GiS: „In“ und „out“ – Jugendliche und Mobbing im Internet




[image=5e1764cc785549ede64ccfe1]Anlässlich des „Safer Internet Day“ hielt der Diplom-Sozialpädagoge Stefan Schaper in der Aula des Gymnasiums im Schloss (GiS) einen Vortrag zum Thema „Social Communities, Privatsphäre & Cybermobbing“. Vor Eltern, Schülern und Lehrern wies er nicht nur auf die Möglichkeiten, sondern auch auf die Gefahren des Internets hin.

Hierbei rückte der aktuelle „Platzhirsch“ unter allen sozialen Netzwerken, Facebook, in den Mittelpunkt des Vortrages und der anschließenden Diskussionsrunde. Die überwiegende Mehrheit aller Jugendlichen von 12 bis 19 Jahren nutze laut Schaper dieses soziale Netzwerk auf der Suche nach Orientierung und Anerkennung. Facebook sei für sie ein unschlagbarer Ratgeber bei der Planung von Referaten, Hausaufgaben, der Kleiderordnung und des Haarschnitts. Die zentrale Frage, was „in“ ist oder „out“, werde im Internet geklärt. Und zwar mit allen. Denn alle lesen und „voten“ mit. Zumindest wenn man nicht aufpasst. Aus „Das ist cool und das ist blöd“ wird dann schnell „Der ist cool und die ist blöd“. Oft mit Foto und immer für die Ewigkeit. Denn das Internet vergesse so gut wie nichts. Dabei habe es Mobbing im Klassenraum schon immer gegeben. Dort finge es auch heute an. Insofern sei das Internetmobbing nur ein Symptom von gestörten persönlichen Kontakten. Nicht mehr und nicht weniger.

Gleichwohl stoße man mit dem Internetmobbing in eine kaum vorstellbare Dimension von Raum und Zeit vor. Aus der einstigen Enge des Klassenraumes werde nun die grenzenlose Weite des Internets. Aus dem einst abwischbaren Spruch an der Tafel und dem schnell zerknüllbaren Foto an der Wand werde nun ein Zeugnis der Verunglimpfung, das man auch noch in zwanzig Jahren begutachten könne. Grund genug also, soziale Netzwerke und deren Möglichkeiten nicht  zu unterschätzen.

Diese Vorsicht sei laut Schaper auch dann angebracht, wenn man seine Privatsphäre schützen will. Fotos mit Name, Adresse, Geburtstag und Angaben zum Sportverein mit Trainingszeiten halten viele Informationen bereit. Und zwar für alle, die wissen wollen, wann man wen in welchem Alter wo treffen kann. Zumindest wenn man nicht aufpasst. Will man das? Sollte es wirklich jeder wissen können? Muss man sich der Gefahr aussetzen, von einem Unbekannten erwartet zu werden? Ein weiteres Argument also, sensibel mit dem Internet umzugehen.

Risiken ganz anderer Art würden laut Schaper hingegen die Spiele in sich bergen, die im Internet angeboten werden. Spielen mache Spaß. Auch allein für einen Nachmittag. Aber wenn gleichzeitig viele mitmachten und das Spiel sich über Wochen oder gar Monate hinzöge, dann kenne der Spielspaß keine Grenzen. Ganze Tagesabläufe geraten ins Stocken oder würden allein danach organisiert, wann die Zucchinis geerntet werden müssten oder das Raumschiff landen würde. Kostenlose Spiele erweisen sich dann als Kostenfalle, wenn Bonuspunkte gekauft werden können, um die nächsthöhere Ebene zu erreichen. Ganze Schülergenerationen würden mit permanent leeren Prepaid-Karten für ihre Handys aufwachsen, weil sie davon ihre Bonuspunkte finanzierten. Zumindest wenn man nicht aufpasst.

Wenn man aufpasst, dann hätten laut Schaper soziale Netzwerke wie Facebook auch einiges zu bieten, besonders in den Bereichen der Information, Präsentation und Organisation. Wer heute „in“ sein will, dürfe sich also dem Internet und seinen Netzwerken nicht verschließen. Teilnahme allein reiche allerdings nicht aus, sonst wäre man schnell wieder „out“. Viele Firmenchefs informierten sich heute über ihre Bewerber auch im Internet. Fehlende Präsenz sei dabei ebenso wenig erwünscht wie unpassende. Demzufolge bliebe nur ein Weg aus diesem Dilemma: der kritische Umgang mit dem Internet. Dazu gehöre auch zu erkennen, dass nicht nur das Einschalten des Computers erlernt werden müsse, sondern vor allem auch das Ausschalten.


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