Wolfenbüttel. Die Kolpingfamilie hatte die Europawahl am 25. Mai zum Monatsthema auf ihrem Programm. „Stellen Sie sich vor, es ist Europawahl und keiner geht hin – was dann?“, stand im Mittelpunkt einer Diskussion im Roncalli-Haus. Elisabeth König vom Leitungsteam begrüßte Dieter Lorenz aus Sickte: “Sie sind bei uns als jemand bekannt, der sich hier und da zu Wort meldet. Wir freuen uns auf Ihre Gedanken und Anregungen, zur Wahl zu gehen und für Europa zu stimmen.“ Der als Freund und Förderer von Partnerschaft im Landkreis bekannte Kommunalpolitiker beschrieb verschiedene Ansätze, sein Wahlrecht unbedingt zu nutzen.
Lorenz erläuterte die Geschichte von 70 Jahren Europäischer Entwicklung und die Zuständigkeiten von Europäischem Parlament, Rat und Kommission. Er berichtete von vielen, auch persönlich bedeutsamen Erlebnissen im sich mehr und mehr entwickelnden Zusammenleben auf Europaebene und machte Vorschläge, was jeder und auch die Kolpingfamilie bis zur Wahl und künftig für die Europäische Entwicklung tun könne.
Freiheit sei in unserer Demokratie ein hohes Rechtsgut. Jeder könne zur Wahl gehen, muss es aber nicht. Ein Christ, der die zehn Gebote ernst nehme, bekomme von seiner inneren Stimme den Hinweis. „Gehe zur Wahl – Europa ist uns in die Hand gegeben“, so Lorenz. Das Grundgesetz beinhalte eine der besten und freiheitlichsten Verfassungen auf der Welt, es übertrage dem Volk die Staatsgewalt. „Sie wird vom Volk in Wahlen ... ausgeübt“ (GG 20.2). Dieter Lorenz schlussfolgerte deutlich: „Wer unsere Demokratie schätzt, geht zur Wahl und wirbt im persönlichen Umfeld.“
Auf die Europakritiker eingehend bemerkte Lorenz: „Wer sich beschwert, muss 70 Jahre Geschichte beachten. Von den Soldaten in den Schützengräben des Weltkrieges bauen jetzt deren Kinder, Enkel und Urenkel zum Beispiel über Schüleraustausche eine neue friedliche Zukunft in Europa auf. Diese Zukunfts-Chancen dürfen nicht durch Austrittsparolen oder Kritik ohne bessere Vorschläge verspielt werden.“
Dieter Lorenz und Helmut Hahn vom Leitungsteam der Kolpingfamilie Wolfenbüttel. ">Dieter Lorenz und Helmut Hahn vom Leitungsteam der Kolpingfamilie Wolfenbüttel. Foto: Privat
Hochachtung spricht Lorenz jenen Politikerinnen und Politikern aus den mittlerweile 28 Ländern aus, die in mehreren Stufen die heutige Europäische Union geschaffen haben. Der Vertrag von Lissabon vom 01.12.2009 habe mehr Bürgerbeteiligung gebracht und dem Parlament größeren Einfluss. Diese Entwicklung gehe weiter: weltweite Chancen durch starke Bindungen müssen durch Gemeinsamkeiten ausgebaut werden. Damit die Stärke unserer Wirtschaft – mit einem stabilen Euro, verbunden mit Wohlstand für alle – weiterhin erhalten bleibe, sei die Europäische Zentralbank zu unabhängigem Handeln gefordert. Das Prinzip der Subsidiarität solle weiterhin Vorrang haben. Danach regle jedes Land zunächst all die Dinge allein, die nur den eigenen Bereich betreffen. Erst wenn mehrere Länder betroffen seien, sollen EU-Regelungen festgelegt werden.
Ein besonderer Beitrag zum Zusammenwachsen der früher verfeindeten Länder entstand durch viele Partnerschaften.
Lorenz, seit 1968 an der französisch/deutschen Freundschaft mit Cachan und Polkowice sowie Wrzesnia in Polen beteiligt, berichtete von vielen Begegnungen, bei denen alte Hassäußerungen abgebaut wurden. Somit seien neue Gemeinsamkeiten entstanden. Bei der Ideensammlung: „Was ist zu tun?“ empfahl der Länderfreundschaften-Förderer einen „AKEU-Wobü“ (Adolf- Kolping-Europabeauftragten für Wolfenbüttel) zu berufen.
Helmut Hahn dankte für die Informationen und Anregungen. „Unser Motto heißt besonders zum Weitersagen: „Es ist Europawahl und jeder geht hin.“ Man kam überein, nach der Wahl „Europa-Union“ weiter im Gespräch zu halten.


