Politik

FDP-Themenabend: „Hebammen brauchen bessere Bedingungen“


Die FDP-Landtagsabgeordneten Sylvia Bruns und Susanne Schütz (von links) sowie die Hebamme Patricia Könneker waren von Björn Försterling zu einem Themenabend über die Hebammenversorgung eingeladen. (Foto: Christina Balder)
Die FDP-Landtagsabgeordneten Sylvia Bruns und Susanne Schütz (von links) sowie die Hebamme Patricia Könneker waren von Björn Försterling zu einem Themenabend über die Hebammenversorgung eingeladen. Foto: Christina Balder Foto: Christina Balder)

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29.11.2019

Wolfenbüttel. Mit dem frischen Schwangerschaftstest noch in der Hand gilt das erste Telefonat der werdenden Mutter oft nicht den Angehörigen, sondern einer Fremden: Wer sich nicht sofort um eine Hebamme für Vor- und Nachsorge kümmert, läuft Gefahr, leer auszugehen. Vor geschlossenen Kreißsälen oder bei einer Hebamme auf fünf Gebärende wird auch der Mangel in der Geburtshilfe offensichtlich. Mit dem Hebammenmangel und möglichen Antworten darauf beschäftigte sich ein FDP-Themenabend am vergangenen Donnerstag. Dies berichtet die FDP.


„Die Situation ist im Moment für alle Seiten furchtbar“, sagte Patricia Könneker, Hebamme und Kreisvorsitzende des Hebammenverbandes Braunschweig. Schwangere verzweifelten auf der Suche nach einer Betreuung, Hebammen verbrächten einen großen Teil ihrer Arbeitszeit mit Telefonaten – und Absagen. Frauen würden für die Geburt bis Lüneburg oder Göttingen weiter verwiesen, weil die hiesigen Kreißsäle mangels Personal schließen müssten. „Unter der Geburt werden Frauen teils für mehrere Stunden allein gelassen. So kommt es zu traumatischen Geburten, die wochenlange Probleme in der Mutter-Kind-Beziehung zur Folge haben können“, berichtet Könneker. Die Situation sei nicht mehr tragbar.

Sylvia Bruns, gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Landtag, und ihre Braunschweiger Fraktionskollegin Susanne Schütz sprachen mit Könneker vor knapp 20 Zuhörern nicht nur über die Probleme, sondern auch über Lösungen. Ein aktuelles Thema sei dabei die Akademisierung, die mehr junge Frauen in den Beruf bringen solle. Die Regelung setze EU-Recht um – zu spät, finden die Freidemokratinnen Bruns und Schütz. „Die Landesregierung hat sich zu viel Zeit gelassen und jetzt haben wir ein Problem“, sagte Schütz. Vier Standorte soll es künftig geben, die Ostfalia ist aktuell nicht dabei. Hier will sich der Wolfenbütteler Abgeordnete Björn Försterling auch weiterhin engagieren und bekommt Unterstützung von Bruns und Schütz. Auch Patricia Könneker befürwortete das: „Wenn der Standort hier fehlt, fehlen auch die angehenden Hebammen als Arbeitskräfte – und wer erstmal woanders studiert, bleibt dann auch weg.“ Der Mangel in der Region würde sich also verschärfen.

8.600 Euro für die Haftpflichtversicherung


Doch auch nach der Ausbildung müsse sich vieles ändern, seien sich die drei Frauen einig gewesen. „Damit die Hebammen, die wir durch das Studium neu gewinnen, auch im Beruf bleiben“, sagte Sylvia Bruns. Neben den Arbeitsbedingungen sei ein Hebel das Geld: „Die Vergütung muss stimmen – und die Haftpflichtversicherung für Hebammen in der Geburtshilfe ist kaum tragbar.“ Eine Hebamme im Publikum habe berichtet, der Jahresbeitrag liege aktuell bei 8.600 Euro, der Umsatz für eine Geburt bei 198 Euro. Die Zahlen hätten für Unruhe unter den Zuhörern gesorgt. Björn Försterling warf ein: „Wenn es nur einen Anbieter für diese Haftpflicht gibt, dann muss man auch als Liberaler mal feststellen, dass hier staatliche Intervention geboten ist.“ Auch Sylvia Bruns sei der Meinung gewesen, dass es eine gesellschaftliche Aufgabe sei, die Geburtshilfe zu erhalten, sah die Zuständigkeit aber beim Bund.

Kurzfristig sei es wichtig, sagte Susanne Schütz, die Hochschulen in Niedersachsen anzutreiben, um die Umstellung der Ausbildung in ein Studium so schnell wie möglich zu realisieren. Die MHH in Hannover etwa wolle erst 2021 starten und momentan werde die Region Braunschweig beim Thema Hebammenausbildung vom Wissenschaftsministerium auf eine Zusammenarbeit mit der MHH verwiesen. Försterling habe auf einen eigenen Studiengang an der Ostfalia gedrängt: „Notfalls muss hier das Wissenschaftsministerium auch Mittel bereitstellen.“


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