Wolfenbüttel. Woher kommt das tägliche Ei, wie entsteht eine Kartoffel und warum braucht eine Tomate Wochen, bis sie geerntet werden kann? Für viele Kinder gehören diese Erfahrungen heute nicht mehr zum Alltag. Um diesem Trend entgegenzuwirken, verfolgen die vier evangelischen Kindertagesstätten Martin-Luther, Wartburg, Waldkita und Kita im 15,7 derzeit eine neue Initiative: Ein Bauernhof oder ein Gartenbaubetrieb könnte künftig als fester Lernort für die Kitakinder dienen.
Die Verantwortlichen stellen dabei klar, dass es sich ausdrücklich nicht um den Bau einer neuen Einrichtung handelt. Angesichts der demografischen Entwicklung sowie der aktuellen finanziellen Rahmenbedingungen stehe ein Neubau nicht zur Debatte. Stattdessen wird geprüft, wie sich in Kooperation mit einem Partner aus der Region neue Konzepte für bestehende Kitagruppen umsetzen lassen.
Die Vision vom Bauernhof
Denkbar sei, dass Kinder künftig regelmäßig Zeit auf einem Hof oder in einem Gartenbaubetrieb verbringen. Bei passenden Rahmenbedingungen könnte langfristig auch die Unterbringung einer Kitagruppe an einem solchen Standort geprüft werden. Derzeit befindet sich das Vorhaben jedoch noch in einer frühen Orientierungsphase. Ein fertiges Konzept oder konkrete Bau- und Zeitpläne gibt es bislang nicht, erklärt Björn Bamberg, Gesamtleiter der evangelischen Kindertagesstätten Martin-Luther, Wartburg, Waldkita und Kita im 15,7.
Pädagogische Chancen im Grünen
Die pädagogischen Möglichkeiten eines solchen Lernorts gelten als vielfältig. Neben dem Versorgen von Tieren, dem Aussäen von Gemüse und der Pflege von Pflanzen stünde vor allem das Erleben des natürlichen Wachstums im Vordergrund. Kinder könnten so ein Bewusstsein für Lebensmittel entwickeln, Verantwortung übernehmen und Zusammenhänge in der Natur hautnah erfahren.
Darüber hinaus weist das Projekt Bezüge zur Geschichte der Region auf. Wolfenbüttel blickt auf eine lange Tradition als Gärtnerstadt zurück. Das Vorhaben knüpfe zudem an das historische Konzept von Friedrich Fröbel an, dem Begründer des Kindergartens, der Naturerfahrung und praktisches Lernen als zentrale Elemente der Kindererziehung sah.
Ein weiterer Aspekt betrifft die Verpflegung der Kitas. Da in den beteiligten Einrichtungen täglich frisch gekocht wird, könnten eigenhändig angebaute Kräuter, Salate oder Gemüsesorten direkt in den Kitaküchen verwendet werden. Dadurch würde der Weg der Nahrungsmittel von der Aussaat bis zum Teller für die Kinder lückenlos nachvollziehbar.
Suche nach Partnern gestartet
Aus der angestrebten Kooperation könnte eine Partnerschaft erwachsen, von der sowohl die Kitas als auch die beteiligten Betriebe profitieren. Um die Idee zu konkretisieren, suchen die Initiatoren nun nach potenziellen Partnern aus der Landwirtschaft, dem Gartenbau oder anderen naturnahen Bereichen. In einem ersten Schritt soll ausgelotet werden, welche Möglichkeiten einer Zusammenarbeit bestehen.
Interessierte Betriebe und mögliche Projektpartner können sich direkt an Björn Bamberg wenden.

