Gegen Gerüchte: Landrätin und DRK luden Nachbarn ein


Foto: Landrätin Christiana Steinbrügge (hinten rechts) im Dialog mit den Anwohnern. Im Vordergrund Fridbert Schwartz (links) und Andreas Ring vom DRK.  Foto: DRK
Foto: Landrätin Christiana Steinbrügge (hinten rechts) im Dialog mit den Anwohnern. Im Vordergrund Fridbert Schwartz (links) und Andreas Ring vom DRK. Foto: DRK



Wolfenbüttel. Auf großen Zuspruch stieß das Angebot von Landkreis und DRK-Kreisverband Wolfenbüttel, Informationen über das Haus zu geben, das in Kürze von bis zu 30 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF) bezogen wird. Allerdings waren nur die unmittelbaren Nachbarn in den Garten der Immobilie eingeladen worden, die das DRK kürzlich gekauft hat.

"Einerseits wollen wir mit einer gewissen Transparenz verhindern, dass sich rund um das Haus und die Gruppe seiner Bewohner wilde Gerüchte ranken", erklärte Landrätin Christiana Steinbrügge am Sonntag. "Andererseits bitten wir um Verständnis, dass wir den Standort nicht weiter bekannt machen wollen. Nur so können wir sicherstellen, dass sich diese besonders schutzwürdige Flüchtlingsgruppe ohne Druck an ihre neuen Lebensumstände gewöhnen kann." Rund drei Dutzend Nachbarn, so berichtet der Pressesprecher des DRK-Kreisverbandes Frank Wöstmann, nahmen das Angebot an. Zunächst haben sie sich vom sozialpädagogischen Leiter der neuen DRK-Einrichtung, Uwe Rump-Kahl, durch das dreigeschossige Haus führen lassen. Anschließend stellten sie dann im Garten bei Kaffee und Kuchen ihre Fragen - Adressaten dafür waren neben der Landrätin die Leiterin des Kreis-Jugendamtes, Sabine Walter, sowie vom DRK Fridbert Schwarz (Präsidium) und Vorstand Andreas Ring.

Nachnutzung bereits geplant


Die Jugendlichen sollen im Haus betreut werden, und auch einen Sicherheitsdienst, der 24 Stunden arbeitet, soll es geben. "Uns liegen keine konkreten Warnungen vor", erklärte Christiana Steinbrügge, "aber man weiß ja nie." Ob diese Überwachung auch auf die Nachbarschaft ausgedehnt werde, wollten einige Besucher wissen. Das sei nicht geplant und auch nicht erforderlich, denn es bestehe keine Bedrohung, lautete die Antwort. Auch die Befürchtung, dass die Häuser in der Nachbarschaft jetzt an Wert verlieren könnten, konnte zerstreut werden, so Frank Wöstmann. "Übrigens planen wir eine Nachnutzung unseres Hauses unter dem Dach des DRK-Kreisverbandes", erklärte Andreas Ring. Sobald sich die Flüchtlingsproblematik entspanne und keine UMF mehr untergebracht werden müssten, soll es in dem Haus betreutes Wohnen für Menschen mit Behinderung geben.

"Erstmal sollen sie Deutsch lernen"


Das kann aber noch dauern. Andreas Ring berichtete, Deutschland müsse rund 15 000 UMF aufnehmen. "Wir wissen nicht, woher sie kommen oder wie alt sie sind. Statistisch hat sich aber herausgestellt, dass 15 Prozent von ihnen Mädchen sind." Anwohner haben wissen wollen, was die neuen Nachbarn den ganzen Tag tun. "Sie gehen ganz normal zur Schule", versicherte Fridbert Schwartz. Nachmittags und abends kümmern sich Sozialpädagogen des DRK um die jungen Leute, von denen viele auf der Flucht oder vom Krieg in ihrer Heimat traumatisiert wurden. "Erstmal sollen sie Deutsch lernen, bevor es dann um Ausbildungsplätze geht", verdeutlichte Andreas Ring. Das hänge natürlich von der Altersstruktur und den Herkunftsländern der Menschen ab. "Syrer zum Beispiel haben oft eine sehr gute Schulausbildung, während das bei Afghanen ganz anders aussieht."

Die Landrätin freute sich über die vielen Fragen rund um die Unterkunft. "Ich glaube, wir konnten die meisten Bedenken zerstreuen, auch die Stimmung war gut - eine runde Veranstaltung." Und auch die Anwohner selbst verließen den Garten mit einem guten Gefühl. Stillschweigen sei selbstverständlich, versprach einer: "Schon aus eigenem Interesse. Wir wollen nicht irgendwelche Krawallmacher in unserer Straße haben." Eine Nachbarin bedankte sich gar für die Einladung: "Wir haben einen guten Einblick bekommen. Und wir freuen uns für die Jugendlichen, die hier zu uns kommen."


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