriebsnotwendigen Grundstücke seitens Salzgitter Flachstahl aber nicht genutzt, und es ist auch eher unwahrscheinlich, dass sich daran in naher Zukunft etwas ändern wird." Damit bestätigt er auch das Argument des Adersheimer Ortsbürgermeisters.
Ausgeschlossen sei es aber eben nicht. So erklärt der Pressesprecher weiter: "Dennoch möchte sich die Salzgitter Flachstahl GmbH die Möglichkeit offenhalten, die Flächen auch zukünftig jederzeit nutzen zu können, wenn es Projekte erforderlich machen." Eine solche Erfahrung hatte erst im Vorjahr der Motorflug-Club Salzgitter im Adersheimer Nachbarort Drütte gemacht. Nach gut 70 Jahren der Nutzung des dortigen Flugplatzes hatte die Salzgitter AG von ihrem Recht Gebrauch gemacht und den Pachtvertrag gekündigt. Damit war die Luftsport-Tradition in Drütte abrupt beendet.
Risiko für die Verwaltung bleibt bestehen
Es verbleibt also für die Wolfenbütteler Verwaltung, die eventuell im siebenstelligen Bereich in Adersheim investieren will, ein gewisses Risiko bestehen. Auch in der Ratsvorlage, über die am heutigen Mittwoch entschieden wird, heißt es: "Die räumliche Nähe des Kalkschlammbeckens südlich der Anlage und der damit verbundene potenzielle betriebliche Flächenbedarf der Salzgitter Flachstahl GmbH ist ein konkreter Risikofaktor." Die Verwaltung würde daher eine Pachtvertragsanpassung mit der Verpächterin anstreben. Das Ziel: Die Frist auf fünf Jahre verlängern. Das würde höhere Planungssicherheit schaffen, erklärt die Stadtverwaltung, betont aber direkt im Anschluss: Auch die Fristverlängerung "eliminiert das Risiko aber nicht."

